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Ausstellung mit Bildern von Sebastian Glockmann im Kunstraum Pillnitz

Ausstellung mit Bildern von Sebastian Glockmann im Kunstraum Pillnitz

Die Ausstellung mit Landschaftsmalerei des Dresdner Malers Sebastian Glockmann im Kunstraum Pillnitz ist sowohl für die Besucher, als auch für den Künstler selbst eine gute Möglichkeit, die Erträge der beiden letzten Sommer zu überblicken und eine gedankliche Brücke zur kommenden Freilichtperiode zu schaffen.

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Sebastian Glockmann. Schneise mit Schrammsteinblick. Öl / Leinwand. 2011.Repro: Kunstraum Pillnitz

Im Zentrum stehen Motive der Sächsischen Schweiz. Doch zunächst bringt der "Vorfrühling in der Provence", der er im Jahr 2010 einen Besuch abstattete, südlichere Farbtöne ins Spiel: Ocker, Beige, Gelb und erdiges Rotbraun werden von kräftigem, frischen Grün überwuchert. Der Maler war froh, dass er so früh im Jahr schon Ölfarben und Leinwände dabei hatte.

Denn meist nutzt er das Frühjahr zum Erwandern des grünen Gürtels um Dresden vom Meißner Land bis in die Täler und Gründe des Osterzgebirges, um sich in raschen Bleistift- und Aquarellskizzen verschiedenen malerischen Herausforderungen zu nähern, räumliche Verhältnisse und aktuellen Bewuchs zu erkunden sowie den zu erwartenden Lauf des Sonnenlichts festzustellen. Und um vorzumerken, wohin er zu gegebener Zeit zum Malen zurückkommen wird.

Oft zieht es ihn aber auch an schon bekannte Standorte, die er sich bereits durch intensive Beobachtung und Malerei erschlossen hat. Rabenauer Grund und Rödertal gehören zu seinen langjährig bevorzugten Gebieten, doch die "Angestaute Röder bei Bauda" bot ihm Ende Juni 2010 die Gelegenheit, endlich die vielen verschiedenen Lichtphänomene eines sonnigen Tages in dennoch wohltuend schattiger Atmosphäre einzufangen. Dafür musste die Sonne so hoch am Himmel stehen, dass ein Teil ihrer Strahlen Laub und Gezweig der Baumkronen durchdrang, während die anderen sich irgendwo dort brachen und Schatten auf das bewegte Wasser warfen.

An dessen Oberfläche reflektiert und gespiegelt, entfaltete sich ein flirrendes, die Sinne verwirrendes Spiel von Licht und Schatten, Blau- und Grüntönen, die die Grenzen von Raum, Illusion und Zeit zu verwischen begannen, denn der Maler verharrt in der Regel für mehrere Stunden vor einem Motiv. Er beobachtet den Lauf der Sonne. Wie sich der Weg des einfallenden Lichts ändert und die Schatten länger werden, ändern sich auch Richtung und Ausdehnung der kurzen, energischen Pinselzüge, mit denen Glockmann seine Impressionen formt. Je länger eine solche Sitzung dauert, in eine umso stärkere innere Drehung scheinen die Bilder zu geraten, deren Sog den Betrachter in einen dynamischen, nahezu dreidimensionalen Raum zu ziehen vermag.

Dieser Art erarbeitete er auch die Folge zur Sächsischen Schweiz, von der acht Motive in Öl auf Leinwand zu sehen sind. Unweit von Krippen bot ihm der oberhalb des Caspar-David-Friedrich-Weges parallel laufende Mittelhangweg, fantastische Ausblicke zu den am anderen Elbufer liegenden Steilwänden der alten Brüche und der darüber aufragenden Torsteinkette. Selbst im Schatten positioniert, konnte er von seinem erhöhten Standort in die durchsonnten Bruchwände schauen. Mitunter sogar ins Gegenlicht blickend, kategorisierte er seine Bilder nicht nur nach Jahreszeiten und Monaten, sondern zunehmend auch nach Tageszeiten, beispielsweise als Mittags- oder Spätnachmittagsmotive.

Mehrfach widerspiegeln auch hier die Wasser des Flusses die Farben und Formen von Felsen, Vegetation, Himmel und Wolkenformationen, doch spielt der exakte Verlauf mit seinen Ufern, eventuellen Befestigungen und Bebauungen keine Rolle. Das Licht wird immer mehr zum eigentlichen Thema Sebastian Glockmanns Malerei; das Licht, das es erst möglich macht, die Farben und Formen dieser bizarren Landschaft in ihrer unerschöpflichen Vielfalt wahrzunehmen.

So erscheinen seine Werk höchst expressiv und impressionistisch zugleich, alles Gegenständliche auflösend, um es äußerst präzise und objektgetreu wieder zum Bild zu fügen. In gewisser Weise wird man an frühe impressionistische Ideen, etwa an William Turners Dynamik von Licht und Atmosphäre, erinnert, oder an die "Reflexlandschaften" Claude Monets. Eine Vergleichbarkeit mit der rhythmisierend synthetischen Arbeitsweise Max Uhligs oder Gerda Lepkes, wie im Besucherbuch angesprochen, bestätigt sich nur auf den ersten Blick. Sie bekräftigt jedoch, dass mit Sebastian Glockmann, der 1963 in Berlin geboren wurde und als Absolvent der Dresdener HfBK seit 1991 in Dresden zu Hause ist, eine beachtenswerte autonome Künstlerpersönlichkeit am Schaffen ist, auf dessen weitere Entwicklung man gespannt sein muss.

bis 9. Juni, Sa. 10-13 Uhr sowie n. Vereinbarung über Tel.: 0351-21066956 u. 265 44 35.

Kunstraum Pillnitz, Wilhelm-Wolf-Str. 1 b

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.06.2012

Jördis Lademann

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