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Christopher Tölle choreografiert an der Staatsoperette Dresden das Musical "Kiss Me, Kate"

Christopher Tölle choreografiert an der Staatsoperette Dresden das Musical "Kiss Me, Kate"

Eigentlich sollte es am Freitag in der Staatsoperette eine Uraufführung geben. Schöner Titel, "Der FrauenministerIn" wäre vielleicht ein Kultstück für FeministInnen geworden.

Auf den Operettenpolitiker mit dem großen "I" müssen wir noch warten. An seiner Stelle wird demnächst eine so temperamentvolle wie selbstbewusste Frau über die Bühne tanzen und toben, singen und dann, wenn sie meint, der Zeitpunkt sei gekommen, sich "zähmen" lassen. Die Frau heißt Katharina, der Mann, den sie letztlich ebenso zahm macht, wie er sie, heißt Petruchio, und beide sind die Hauptpersonen der Komödie "Der Widerspenstigen Zähmung" von William Shakespeare. Das Stück ist kein Dressurakt, es ist - wenn auch auf ungewöhnliche Weise - für zwei Menschen eine turbulente Reise zu sich selbst, um dann zueinander zu kommen. Am Ende gibt es nämlich zwei Gezähmte.

1948, mehr als 350 Jahre nach Shakespeare, kam am Broadway Cole Porters Musical "Kiss Me, Kate" heraus, verpackt in eine Rahmenhandlung im Theatermilieu, traten Shakespeares Menschen mit ihren Irrungen und Wirrungen ihren singenden und tanzenden Siegeszug um die Welt an. "Kiss Me, Kate" erreichte schon mit der New Yorker Originalproduktion mehr als 1000 Aufführungen en suite.

Jetzt macht die wandernde Theatertruppe, die im Musical Shakespeares Komödie aufführt, nach fast 15 Jahren wieder Station in Dresden, an der Staatsoperette. Holger Hauer, mehrfach erfolgreich hier zu Gast, führt Regie bei dieser Neuinszenierung. Peter Christian Feigel steht am Pult. Neu im Team und erstmals in Dresden tätig, ist Christopher Tölle, der Choreograf. Und das ist im Musical ja eine nicht gerade unwesentliche Position.

Kurz vor der Premiere haben wir uns getroffen. Zunächst möchte ich von dem 31-jährigen Sänger, Tänzer und Schauspieler wissen, wie es kam, dass es ihn in dieses Genre zog. Er tanze, so lange er denken kann, sagt er augenzwinkernd. Im Alter von elf oder zwölf Jahren habe er in Hamburg "Cats" gesehen, da war er hin und weg. Heute sieht er das Stück, in dem er später selbst gespielt hat, kritischer. Aber damals stand für ihn fest, da will ich hin, das will ich machen.

Er hat es getan, er hatte Glück, denn er konnte sein Studium an der Hamburger Stella-Academy absolvieren. Es folgten zehn erfolgreiche Jahre als Darsteller total unterschiedlicher Rollen in etlichen nationalen und internationalen Musicalproduktionen.

Jetzt gibt Christopher Tölle seine Erfahrungen als Choreograf weiter, sein Debüt an der Staatsoperette bezeichnet er als Glücksfall. Er kommt schon mal ins Schwärmen, wenn er von der Qualität des Ensembles spricht, von der Energie, mit der hier gearbeitet wird, und von der Ausnahmesituation, dass man in Dresden dem Originalsound mit vollem Orchester gerecht wird. Wo gibt es das sonst noch.

Und natürlich ist er angetan von der Ballettkompanie des Hauses. Die technischen Grundlagen der Tänzerinnen und Tänzer sind eben weit mehr als solide, und bei solchen Möglichkeiten, da kann man eben auch hohe Anforderungen stellen. Für den Choreografen ist es bei seinem Hintergrund als Darsteller unerlässlich, dass Tanz und Spiel und auch Gesang bei allen ineinander übergehen und dass es unerlässlich ist, dabei die unterschiedlichen Persönlichkeiten der Tänzerinnen und Tänzer ins Licht zu stellen. Dabei orientiert er sich stilistisch gerne an einem Meister des Genres wie Bob Fosse. Ob in der Arbeit mit Tänzern oder Sängern, das Ziel muss darin bestehen, alle zu ermutigen, im Prozess der Proben zu entdecken, dass sie immer doch noch etwas mehr können, als sie zu können glauben.

Den Klassiker "Kiss Me, Kate", darin sind sich Choreograf, Regisseur und Dirigent einig, den kann man schon "klassisch" auf die Bühne bringen, was - so es gelingt - alles andere als langweilig ist. Das Publikum bringt ja auch bestimmte Seh- und Hörgewohnheiten mit. Die gilt es erst mal zu achten um dann, ebenso wie mit den Protagonisten, doch über das Bekannte hinaus Neues zu entdecken. Natürlich beschäftigt ihn bei diesem Stück auch die Frage der Emanzipation, der Geschlechtergerechtigkeit. Aber hat nicht gerade Katharinas Finalsong "Ich bin auf ewig deine Dienerin" auch einen Untertext, gehört nicht das Augenzwinkern dazu, wie der Schuss Humor, mit dem Shakespeare sogar den Charakteren seiner tragischen Helden platte Eindeutigkeit verwehrt. Eben, "Schlag nach bei Shakespeare", wie es in einem der Ohrwürmer des Musicals heißt, in dem ja die beiden Protagonisten als Partner, die sich getrennt haben und wieder zusammen kommen, persönliche Konflikte und Missverständnisse auf der Bühne und im Leben durchspielen. Das geht, wir sind im Musical, unterhaltsam zu, es wird "Viel zu heiß", es wird zärtlich und "Wunderbar".

Die Dresdner Arbeit ist seine siebte Produktion als Choreograf. Von hier aus geht es in die Schweiz, zum Festival auf der Walenseebühne, eine Uraufführung steht auf dem Programm: "Tell - das Musical", frei nach Schiller. Jetzt aber heißt es frei nach Shakespeare, "Kiss Me, Kate".

Premiere: Fr, 19.30 Uhr, Staatsoperette; 2. Aufführung: Sa, 19.30 Uhr.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.04.2012

Boris Michael Gruhl

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