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Beste Unterhaltung bei „Die goldene Gans oder was wirklich kleben bleibt“

Felsenbühne Rathen Beste Unterhaltung bei „Die goldene Gans oder was wirklich kleben bleibt“

Peter Kube, sozusagen der Schauspielchef der Landesbühnen Sachsen, hatte bei der Saisonankündigung bereits auf den Unterhaltungswert der Vorführungen in Rathen verwiesen. Was er mit „Die goldene Gans oder was wirklich kleben bleibt“ dann auch tatsächlich einlöste. Dabei war der Humor durchaus auf die sehr verschiedenen Altersgruppen des Publikums angelegt.

Julia Vincze (Käthe) und Felix Lydike (Klaus).

Quelle: Hagen König

Rathen.  „Verfluchter Hunger nach Gold!“ lautet der ernüchterte, aus der „Aeneis“ des Dichters Vergil zitierende Kommentar des Piraten Dreifuß in dem Comic-Band „Streit um Asterix“, als seine Kumpane übereinander statt über die Römer herfallen. Auch in dem Grimmschen Märchen „Die goldene Gans“ wird die Gier nach Gold so manchen erst mal zum Verhängnis, aber so bekannt das Märchen auch dank der Verfilmungen ist, etwa durch Siegfried Hartmann für die Defa 1964, es ändert nichts daran, dass sich dann doch immer ein paar Mitmenschen finden, die unbeeindruckt Goldschmied, Hedgefonds-Manager oder Warlord werden wollen.

Nun ist die Geschichte vom gutherzigen „Dummling“ Klaus, der letztlich der Weise ist und sein Glück macht, auf der Felsenbühne im Wehlgrund in Rathen zu erleben – in einer Bearbeitung von Schauspiel-Oberspielleiter Peter Kube und mit Musik in Form von einprägsamen, kindgemäßen Liedern von Jörg Kandl. Fast wäre die Premiere von „Die goldene Gans oder was wirklich kleben bleibt“ am Sonnabend dem Regen zum Opfer gefallen, aber nennen wir es mal schicksalhafte Fügung, dass die angekündigten Gebete des Darstellers des Pfarrers (Thomas Förster) scheinbar erhört wurden. Nach der „schweren Prüfung“ Gottes durch einen Platzregen konnte es nach halbstündiger Unterbrechung weitergehen. Und überhaupt war es erstaunlich, wie an diesem Premierennachmittag das Geschehen auf der Bühne und das Wetter einander ergänzten. So erfolgte justament nach dem Satz „Der Teufel soll dich holen!“ ein Unliebsames ankündigendes Donnergrollen, was Förster prompt dazu veranlasste, sich zu bekreuzigen – was wohl auch half, denn zu einem erneuten Regenguss kam es nicht.

Mal wieder bieten Bäume und Felsen die perfekte Hintergrundkulisse. Links auf der Bühne steht die Andeutung eines Schlosses, rechts eine Schusterwerkstatt, wo das Geschehen auch zunächst spielt. Dort lebt Klaus (Felix Lydike) mit seinen beiden Brüdern: dem sich dauerkämmenden Schönling Kunz (Johannes Krobbach) und dem ständig mit seinem Pech hadernden Tollpatsch Franz (Grian Duesberg), der klar erkannt hat, dass Arbeiten eine völlig veraltete Methode ist, den Lebensunterhalt zu bestreiten (vermutlich würde er insofern auch für ein bedingungsloses Grundeinkommen plädieren), und sich im Zweifelsfall lieber erst mal ausruht, bevor er müde wird. Während die Brüder einer alten Frau, der sie im Wald begegnen, nichts von ihrer Wegzehrung abgeben, ist Klaus so frei und gütig – und wird von der sich als gute Fee erweisenden Alten (Anke Teickner), die es sich vehement verbittet, „Mütterchen“ genannt zu werden, belohnt – mit einer goldenen Gans, an der alle klebenbleiben, die „nur mal ebenso“ Hand ans Federvieh oder eine schon festklebende Person anlegen wollen. Es trifft zwei Schwestern (Sandra Maria Huimann und Julia Vincze), den bereits erwähnten Pfarrer und einen „Zuschauer“ (Thomas Strangfeld), der glaubte, als Humbug entlarven zu müssen, was auf der Bühne erfolgte.

An sich nimmt die Geschichte ihren – außer für ganz kleine Kinder – bekannten Verlauf, die Spannung hält sich insofern in Grenzen. Gleichwohl ist die Inszenierung ein Genuss – und zwar in vielerlei Hinsicht. Die Optik stimmt, das fängt bei den Kostümen an (Ausstattung: Ulrike Kunze) und endet beim beliebten wohldosierten Einsatz von Pferden und Pyrotechnik. Während die Kinder lauthals lachen, wenn die „Klebegesellschaft“ Zuwachs erhält oder wenn Franz, über den sein Bruder Kunz sagt, „Wenn es beim Theater sowas wie die ideale Fehlbesetzung gibt, dann bist das Du!“, mal wieder mehr oder minder über die eigenen Füße stolpert, können Erwachsene gar nicht anders, als bei Sätzen wie „Oh, ein neues Gesetz, wie lange hatten wir schon kein neues Gesetz!?“ zu grinsen. Überhaupt sind es immer wieder aparte Spitzen mit hohem Wiedererkennungswert und geschliffenen Sentenzen, die Kubes Adaption das gewisse Extra verleihen, etwa wenn erkannt wird: „Man bedenke nur, wie viel Unheil durch Nichtstun schon verhindert wurde!“ Mitunter steigert sich die Situationskomik ins Grobe, ohne dass es allerdings nun gleich peinlich wird. Die Botschaft des Komasaufens – als zweite Prüfung müssen die Weinbestände des Königs (Tom Hantschel) in Rekordzeit geleert werden – ist natürlich klar: Als Spritnase findet man eher nicht ins Herz einer Frau, die etwas auf sich hält.

Das Ensemble spielt eigentlich rundweg gut auf, aber drei Darstellern muss an dieser Stelle einfach ein ganz dickes Extra-Lob gezollt werden. Duesberg als Franz stiehlt den eigentlichen Sympathiebolzen Klaus und der Prinzessin (Cordula Hanns) fast ein bisschen die Punkte im Wehlgrund-Sympathie-Contest. Förster holt aus der Minirolle des Pfarrers unglaublich viel heraus. Doch der heimliche Star ist Michael Berndt-Cananá, der insbesondere durch seine ausgeprägte Mimik erst als Hauptmann und dann als Haushofmeister den Zuschauern die Lachtränen in die Augen treibt. Als er mit den Worten „Vermisst mich“ abgeht, dürfte so mancher im Felsengrund dies in der Tat rasch tun.

nächste Vorstellungen: 27.5., 15 Uhr, 28.5., 15 Uhr, 15. & 20.6., 11 Uhr

www.landesbuehnen-sachsen.de

Von Christian Ruf

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