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Abschlusskonzert der Schütz-Tage – Alte Musik im Jazzclub Tonne

Schütz mit Schlange Abschlusskonzert der Schütz-Tage – Alte Musik im Jazzclub Tonne

Was das Bachfest konnte, kann auch das Schützfest: Alte Musik im Jazzclub Tonne, diesmal ganz alte Musik mit Michel Godard und seinem Sextett. Wenn sich Musik nicht weiterentwickelt, dann wird sie sterben, so das Bekenntnis des nicht ohne gründliche Erinnerungen nach vorn schauenden Musikers.

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Setzte den krönenden Schlusspunkt unter das Heinrich Schütz Musikfest 2016: Michel Godard mit seinem Serpent im Jazzclub Tonne.

Quelle: Matthias Creutziger

Dresden. Was das Bachfest konnte, kann auch das Schützfest: Alte Musik im Jazzclub Tonne, diesmal ganz alte Musik mit Michel Godard und seinem Sextett. Wenn sich Musik nicht weiterentwickelt, dann wird sie sterben, so das Bekenntnis des nicht ohne gründliche Erinnerungen nach vorn schauenden Musikers. Michel Godard hat es in Töne umgesetzt und damit am Sonntag Abend das diesjährige Heinrich Schütz Musikfest in der Tonne beendet.

Heinrich Schütz im Jazzclub, das mag verwegen anmuten. Aber Johann Sebastian Bach hat dort ja auch funktioniert, als Ben Tepfer die Goldberg-Variationen kongenial variierte. Und mit dem Franzosen Michel Godard ist ebenfalls ein veritabler Jazzmusiker angetreten, sich auf die Spuren des alten Grenzgängers zu begeben. Bekanntlich hat ja schon Heinrich Schütz musikalische Welten erkundet und miteinander verbunden, indem er sich für das Neue stark interessierte. Auch für das Fremde! Unvorstellbar, was der Welt fehlen würden, wenn der Köstritzer Meister sich nicht auf den Weg nach Venedig gemacht und dort das Schaffen von Claudio Monteverdi studiert hätte.

Godard hat nun mit seinem so originell wie exzellent besetzten Sextett diese Spurensuche neu aufgenommen und frisch drauflos experimentiert. Damit dürfte er sowohl dem angestammten Tonne-Publikum als auch den treuen Besuchern des rührigen Musikfestes etwas geboten haben. Nicht zuletzt auch Erstaunliches. Denn mit seiner Reise in die Zukunft der Vergangenheit frischte er sowohl Monteverdi und Schütz als auch Benedetto Ferrari kräftig auf und tauchte mit dem eigenen Werk in deren Zeit ein. Aus dieser Verschmelzung ergaben sich beeindruckende Momente, wie sie in solcherlei Crossover eher selten sind. Der als Tuba-Spieler bekannte Godard tauschte sein schwerlastiges Instrument gegen ein vergleichsweise bizarres Serpent ein, was freilich nichts anderes als eins von dessen Vorgängern ist. Diese gewundene Schlange, freche Stimmen sagen auch Zehn-Finger-Darm dazu, tönt rauchig in der Tiefe, hat hölzerne Höhen, bedarf jedoch der hohen Kunst gekonnten Intonierens, wenn es für empfindliche Ohren nicht schmerzhaft werden soll.

In wechselnden Besetzungen haben die europäische und musische Vielfalt reflektierenden Musiker - Guillemette Laurens, Gesang, Fanny Paccoud, Violine, Marthe Perl, Viola da gamba, sowie Gavino Murgia, Sopransaxofon/Obertongesang, und Bruno Helstroffer, Theorbe - ein spannungsreiches Spektrum musikalischer Ausdrucksformen gefunden. Launig ging es in den improvisierten Passagen zu, andächtig in den historischen Originalen (mit teils frappierendem Textmaterial: „so müssen umkommen die Gottlosen für Gott“, in diesem Fall kein islamistischer Inhalt), und geradezu erotisch in Momenten der Trio-Gruppe Saxofon, Serpent und Theorbe. Da die sechs spielfrohen Musikanten aber auch expressiv konnten, ließ man sie nicht ohne eine Draufgabe ziehen - und krönte so das Heinrich Schütz Musikfest 2016 mit einem gewaltigen Klangbogen.

Von Aldo Lindhorst

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