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Arbeiten von 20 Meisterschülern der Dresdner Hochschule für Bildende Künste im Oktogon

Arbeiten von 20 Meisterschülern der Dresdner Hochschule für Bildende Künste im Oktogon

Wenigstens vom Titel her möchte sich die aktuelle Werkschau von 20 Meisterschülern an der Dresdner Hochschule für Bildende Künste als einigermaßen spannend präsentieren, indem dem potentiellen Betrachter ein "Kopfüber" versprochen oder suggeriert wird.

Anlass dazu war sicher nicht die Max-Planck-Büste von Moritz Liebig, deren Kopfsturz in Wahrheit nur den unerwarteten Nebenausgang eines Experiments mit Fruchtfliegen und einer für diese nahrhaften Modelliermasse darstellt, das im Rahmen der Ausstellung "terra incognita" in der Altana-Galerie stattgefunden hat. Nun aber, in der auf die körperliche folgenden ästhetischen Auflösung ist diese Idee kaum noch nachvollziehbar.

Sicherlich lässt sich das Motiv des "Kopfüber" irgendwie auch auf mehr oder weniger kryptische innere Sinnzusammenhänge anderer Arbeiten beziehen. Vom Atmosphärischen her scheint die Situation aber eher mit der von Schwimmern vergleichbar, die zwar auf die Startblöcke beordert wurden, aber offenbar noch gar nicht springen wollen.

Kein Haifischbecken

Niemand erweckt hier den Anschein, als wolle er mit einem kühnen Kopfsprung die Voraussetzung schaffen, um als Erster an einer imaginären Beckenwand anzuschlagen. Also herrscht im Oktogon der HfBK kein Getümmel wie in einem Schwimm- oder gar Haifischbecken. Die Räuber haben zumindest gerade frei oder sich mit geschickter Mimikry zu den stillen Nischenbewohnern gesellt, die mehr oder weniger zaghaft ihre Fühler ausstrecken, ohne sich ganz zu erkennen zu geben. Zu den Diplomausstellungen der Jahre 2010 und 2011 war das ein bisschen anders, da hatten die selben Protagonisten voller Selbstbewusstsein ihre Räume besetzt, statt sich diskret einzuordnen und der Übermacht der Architektur Referenz zu erweisen.

Wer unter der großen Kuppel ein zentrales Statement vermutet, findet da nur zwei fast verloren wirkende, durchscheinende Bild-Schirme. Johannes Makolies hat sie da aufgestellt und lässt verwaschen minimalistische Botschaften flimmern, die einer allgemeinen Verunsicherung oder zumindest dem 'Ende der Technik-Gläubigkeit' Ausdruck verleihen. (Caution/Inspektion). Die Loggia wurde zur düsteren Krypta, in der das "Rad" von Anne-Theresa Wittmann eine virtuelle Kuppel bildet, über der ihre Hände geschäftig wie Vögel beim Nestbau Papier falten. "Wimpern für Gisela" lässt Karen Packebusch über einem strahlend grünen Augenpaar klimpern, das man auf einem winzigen Display in der Tiefe des Raums entdeckt. Kleine, sanfte Anstöße, die allenfalls ganz zart im Hintergrund nachschwingen.

Miniaturen bevorzugt

Auch Karla Neumeyer (Orlando) setzt mit ihrer Druckgrafik nicht mehr auf das überdimensionale Format, sondern wartet mit einer Reihe von Miniaturen auf. Hintergründig vereint die handwerklich sehr solide gearbeitete Serie "The Killer" Porträts von Raubtieren mit traditionell eher positiv besetzten Motiven. Ebenfalls in schlichtem Format und schwarz-weiß die C-Print-Reihe "Together" von Mikka Wellner, die Himmelkörper-Porträts suggeriert. Noch unverbindlicher geben sich die gestörten zartfarbigen Rasterfelder von Juliane Schmidt. Auch hier offenbart sich nur eine Facette der künstlerischen Bemühungen - ein geöffnetes Fensterchen, das auf konzeptionelles Denken verweist, dessen Ziele aber im Unklaren bleiben. Ähnlich verhält es sich bei Jakob Flohe; noch tastend, hier etüdenhaft wirken die, Räume imaginierenden, minimalistischen Farbstiftzeichnungen auf gefaltetem Transparentpapier. Sinnbildhaft erscheinen die Übermalungen großformatiger Atelierfotos von Marcel Tarelkin; es handelt sich jedesmal um den selben Raum, in dem eine Figur verschieden Positionen einnimmt, ihre Identität aber hinter einfachen geometrischen Formen verbirgt, die jeweils den Bildschwerpunkt bestimmen.

Betont gegen die Regeln der Repräsentation platziert Silke Wobst ihre spröden, zwischen Architektur und Skulptur angesiedelten Gebilde aus Holz und Wachsölfarbe. Philipp Gloger war vor zwei Jahren mit Gemälden aufgefallen, die an Utopien vergangener Jahrzehnte erinnerten. Jetzt ist er zu Collage-Mischtechniken bzw. Assemblagen übergegangen (Skihang, Giraffenhaus), die sehr verspielt wirken - auf Kosten eines großen kompositorischen Zusammenhangs. Dominik Bucher hat schon einmal mit einer "Roten Linie", einem etwas popartigen abstrakten Gemälde etwas Furor gemacht, gibt sich aber jetzt mit amöbenhaften "Zwei Formen" auch farblich viel zarter und zurückhaltender.

Eigenwillige Gebilde

Zu den wenigen, die anscheinend sehr geradlinig ihren Weg verfolgen, zählt Viktoria Graf, die ein Triptychon mit Spielszenen maskierter Kinder zeigt (Auftakt, (Be)Trieb, Unschuld), in einer Atmosphäre, die geradezu sarkastisch die Erwartung aufgeweckter Fröhlichkeit bricht, mich an die Ästhetik düsterer Computerspiele erinnert.

Heidi Eckstein arbeitet dagegen unbekümmert mit Tusche und Buntstift oder Acryl auf losen Leinwänden, lässt dabei eigenwillige Gebilde zwischen Figur und Zeichen entstehen, veranschaulicht die simultane Kommunikation auf unterschiedlichen Bewusstseinsebenen (Sich mit zwei Bäumen bereden, weder den Augenschein noch die Idee ausschließen). Wenn ein Meisterstudium als Chance begriffen wird, dann offensichtlich von den wenigsten in dem Sinne, mit spektakulären Aktionen auf sich aufmerksam zu machen. Viel mehr geht es wohl um Selbstverständigung, ein letztmaliges Auskosten des Privilegs, im geschützten Raum die eigenen Möglichkeiten auszuloten. Was immer dabei herauskommen mag ­­­- entschieden ist noch gar nichts.

Bis 20. Mai, Di-So 11-18 Uhr im Oktogon der HfBK, Georg-Treu-Platz. Jeweils mittwochs, 16.30 Uhr Veranstaltungen: 9. Mai: Künstlerische Auseinandersetzung mit "Wirklichkeit"? - Prof. Constanze Peres im Gespräch mit Meisterschülern; 16. Mai: "Talkshow" mit Marcel Tarelkin und Dietmar Rübel.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.05.2012

Tomas Petzold

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