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Crosby, Stills & Nash spielen am Donnerstag in Dresden in der Jungen Garde - Interview mit Graham Nash

Crosby, Stills & Nash spielen am Donnerstag in Dresden in der Jungen Garde - Interview mit Graham Nash

Es ist eine musikalische Partnerschaft, die die Zeiten überdauerte. David Crosby, Stephen Stills und Graham Nash bilden die kreativen Eckpfeiler einer Band, die seit Woodstock zu den einflussreichsten in der populären Musik zählt.

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Der legendäre Dreier: David Crosby, Stephen Stills und Graham Nash (v.l.).

Quelle: Eleanor Stills

Jeder von ihnen ist zweimal in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen worden, als Band CS&N, sowie auch mit The Byrds, Buffalo Springfield und The Hollies. Morgen starten Crosby, Stills & Nash ihre Europa-Tournee in der Jungen garde in Dresden. Vorab sprach Andreas Weihs mit Graham Nash.

Frage: CS&N treten in diesem Sommer in Dresden auf, Neil Young ebenso. Warum nicht gemeinsam?

Graham Nash: Das ist ziemlich einfach: Ich will jetzt mit Crosby, Stills & Nash weitermachen und Neil hat sein eigenes Leben. Wir kommen nur zum Musikmachen zusammen, wenn wir wirklich, wirklich wollen. Dieses Jahr eben mit CS&N. Wir haben im vergangenen Jahr so an die 87 Shows gespielt, unglaublich erfolgreich. Alle kommen wir sehr gut miteinander klar und ich sehe keinen Grund, jetzt etwas zu ändern. Wir sind noch sehr gut befreundet mit Neil, wollen aber dieses Jahr einfach nichts zusammen machen. Vielleicht im kommenden Jahr, mal sehen.

Sie sind ganz unterschiedliche Charaktere. Können Sie jeden mit einigen Eigenschaften beschreiben?

Crosby ist einer der ungewöhnlichsten Musiker, den ich kenne, sehr eigen. Die Basis von Davids Musik ist Jazz, auch wenn er mal ein Folk-Sänger war. Er liebt den Jazz. Seine Akkorde und Tunings sind davon sehr beeinflusst. Stephen hat Blues- und Latineinflüsse und das alles zusammen mit meiner nordenglischen Popsensibilität durch The Hollies ist CS&N-Musik. Neil hat härtere Einflüsse und fast ein dunkles Gefühl, düstere Stimmungen, in seiner Musik. Das alles zusammen ist dann CSN&Y-Musik.

Irgendetwas hält die Band schon über fünf Jahrzehnte zusammen. Was ist das?

Es ist die Musik. Wir machen ungewöhnliche Musik, die etwas ganz eigenes, einzigartiges ist. Und da ist natürlich unsere Freundschaft. Es ist zwar offensichtlich, dass es auch mal Zeiten gab, wo wir keine Freunde waren. Aber das liegt sehr weit in der Vergangenheit.

Kann man mit Musik die Welt verändern?

Ich denke ja, selbst wenn es nur eine Person ist. Musik hat eine kleine Chance, die Welt zu verändern.

Ist CS&N eine politische Band?

Ich verstehe zwar, warum Menschen uns als eine politische Band betrachten, aber ich glaube das nicht. Ich denke eher, wir sind eine menschliche Band. Ein Beispiel: Wenn du, wie einst Bobby Seale, gefesselt und geknebelt zum Prozess geführt wirst, weil er mit einigen Anti-Kriegs-Aktivisten gegen die Democratic National Convention 1968 in Chicago demonstrierte und angeklagt wurde, und wenn du das einen fairen Prozess nennst, dann finde ich das mit meiner englischen Sensibilität einfach nicht gerecht. "Chicago" ist eben ein menschliches Statement. Oder "Ohio": Wenn 1970 die Nationalgarde vier Studenten der Kent State University tötet, ist das ist kein politisches Statement, sondern ein menschliches. Deshalb sehe ich uns mehr als eine menschliche Band und keine politische.

Wie "menschlich" ist CS& N heute?

Unglaublich menschlich! Erst neulich habe ich mit James Raymond, unserem Keyboarder und einem brillanten Musiker, einen Song namens "Burning for the Buddha" geschrieben. Es geht um die 128 tibetischen Mönche, die sich verbrannt haben wegen der chinesischen Unterdrückung. Ein anderer neuer Song heißt "Almost Gone". Der handelt von einem US-Soldaten, der diplomatische und militärische Informationen an Wikileaks weitergegeben hat und fast heimlich verurteilt wird. Wir sind eine Nation mit Gesetzen, Deutschland auch, und wir sollten die Gesetze befolgen, wenn wir eine ordentliche Gesellschaft sein wollen. Aber Amerika ist oft sehr scheinheilig im Umgang mit Gesetzen. Sie haben Bradley Manning gefoltert, und er ist jetzt bereits für mehr als 1000 Tage im Gefängnis. In diesem Land hast du das Recht auf einen schnellen Prozess, zwischen 120 und 150 Tagen, und er ist unter unglaublich schlechten Bedingungen seit über 1000 Tagen eingesperrt. Für mich ist es falsch, dass wir nicht unsere eigenen militärischen Gesetze einhalten.

Nachdem Sie so lange im Geschäft sind: Was ist es für ein Gefühl, auf die Bühne zu gehen?

Ich fühle mich wie mit 20. Alles ist genau so: Ich bin begeistert, auf der Bühne zu sein, mit Leuten zu sprechen, ich bin privilegiert, meine Gedanken auszusprechen. Ich halte mich für einen sehr glücklichen Mann.

Wann wird es wieder ein Album mit neuem Material geben?

In diesem Jahr haben wir keine Zeit, ins Studio zu gehen. Wir werden auf Tour sein bis Ende Oktober. Vielleicht wird es besser zu Beginn des kommenden Jahres. Es ist nicht so, dass wir kein neues Material hätten, oder den Wunsch und den Drang neue Songs aufzunehmen. Wir haben einfach keine Zeit.

Finden Sie, dass Ihre Folk Music wieder immer mehr Einfluss auf die aktuelle Musik hat?

Kurz gesagt: Ich finde die heutige Musik nicht besonders gut. Ich verstehe, wie wichtig HipHop und Rap ist als so etwas wie eine Zeitung der Straße. Aber ich mag Melodien, an die ich mich erinnern kann, und ich mag Worte, die ich mir merken kann, die meine Seele bewegen. Die heutige Musik hat das oft nicht.

imorgen 20 Uhr (Einlass 18 Uhr), Junge Garde, Tickets noch erhältlich

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.06.2013

Andreas Weihs

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