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Arbeiten von Tanja Pohl in der Galerie Adlergasse Dresden

Ausstellung Arbeiten von Tanja Pohl in der Galerie Adlergasse Dresden

Ein riesiger Stierschädel scheint wie durch eine Wand aus Eis gebrochen; der Tiefdruck auf Bütten (2015) wirkt wie ein archaischer Schemen, von einer Felswand abgenommen, urelementenhaft, monumental und bedrohlich. „Garten Paria“ nennt die Malerin/Grafikerin Tanja Pohl ihre neue Ausstellung.

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Tanja Pohl, Stierschädel, Tiefdruck auf Bütten (2015).

Quelle: Repro: Stefan Voigt

Dresden.

 

Die Grafik kennzeichnet eine feine, oft wie ins Nichts auslaufende Linie, die sich zu einer konstruktiv gespannten Flächigkeit entwickelt und sich auch in den abstrakten Landschaften ineinander schachtelt und von amorphen Formen unterwandert wird. Vielfach findet man Bildzitate, wie Picassos Stier oder Feiningers Spiegelungen von Stadtkulissen. Oft geht sie auch mit Ölfarbe dazwischen, die wie ein Echo Formen ableitet. Die geheimnisvolle Mechanik, die die Landschaft durchdringt, hat auch den Menschen erreicht und beherrscht ihn zunehmend, wie in den Disembodiments von Cyborg-Figurationen. Sie werfen die Frage auf, inwieweit die digitale Fiktion (der Mensch ohne Körper) schließlich zu einer allgemeinen Entmenschlichung führt.

Auch die urbane Industrielandschaft weist Spuren der Zerstörung auf: In „Kollision“ (2014) schieben sich zwei riesige Schiffe ineinander. In ein krasses Gelb-Schwarz gehüllt, leuchtet eine imaginäre Landschaft wie nach dem atomaren Blitz. Zerstörung und Deformation auch in ihren „figürlichen Landschaften“, ein Gesicht, ganz von Farbkonvulsionen umgeben, erscheint blass und rein im Profil („Begraben“; 2013) oder das archaische Selbstbildnis von 2012, geschundene Collage aus Papieren und geknautschten Folien. Oft arbeitet Tanja Pohl ins Acryl verschiedene Papiere ein, wie in „großer Kopf“ (2016), zerreißt und zerstört das bereits Gemalte wieder.

Angesichts der täglichen Fernsehbilder mögen die Fiktionen von Tanja Pohl friedlich anmuten. Vielleicht geht es ihr um die Zerstörungen im Kopf, die apokalyptischen Muster in unserem Denken, das durch die Medien angefacht wird. Ihre Bilder wirken wie ins Bild übertragene Gedankenfragmente aus realer Form, fiktiver Vorstellung und Fantasie, Fortsätze des aus dem Schmerz Geschundenen in uns, das sich eine bildhafte Ebene sucht und gleichzeitig daran verzweifelt. Die Grenze des Sagbaren ist überschritten, wohl auch die Grenze des in Farbe und Form Ausdrückbaren. Tanja Pohl schreitet diese Linie ab und sucht nach Wegen, ihrem Schmerz ein Gesicht zu geben, um ihn überwinden zu können. Das Trauma der Destruktion wird bleiben.

Bis 27. Januar. Galerie Adlergasse, Wachsbleichstraße 4a, Tel. 0351/866 0211:
Mo-Fr 10-13 und 16-20 Uhr.

Von Heinz Weißflog

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