Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Anna Mateur und Ursula Sax mit unterschiedlichen Plädoyers

Dresdner Kunst- und Förderpreis 2017 Anna Mateur und Ursula Sax mit unterschiedlichen Plädoyers

Anfang März waren die Namen der diesjährigen Dresdner Kunst- und Förderpreisträger genannt worden: Ursula Sax und Anna Mateur. Am Freitagnachmittag wurde die Auszeichnung im Oktogon der Dresdner Kunstakademie überreicht.

Unterschiedlicher Preis-Umgang bei Anna Mateur (r.) und der sichtlich amüsierten Ursula Sax.
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden.  Diesmal war es nicht die lauschige Umgebung des Schlosses Albrechtsberg, sondern die eher minimalistische Kulisse des Oktogon der Dresdner Kunstakademie. Unter der weithin sichtbaren Kuppel wurden gestern Nachmittag der Kunst- und der Förderpreis der Stadt 2017 überreicht, die jeweils mit 5000 Euro dotiert sind. Zugesprochen worden waren beide bereits Anfang März, an die vor allem bildhauerisch arbeitende Künstlerin Ursula Sax und die kaum in nur eine Schublade zu steckende Anna Maria Scholz alias Anna Mateur (DNN berichteten). Rund 60 Gäste hatten sich eingefunden, ein paar Stühle blieben dennoch leer.

Vor allem die beiden Preisträgerinnen nutzten dabei ihre kurzen Dankesreden zu Plädoyers auf ganz verschiedenen Themenfeldern. Anna Mateur, die den Vortritt hatte, widmete sich dem Gegensatzpaar Ordnung und Chaos – und brach dabei natürlich eine Lanze für Letzteres, das „nicht nur Rabatz und Radau“ bedeute. Kulturschaffende bezeichnete sie als „Chaoshüter“, die essenziell wichtig seien, nicht nur für Dresden, dem sie in erster Linie eine Bewahrer- und Behüterfunktion zuschrieb. „Eine Stadt, die Europas Kulturhauptstadt werden will, braucht aber nicht nur das Etablierte.“ Liebe und Phantasie stellte sie den „irrationalen Ängsten“ entgegen, die sich auf Dresdens Straßen so regelmäßig zusammenfinden.

Für Ursula Sax spielte wenig später ein ganz anderes Thema die Hauptrolle: Demut. Die 81-Jährige, deren kleiner Körper fast hinter dem Rednerpult zu verschwinden drohte, beschwor das „riesige Potenzial, das wir als Menschen vergessen haben zu nutzen“. Das Bild, das Sax von der Welt malte, war ein eher düsteres. „Es zählt nur noch der Verstand, mit dem wir alles regeln“, resümierte sie und forderte, „nicht mehr nur im Auftrag des Egos unterwegs“ zu sein. Dass das Leben auch Wunder, Geheimnis, Geschenk sein könne, „das sehen wir nicht mehr“.

Matthias Flügge, der als Rektor der Hochschule für Bildende Künste gestern auch der Gastgeber der Preisverleihung war, hatte kurz vorher Sax gewürdigt, die „seit 67 Jahren Künstlerin von unglaublicher Vielseitigkeit“ sei. Sie habe den ruhelosen Drang, die zeitgenössischen Möglichkeiten des Skulpturalen auszumessen, fügte Flügge an. „Mit den geläufigen Kategorien der jüngeren Kunstgeschichte ist ihr Werk dabei nicht zu fassen.“ Das Prozesshafte sei bei Sax der Kern. Für Entwicklungsprozesse an Dresdens Kunstakademie und bei den Studenten hat sie auch in den Jahren 1993 bis 2000 gesorgt, als sie hier Professorin war.

Die Laudatio für Anna Mateur kam dagegen von Claudia Muntschick, Vorstandsmitglied von Wir gestalten Dresden. Die Entscheidung, den Förderpreis an Anna Mateur zu vergeben, könne im Angesicht der vielen Auszeichnungen, die sie schon bekommen habe, „nicht falsch gewesen sein“. Sie pries die Einmaligkeit der Freundin und Nachbarin, die bei ihrer Arbeit auf der Bühne alles nutze, von der Musik über das Zeichnen „bis zum Taekwondo“. Die Bezeichnung Kleinkunst treffe bei Anna Mateur dabei überhaupt nicht zu. „Nichts bei ihr ist klein und künstlich.“ Da der Förderpreis vor allem mit einer Erwartungshaltung an noch zu erbringende Leistungen verknüpft sei, „bekomme ich fast Angst, wenn ich überlege, was bei Anna Mateur noch kommt“, schloss Muntschick und hatte die Lacher auf ihrer Seite.

Eine zwölfköpfige Jury hatte die beiden Siegerinnen gekürt. Aus den Händen von Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) erhielten die Preisträgerinnen gestern jeweils noch eine Urkunde und eine Bronzeplastik, die einen geteilten Apfel darstellt.

Von Torsten Klaus

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr