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AnnenMayKantereit und Freunde erwärmen trotz Herbstwetters die Junge Garde Dresden

Von Krokodilen und Liebe AnnenMayKantereit und Freunde erwärmen trotz Herbstwetters die Junge Garde Dresden

„Wohin du gehst“ schreit Sänger Henning May ins Mikro, und die Menge ist verzückt. Man mag manchmal gar nicht glauben, welche Stimme aus dieser scheinbar so zarten Person hervorbricht.

Besondere Stimme in der Garde: Sänger und Frontmann Henning May.
 

Quelle: Anja Schneider

Dresden.  Es ist stürmisch an diesem Septembermittwoch. Das Grau des Wetters mischt sich mit der Dunkelheit des nahenden Abends. Aber wer erst um 19 Uhr in die Junge Garde in Dresdens Großen Garten kommt, der hat schon die erste Vorband verpasst. Denn AnnenMayKantereit laden nicht nur zum eigenen Konzert, sondern zu AnnenMayKantereit & Freunde. Zwei Konzerttage hintereinander, beide ausverkauft. Gut 5 500 Besucher pro Abend, die den jungen Musikern lauschen.

An diesem Mittwoch eröffnen Her aus Frankreich. Zu früh für die, die bei Konzerten nicht unbedingt Wert darauf legen, ganz vorn vor der Bühne zu stehen – und deswegen etwas später kommen. Doch um viertel acht ist schon die nächste Band da: OK KID aus Köln haben anscheinend ihre eigenen Fans dabei, die rund um die Bühne mitsingen und -feiern. An den Seiten des Halbrunds wird dagegen auf den noch regennassen Bänken gelümmelt, kühles Bier getrunken, gequatscht. Und das will auch nicht aufhören, als um kurz vor halb neun AnnenMayKantereit ganz unaufgeregt die Bühne betreten.

„Wohin du gehst“ schreit Sänger Henning May ins Mikro, und die Menge ist verzückt. Man mag manchmal gar nicht glauben, welche Stimme aus dieser scheinbar so zarten Person hervorbricht. Das käme von ihren Anfängen seit 2011 als Straßenband in Köln, sagt May in Interviews. Die familiäre Vorbelastung ist vielleicht auch nicht ganz unschuldig.

Der erste Song an diesem Abend ist auch einer, der ihnen 2014 den Weg bereitet hat. Auf YouTube veröffentlichen die Jungs ihre Songs und touren unablässig. Sie sind Vorband der Beatsteaks, später auch von Clueso. Mit „Oft gefragt“, einer Hommage an Mays Vater, treten sie beim Circus HalliGalli auf. In Dresden ist das der letzte Song vor dem ersten Abgang. Und Dresden bildet auch einen vorläufigen Schlusspunkt nach vier Jahren auf Tour, vom Lollapalooza-Festival in Berlin am Wochenende mal abgesehen.

AnnenMayKantereit, deren Bandname sich aus den Nachnamen der Gründungsmitglieder bildet, wird ja gern Banalität vorgeworfen. Um brüchige Liebe geht es da. Als May ans Keyboard geht und „Mir wär lieber du weinst“ anstimmt, bemerkt er noch kurz, dass das Lied für eine Frau geschrieben worden sei. Hätte ihr wohl nicht so gut gefallen. Denkt man an die bekanntesten Songs der Band, „Barfuß am Klavier“ und „Pocahontas“, dann ähneln sich die Zeilen, ganz klar. Um sich entfernende Freundschaften geht es noch. Wege, die sich trennen. Das Leben auf Tour samt nach Zigaretten süchtigem Krokodil. Für die einen ist das nicht tiefgründig genug, andere empfinden hier Authentizität. Grölt doch der Großteil der meist jungen Menge mit – zumindest in der Mitte und besonders direkt vor der Bühne, während andernorts noch immer mehr getrunken und gequatscht wird. Muss ja jeder selbst wissen, wofür er Geld ausgibt.

Was sollen sie auch alles erzählen, diese jungen Kerle? Am Ende des Konzerts, um dreiviertel zehn, beantworten sie das im Song „21, 22, 23“ auf ihre ironische Weise selbst. Auch an Coverversionen probieren sie sich vermehrt aus, tun sich dafür mit anderen Musikern zusammen. „Sunny“ und Amy Winehouses „Valerie“ geben sie an diesem Abend zum Besten. Man kann wirklich zufrieden sein mit dieser jungen Band. Die Teenies vor der Bühne sind es wohl.

Von Nadine Faust

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