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Der Dresdner „Spiegelmarsch“ will reflektieren und irritieren

Ein Blick in den Spiegel Der Dresdner „Spiegelmarsch“ will reflektieren und irritieren

Mit ihrer marschartigen Performance will Svea Duwe die aktuelle Entwicklung in Dresden rund um das Demonstrationsgeschehen und die fortschreitende Spaltung der Gesellschaft aufgreifen, bezieht sich aber auch auf die lange Aufzugs- und Marschtradition in der sächsischen Landeshauptstadt.

Der „Spiegelmarsch“ während einer Probe vor dem Militärhistorischen Museum. Am Sonnabend und Montag werden insgesamt 24 Spiegelträger unterwegs sein.
 

Quelle: Anja Schneider

Dresden.  Selbstreflexion gehört sicherlich zu jenen menschlichen Eigenschaften, die für ein erfolgreiches zusammenleben zwischen Individuen unerlässlich sind. Doch so wertvoll die Kunst, sich selbst den Spiegel vorhalten zu können, für aufgeklärte Menschen auch sein mag, umso schwieriger ist ihre Umsetzung – nicht zuletzt, weil sie in der Regel eben nicht nur zum „sich selbst auf die Schulter klopfen“ veranlasst, sondern teilweise zu sehr unangenehmen und sogar schmerzhaften Einsichten führt. Kein Wunder also, dass gerade in aufrührenden und komplizierten Zeiten wie diesen das Gefühl aufkeimt, dass viele Menschen diese dringend notwendige Fähigkeit zur Selbstreflexion ad acta legen oder ganz und gar verlernen.

Die Künstlerin Svea Duwe will dem entgegentreten. Mit ihrer Kunstperformance „Spiegelmarsch“, die jeweils am Sonnabend und am kommenden Montag durch die Altstadt ziehen wird, möchte die 44-Jährige HfBK-Meisterabsolventin von 2008 „reflektieren, irritieren und kommentieren“. 24 Performer werden in einer geschlossenen Formation mannshohe Spiegel durch die Stadt tragen, gefolgt von vier auffälligen Fahnenträgern. Angeführt wird die Choreographie von Elisabeth Rosenthal, die auf einem eigens angepassten Marschglockenspiel Klangfolgen aus alten Volksliedern und Märschen spielt. Komponiert wurde die Musik dafür vom Dresdner André Obermüller.

Mit ihrer marschartigen Performance will Svea Duwe die aktuelle Entwicklung in Dresden rund um das Demonstrationsgeschehen und die fortschreitende Spaltung der Gesellschaft aufgreifen, bezieht sich aber auch auf die lange Aufzugs- und Marschtradition in der sächsischen Landeshauptstadt. Die begann bereits zu Zeiten von August dem Starken, spielte eine zentrale Rolle im Dritten Reich und in der DDR und gipfelte schließlich in der friedlichen Revolution von 1989.

Der „Spiegelmarsch“ soll dabei nicht nur das aktuelle Demonstrationsgeschehen und die geschichtlichen Hintergründe reflektieren, sondern auch die Bürger einzeln in die Pflicht nehmen. „Jeder, der sich in einem der Spiegel sieht, sollte nicht nur auf die Gruppe dahinter schauen, sondern sich auch Frage stellen, in wie weit er selbst an den aktuellen Geschehnissen beteiligt ist“, erklärt Duwe. Die Spiegel symbolisierten zwar einen abgrenzenden Schild, würden aber die Umwelt rundherum mit einschließen, wenn auch nur passiv. Kulturbürgermeistern Annekatrin Klepsch (Linke) hofft, dass der „Spiegelmarsch“, der ebenfalls im Rahmen des Kulturfestivals „Am Fluss / At the River“ stattfindet, ähnlich wie das „Monument“ von Manaf Halbouni auf dem Neumarkt, „Anlass für Diskussion und Dialog bietet“.

Die Idee für ihre außergewöhnliche Kunstperformance kam Svea Duwe 2015 während eines mehrwöchigen Aufenthalts in Wrocław. „Dort ist die Thematik rund um den Zweiten Weltkrieg noch sehr präsent. Ein Diskurs, der auch in der Öffentlichkeit geführt wird. Die Demonstrationen in Wrocław, die damals aufkommende Flüchtlingskrise und die ’Montagsspaziergänge’ in Dresden führten mich letztendlich zur Idee für den ’Spiegelmarsch’“, so die Künstlerin. Ein wichtiges Element in ihrer Performance sei demnach die Verbindung von Geschichte und Gegenwart.

Starten wird der Spiegelmarsch am Sonnabend um 16 Uhr am Kunsthaus Dresden, Rähnitzgasse 8. Von dort aus geht es vorbei am Goldenen Reiter durch die Altstadt bis hin zum Stadtmuseum, Wilsdruffer Straße 2. Am darauf folgenden Montag geht es ebenfalls um 16 Uhr die gleiche Strecke wieder zurück. An markanten Plätzen bleibt der Zug zusätzlich stehen und performt verschiedenen Choreographien.

Angst vor ähnlichen Pöbeleien wie bei der Eröffnung des „Monuments“ von Manaf Halbouni hat Svea Duwe nicht. „Natürlich werden wir bestimmt einige Sprüche zu hören bekommen, aber ich glaube nicht, dass wir gestört werden. Immerhin stehen hinter dem Zug echte Menschen.“

Im Anschluss an die zwei Aufführungen des „Spiegelmarsch“ zeigt das Kunsthaus Dresden ab dem 26. März mehrere parallele Ausstellungen, unter anderem auch eine Installation zum Spiegelmarsch von Svea Duwe.

Von Sebastian Burkhardt

Der für Samstag und Montag geplante Spiegelmarsch der Dresdner Künstlerin Svea Duwe muss aufgrund angekündigter schwerer Sturmböen abgesagt werden. Ein Ersatztermin für den Spiegelmarsch wurde aber bereits bekanntgegeben Die Performance der Künstlerin Duwe wird am Freitag, den 24. März, am Kunsthaus Dresden und am Sonntag, den 26. März, an der Städtischen Galerie Dresden, nachgeholt.

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Der für Samstag und Montag geplante Dresdner Spiegelmarsch muss aufgrund angekündigter schwerer Sturmböen abgesagt werden. Ein Ersatztermin wurde jedoch schon vereinbart.

Der für Samstag und Montag geplante Spiegelmarsch der Dresdner Künstlerin Svea Duwe muss aufgrund angekündigter schwerer Sturmböen abgesagt werden. Laut Aussage der Veranstalter können die Spiegel und Fahnen, die wesentlichen Elemente der Choreographie, bei starken Wind nicht eingesetzt werden.

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