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Chick Corea und Steve Gadd eröffneten die Dresdner Jazztage

Ist der Dresdner Kulturpalast jazztauglich? Chick Corea und Steve Gadd eröffneten die Dresdner Jazztage

Ein Abend mit Chick Corea und Steve Gadd stand am Beginn der Dresdner Jazztage 2017. Doch der Funke wollte nicht so recht überspringen, was nicht an den Musikern lag, sondern an Akustik und Beleuchtung im Saal. Erst das Finale des Abends wurde grandios.

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Chick Corea

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Sollte es tatsächlich so sein, dass der aufwändig sanierte Konzertsaal des Kulturpalastes untauglich für diesen Jazz ist? Eben doch auf Klassik ausgerichtet? Die neugierige Vorfreude darauf, zwei Giganten des Jazz in diesem Raum zu erleben, sie wich jedenfalls sehr schnell der Ernüchterung, ja Enttäuschung.

Ähnliches musste Armando Anthony „Chick“ Corea bereits beim Soundcheck feststellen, wie er dem Publikum im fast ausverkauften Saal freimütig bei der Begrüßung mittteilt: Die Akustik sei wohl gut für Geigen, weniger für Drums. Schlecht, wenn man als seelenverwandten Mitmusiker einen der weltbesten Schlagzeuger an Bord hat. Schade allemal, denn es hätte ein wahrhaft fulminanter Auftakt der diesjährigen Jazztage Dresden werden können: Chick Corea und Steve Gadd – eine Traumkombination seit gemeinsamen Jam-Sessions Anfang der 60er in Rochester, New York, während Gadds Studienzeit – von der gemeinsamen Arbeit zu „Return To Forever“-Zeiten gar nicht zu reden. Und der Rest der Band braucht sich nun auch nicht zu verstecken! Da ist der Perkussionist Luisito Quintero, der Gadds differenziertes Schlagzeugspiel mit südamerikanischen Fäden durchwebt – hier, bei der Abmischung, jedoch oft zu leise ist, Steve Wilson brilliert an Saxofonen und Querflöte, der gebürtige Kubaner Carlitos Del Puerto an E- und Kontra-Bass. Als Gitarrist schließlich ist Lionel Loueke dabei, im Sommer als kongenialer Partner von Herbie Hancock in Erscheinung getreten.

Sie alle schaffen es, so viel sei bereits verraten, mit den beiden letzten Stücken, den Klassikern „Return To Forever“ und „Spain“, so aufzudrehen, dass dann doch der Funke überspringt, die Musik die Menschen erreicht und sie letztlich zufrieden heimwärts ziehen; noch in der Pause jedoch war allerorten die Unzufriedenheit zu vernehmen. Schlecht gemixt, zu leise, sterile Atmosphäre – so die Vorwürfe. Zumindest die Beleuchtung hätte doch heruntergedimmt werden können! Niemand will in einem Jazzkonzert Bücher lesen! Hier ging es doch um die sechs großen, mehr oder weniger alten Männer auf der Bühne – sie und nur sie hätten ins Scheinwerferlicht getaucht sein müssen.

Sie beginnen ihre musikalische Reise mit dem bereits gemeinsam geschriebenen „My Spanish Heart“ von 1976, und die Chronistin bemüht sich, die Alleinstellungsmerkmale dieser Ausnahmemusiker zu erfassen: das zurückhaltende Spiel Gadds, die Südamerika-Elemente im Klang der Querflöte Wilsons, Coreas perlendes Keyboard-Spiel und später die Interaktion von Wilson am Saxofon, der sich wahrhaftig die Seele aus dem Leib bläst, mit Steve Gadd. Das alles ist schnell, präzise, ist ein „Sich-hochjazzen“ nach allen Regeln der Kunst, allein: beim Publikum kommt es nicht wirklich an.

Ebenso wenig wie die vorgestellten Titel der neuen, noch nicht erschienenen gemeinsamen CD „Chinese Butterfly“. Wenn Corea am Flügel sitzt, wie beim getragenen Intro zu dem insgesamt altersweise, sanft und wie leise schwebenden „Serenity“, passt die Akustik noch am ehesten, wenn es jazziger wird und dabei verhalten-leise bleibt, am wenigsten. Die brillante Prägnanz dieser Formation, sie dringt einfach nicht durch. So bleibt Zeit und Gelegenheit, Lionel Louekes Gitarrenspiel zu analysieren, das in seinen Höhen mitunter an einen Synthesizer erinnert, sich zu fragen, wie Carlitos Del Puerto die hohen Töne seiner Kontra-Bass-Soli zustande bringt, über das Alter von Corea und Gadd nachzusinnen und über ihre Freundlichkeit, Bescheidenheit und Zugewandtheit dem Publikum gegenüber.

Bis zum grandiosen Finale. „Return To Forever“ wird von Corea als neu und alt angekündigt, es darf also gehofft werden, dass es in dieser härteren Gangart, mit den aktuellen Musikern, auch auf „Chinese Butterfly“ erscheinen wird. Da gibt es keine Überlegungen zum Alter mehr, wenn alle sechs aufdrehen, als würden sie uns einfach mitnehmen in den Jazzkeller, in den sie und wir gehören, und wo wir bei schummriger Beleuchtung zusammen das Leben und die Musik feiern. Und die Zugabe „Spain“ erst! Da wirkt die Einbeziehung des Publikums nicht verkrampft, das Fremdschämen bleibt aus, es entsteht wirklich ein wenig Session-Atmosphäre, ein Funke, der überspringt. So und nicht anders hätte der ganze Abend klingen müssen!

Von Beate Baum

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