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Das Musical „Die Schöne und das Biest“ gastiert in der Semperoper

Disney in Dresden Das Musical „Die Schöne und das Biest“ gastiert in der Semperoper

Das Musical „Die Schöne und das Biest“ gastiert ab dem 14. Juli in der Dresdner Semperoper. Bevor Belle und ihr Biest auf der großen Bühne singen, hatte unsere Mitarbeiterin Kerstin Leppich die Chance, einen Blick auf die Disneyträume zu werfen.

Wundervolle Kostüme, phantasiereiches Bühnenbild: Belle (Kitti Jenes) und das Biest (Sandor Barkoczi)

Quelle: Stefan Malzkorn

Dresden. Ein rosa Jugendstilgebäude in einer unscheinbaren Nebenstraße Budapests, der Eingang ist stilvoll aber schmal. Doch wenn sich die Türen des Operettentheaters öffnen, dann betritt der Gast eine andere Welt: Hier umfängt ihn der Charme einer vergangenen Zeit. 1894 gegründet und von Wiener Architekten gebaut, hat sich im Budapesti Operettszínhás die Atmosphäre des Fin de Siècle erhalten. Helle Marmorböden, weiße und goldene Ornamente an den Wänden und der Decke, riesige Lüster und dunkelroter Samt auf den Sitzen, dazwischen Schwarz-Weiß-Fotografien, die an schillernde Zeiten erinnern.

In Ungarn geht man traditionell früh am Abend in die Vorstellung und schaut im Operettentheater klassische Operetten, aber auch ungarische und internationale Musicals. Und wie passt nun ein Musical in ein Operettenhaus? „Wir glauben, dass das Musical die Operette von heute ist“, sagt György Lörinczy, Intendant des Operettentheaters. „Operetten waren ja die Populärmusik ihrer Entstehungszeit.“ Für Lörinczy ist das moderne Musiktheater deshalb nicht minderwertiger als klassische Opern. Man könne schließlich alles sehr gut und sehr schlecht präsentieren. Und Lörinczy lässt keinen Zweifel, welchen Anspruch er an die Inszenierungen seines Hauses hat.

Eine davon: Das Musical „Die Schöne und das Biest“, einer der größten Erfolge aus dem Hause Disney und auch für die Budapester Theatermacher ein Dauerbrenner. Die Geschichte von dem hartherzigen Prinzen, der von einer Zauberin in ein grauslich aussehendes Biest verwandelt und dessen Herz schließlich von der schönen und gutherzigen Belle erweicht wird, spielt auf einem verzauberten Schloss mit all seinen skurrilen, aber liebenswerten Bewohnern. Wo würde das verwunschene Schloss besser hinpassen als auf die Bühne dieses Budapester Kitschpalastes?

Das Musical "Die Schöne und das Biest" kommt in die Dresdner Semperoper. Wir zeigen Ihnen vorab ein paar Eindrücke der Produktion.

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Dessen sind sich auch die Macher bewusst: „Wir bringen das Stück nur an solchen Orten auf die Bühne, die dem Zauber, der dem Stück innewohnt, gerecht werden“, sagt Lörinczy. Die Dresdner Semperoper, wo „Die Schöne und das Biest“ ab dem 14. Juli zu sehen sein wird, immerhin genügt den Ansprüchen der Musicalkompanie.

In Budapest öffnen sich die Türen für den Besucher derweil noch ein Stück weiter und ziehen ihn in einen ganz anderen Kosmos. Die Welt hinter der Bühne ist zwar weniger plüschig, aber nicht weniger faszinierend. Denn wie so oft im Leben: Je leichter etwas auf den Betrachter wirkt – und „Die Schöne und das Biest“ strahlt die Disneysche Leichtigkeit über die ganzen zwei Stunden aus – umso mehr Arbeit steckt dahinter.

Das beginnt schon lange vor den eigentlichen Bühnenproben beim Sprechtraining: Vor allem die jungen Darsteller des Hauses hatten in der Schule Englisch und nicht mehr wie die Generation zuvor Deutsch gelernt. Gesungen wird „Die Schöne und das Biest“ bei den Shows in Deutschland aber in der Landessprache, und selbst hier in Budapest werden manchmal deutsche Aufführungen gespielt. Für die Darsteller bedeutet das hartes Aussprachetraining. Die Texte werden nach Melodie, nicht nach Sinn gelernt. Das gehört zum Handwerk der Sänger.

Tanzende Teller, hüpfende Teetassen und lebende Standuhren: Jede Menge Handwerk, dazu viel Phantasie und Kreativität stecken auch in den wundervollen Kostümen, die Designerin Erszebet Turi auf der kleinen Bühne des Hauses präsentiert. Dabei sind viele der phantastischen Stücke weit mehr als gewöhnliche Theaterkostüme. Das liegt nicht nur an den unzähligen ungewöhnlichen Materialien, wie Metallteile und Schwämme, die für die Kostüme verarbeitet werden. Man denke nur an Madame Pottine, die singende Teekanne, oder an den in einen Dreiarmleuchter verwandelten Diener Lumière.
Ganz zu schweigen von der äußeren Erscheinung von Madame de la Grande Bouche, die in eine rote Kommode verwandelte Operndiva. Allein an diesem Stück hat das Team zwei Wochen getüftelt, sogar einen Schlosser hinzugezogen. Die Kommode rollt nicht nur, sie ist auch mit zahlreichen Tricks ausgestattet, wie Turi demonstriert: Wie von Zauberhand – in Wirklichkeit von der Darstellerin im Verborgenen gesteuert – öffnet sich die Schublade. Schon das Hineinsteigen ist eine Herausforderung. Die Gäste hinter der Bühne wagen diese trotz des freundlichen Angebots lieber nicht. Die Darstellerin hingegen bewegt sich in dem 20 Kilo schweren Kostüm auch noch elegant zur Musik und schmettert ihre Arien.

Eingepackt in Schaumstoff und in viele Kilogramm schwere Stoffschichten gehüllt, spricht so mancher Darsteller von seinem Kostüm augenzwinkernd nur als „Mobiler Sauna“. Hauptdarsteller Sandor Barkoczi merkt man die Last seines Kostüms jedenfalls nicht an, wenn er mit Belle-Darstellerin Kitti Jenes leichtfüßig über die Bühne tanzt, von den Treppen herabspringt und auch mal in der Luft herumwirbelt. Seine Transformation zum Biest beginnt lange vor dem Betreten der Bühne. 45 Minuten benötigen die Maskenbildner allein, um aus dem jungen Mann mit den feinen Gesichtszügen das hässliche Biest zu formen: Erst kleben sie den Bart, dann gestalten sie die Konturen der Fratze mit reichlich Theaterschminke, erst am Schluss kommt die Perücke.

Im Musical wird das Biest durch Belle erlöst und verwandelt sich kurz vor dem Happy End wieder in den strahlendschönen Prinzen. Eine echte Herausforderung für die Theatermacher: Sechs Maskenbildner und Helfer sorgen hinter der Bühne dafür, dass aus dem Biest innerhalb weniger Minuten ein Prinz wird – eine ausgeklügelte Choreografie. „Am Broadway wird am Schluss auch schon mal ein anderer Darsteller auf die Bühne geschickt, für uns kam das nie in Frage“, sagt Lörinczy. Der Darsteller solle seinen verdienten Lohn in Form des Beifalls des Publikums schon selbst erhalten, verrät der Intendant seine Philosophie. Schließlich arbeiten die Schauspieler und Sänger hart dafür.

„Sie müssen nicht nur schauspielern können, sondern auch perfekt singen und tanzen“, sagt Lörinczy. Seine Darsteller singen nicht selten sowohl in Musical- wie auch in Operettenproduktionen, was hohe Anforderungen an ihre sängerischen Fähigkeiten stellt und auch unter Profis keine Selbstverständlichkeit ist.

Ausgefeilt ist auch jeder Schritt auf der Bühne. Im großen Tanzsaal des Theaters gibt Choreografin Eva Duda Anweisungen: „Macht den Kreis kleiner. Norman, du musst viel gebückter gehen.“ Kurzerhand macht sie vor, wie sie es sich vorstellt. Norman Szentmártoni und Dániel Szerémy, die Darsteller von Gaston und Lefou, proben hier gerade ihre Kampfszene: Kämpfen, fallen und gleichzeitig schön singen, keine Kleinigkeit. Damit auch in der letzten Vorstellung noch alles perfekt sitzt, begleitet die strenge Assistenz der Choreografie, Erika Szabó, die Tournee. „Pass auf!“, hagelt es dann auf die Darsteller ein: „Dein kleiner Finger stand zu tief.“ Keine Perfektion ohne harte Arbeit.

Der Gast kann sich der Illusion von Leichtigkeit hingeben. Sobald sich die Türen zum Zuschauerraum schließen und der Vorhang sich öffnet, hält auch ihn nur noch der Zauber des Schlosses und seiner Bewohner in seinem Bann.

Kerstin Leppich

Semperoper Dresden 51.054486 13.735276
Semperoper Dresden
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