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Anja Schumann startet durch – mit zwei Konzerten und neuer Scheibe namens „Rain“

Regenpremiere im Kulti Anja Schumann startet durch – mit zwei Konzerten und neuer Scheibe namens „Rain“

Im Saal der Musikbibliothek im Dresdner Kulturpalast wird Anja Schumann samt Band am Sonnabendabend ab halb acht ihr neues Werk vorstellen. Das ist druckfrisch, heißt „Rain“, ist lange gereift und bietet in acht Titeln interessanten Jazzpop.

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Anja Schumann

Quelle: Roger Günther/PR

Dresden. Es gibt sicher kaum bessere Konzertorte für den wagemutigen Start in eine frische Karriere als der (fast) nagelneue Dresdner Kulturpalast, je nach Herkunft „KuPaLa“ oder „Kulti“ genannt. Gut, es ist erst einmal „nur“ der Saal der Musikbibliothek, in dem Anja Schumann samt Band am Sonnabendabend ab halb acht ihr neues Werk vorstellen wird. Das ist druckfrisch, heißt „Rain“, ist lange gereift und bietet in acht Titeln interessanten Jazzpop – und wird sicher kein Verkaufsschlager.

Aber dazu ist es auch nicht gedacht. Sondern ist – wie das Konzert – eine Hausnummer, die bleiben wird. Acht Titel sind astrein eingespielt, die Instrumente mit Moritz Töpfer am Piano und Matthias Hüttrich am Schlagwerk im Studio von Rainer Beckmann. Für die Gesangsspuren ging es im Sommer in die Johannstädter Ballroom Studios. Deren Betreiber, Johannes Gerstengarbe, griff spontan zur Bassgitarre und steuerte rasch noch ein wenig Grundrhythmus bei, der nun in fünf Titeln greift.

Bemerkenswert gelungen sind der Titelsong „Rain“ mit Mut zu experimentellen Ausfällen und „The little Mermaid Song“ ob seiner Dynamik. Die beiden deutschsprachigen Titel („Dazu fehlte mir lange der Mut“) nennen sich Ostsee und „Bin ich müde“ und zeugen von einer glücklichen Stimminhaberin, die mitten in der vierten Lebensdekade weiß, was sie will – und künftig ihre Sehnsüchte per Bühnenvortrag teilen mag.

Dabei symbolisiert sie eigentlich bislang jene Talente, die das Rampenlicht seltener ereilt, aber das musikalische Rückgrat der Gesellschaft beweglich hält: Also schon als Elfjährige Klavier- und Gesangsunterricht in ihrer Heimatstadt Chemnitz, der an die Dresdner Hochschule für Musik und nach dem Diplom zum Aufbaustudium gen Rotterdam führte. Die nachfolgende Auslese scheint hart, dennoch bleiben die meisten Musiker in der Arbeit harmonisch: Musikschule, kleinere Projekte, private Muggen, Tanzmusik – all das schreckt nicht: „Schreiben Sie ruhig: Dienstleistungssängerin“, scherzt Anja Schumann abgeklärt. Dabei ist zumindest ihr 2002 gegründetes Ensemble Voc a Bella nicht gänzlich unbekannt. Und erzählt, dass sie jetzt seit 15 Jahren daran arbeitet, auskömmlich zu verdienen – und da unterscheiden sich Künstler schon etwas von anderen Selbstständigen. Ihr Weg heißt Chorleiterin – vier hat sie mittlerweile, zwischen 20 und 40 Stimmen, also eigentlich Stimminnen, stark. Denn Männer sind rar. Bereits mit 15 übernahm sie ihre erste Chorleitung: „TenSing“, der Jugendchor des CVJM. Bei einem Job an der Chemnitzer Musikschule wurde ihr gleich die Übernahme eines Ensembles angetragen: Der Chemnitzer Jazz- und Popchor „Tuesday Singers“ singt seit 16 Jahren immer am selben Wochentag. 2005 folgte die Dresdner Schwester namens „Chorallen“, die immer mittwochs abends in der Neustädter Waldorfschule probt und nur Begabte als Verstärkung aufnimmt.

Dazu kam – just am Mittwoch vor drei Jahren – ein Chor für ältere Semester (P50), der sich die „Choriosen“ nennt, hier heißt das Chemnitzer Pendant seit zwei Jahren „Auftakt“, beide dürfen auch deutsche Volkslieder singen. Für Jüngere gibt es dazu noch die „Vokallüren“, Anja Schumann organisiert dabei für alle fünf Chöre alles selbst – und ernährt sich vom Monatsbeitrag der Mitglieder. Zwei Bands namens Tau und Openwater stehen noch in der Vita, letzteres bildet das Grundgerüst für den morgigen großen Auftritt.

Doch das mit dem großen Start stimmt eigentlich so nicht, denn sie spielten bereits beim diesjährigen Palaissommer das montägliche Abschiedskonzert, welches wegen Sturmwarnung verschoben musste. Da der Star da nicht konnte, hatte Anja Schumann das Ambiente und reichlich fünfhundert Besucher auf der Wiese für sich – ein großes Erlebnis, schwärmt sie und freut sich aufs Neue, was erst einmal drei Auftritte umfasst. Dabei kosten die Karten in Dresden nur sieben (ermäßigt: vier) Euro, eine Woche später in Chemnitz kann sie als bekannte Eingeborene im Konzertsaal der Städtischen Musikschule (28.10., 20 Uhr) schon 15 verlangen. Dazu kommen bei Gefallen zehn Dinger für die Scheibe.

„Ich denke, es ist an der Zeit. Ich habe keine Familie, einen toleranten Freund, der als Künstler Verständnis hat. Es fühlt sich gut an“, strahlt sie am Mittwochabend halb zehn nach drei Stunden Chorprobe mit ihren „Chorallen“, die die 35 Damen mit einer wirklich ergreifenden Version von „1000 Sterne sind ein Dom“ abschließen. Deren Weihnachtsliederprogramm – welches munter zwischen Englisch, Latein und Deutsch switcht, ist auch erst zwei Mal gebucht.

www.anja-schumann.de

Von Andreas Herrmann

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