Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 11 ° heiter

Navigation:
Google+
Das Philharmonia Orchestra London spielte in der Semperoper

Das Philharmonia Orchestra London spielte in der Semperoper

Legt man Wagners Apostrophierung der 7. Beethoven-Sinfonie als "Apotheose des Tanzes" zu Grunde, so ist ein roter Faden vom den rhythmische Struktur feiernden Beethoven-Sätzen zu Strawinskys "Le Sacre du Printemps" schnell gelegt.

Esa-Pekka Salonen und sein Philharmonia Orchestra London, derzeit durch Europa tourend, knüpften daraus bei ihrem Gastspiel dann eine extrem enge Bande.

Der Taumel, den Strawinsky in schwindelerregender, pulsierender Motorik im "Frühlingsopfer" beschwört, erfasste hier in der Semperoper schon das Beethovensche Opus im ersten Konzertteil. Beginnend mit dem über die Tempobezeichung "Allegretto" um einiges hinausgehenden zweiten Satz, gab es kein Halten mehr. Im Presto wirkten selbst die zarten Momente der Trio-Episoden kaum wie Ruhepunkte, für den Finalsatz in Salonens Lesart war "Allegro con brio" die mindeste, "furioso" die treffendere Bezeichnung.

Einem so brillanten Orchester wie den Londonern, denen der Finne Esa-Pekka Salonen seit 2008 als Chefdirigent und künstlerischer Berater vorsteht, ist das alles zweifelsohne zu entlocken, da lässt sich so schnell keiner abhängen. Auf der Strecke blieben musikalische Parameter: Die motivische Feinheit im Finalsatz, ein in Nuancen und eben auch zu den leisen Tönen hin ausschattiertes dynamisches Spektrum im Allgemeinen.

Das bemerkenswert energetische Spiel dieses Orchester hatte sich schon im ersten Stück des Abends manifestiert - Lutosawskis "Trauermusik", vom polnischen Komponisten zum 10. Todestag Bartóks geschaffen, und hier zugleich als Ehrung zu Lutosawskis 100. Geburtstag verstanden, den der 1994 verstorbene Komponist und Dirigent im Januar dieses Jahres begangen hätte. Die dunklen, intensiven Streichertöne des eindringlichen Stückes entfalteten Sogwirkung, dagegen waren es weniger die erdigen, denn die hellen, gleißenden Klänge, die schließlich Strawinskys "Sacre" prägten. Rauschend fegte der Tanz dahin, unerbittlich zogen die Rhythmen ihre Bahn, Salonen trieb sich und sein Orchester in den Spielrausch, bei dem er - und das spricht für die enge Verbundenheit zwischen Dirigent und Orchester - dann manchmal nur noch zuhören musste. Ein großes, ein unbedingtes, ein hoch virtuoses Musizieren - doch auch hier wäre ein Mehr an Zwischentönen denkbar gewesen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.05.2013

Sybille Graf

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr