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7. Dresdner Kunsttage im Sektor Evolution

Kunst trifft Techno 7. Dresdner Kunsttage im Sektor Evolution

Wo sonst nur die Bässe wummern, gibt es am Wochenende vor allem Kunst, Musik und Theater zu sehen. Der Sektor im Industriegelände ist vom 21. bis 23. April Schauplatz der Dresdner Kunsttage.

Kunsttage Dresden im Sektor Evolution

Quelle: Frank Schroth

Dresden. Drei Tage, vollgepackt mit Kunst aller Sparten – von Kunstausstellung und Performance über Theater, bis zum audiovisuellen musikalischen Gesamtkonzept – die Macher haben sich wieder viel vorgenommen.

Kern des Events ist eine Kunstausstellung mit Positionen von gut 30 professionellen Künstlern und Autodidakten auf 300 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Kurator Sebastian Behner Bestier hat es den beteiligten Künstlern dabei nicht ganz leicht gemacht. Alle Werke sollten sich in irgendeiner Form mit dem Thema „Modell Gesellschaft“ auseinandersetzen. Einige Künstler schrieb er direkt an, bei anderen tingelte er durch die Ateliers und wählte thematisch passende Werke aus und manche schufen extra für die Ausstellung eine Arbeit. Dass die Auswahl dabei in diesem Jahr eher dresdenlastig ausgefallen ist, sei eher Zufall als Konzept. Es haben sich einfach viele gute Positionen direkt vor Ort ergeben. Und weil es ihm wichtig war, bereits im Rahmen ein integratives Modell einer Gesellschaft zu zeichnen, gesellte er zu den Werken der bildenden Künstler vier Positionen von jugendlichen Laien.

Die Idee dazu kam Sebastian Behner Bestier, weil er als Kunsttherapeut und Betreuer in dem integrativen Wohnprojekt Panta-Rhei e.V. tätig ist, wo Jugendliche aus prekären Lebensverhältnissen zusammen wohnen und ihr Leben selbstständig zu meistern lernen. Daher weiß er, dass die Jugendlichen viel zum Thema Gesellschaft zu sagen haben. Fragen wie „Was ist ihre Rolle in der Gesellschaft? Was haben sie schon erlebt und was brachte sie an den Rand der Gesellschaft?“ wurden intensiv diskutiert. Ein Jugendlicher setzte sich daraufhin künstlerisch mit seiner Erfahrung im Jugendvollzug auseinander, malte ein Gefängnis, aus dem er ausbricht. Das Ausbrechen sollte dabei vor allem jenes aus den alten Denk- und Handelsmustern sein.

Wie die Jugendlichen ein Teil unserer Gesellschaft sind, so werden auch ihre Werke mit in die Ausstellung integriert. „Die Grenzen sollen zerfließen“, erklärt der Kurator. Außerdem hatte er sich Gedanken darüber gemacht, was die großstädtische Gesellschaft ausmacht und wie das Leben aussieht. „In Großstädten gibt es wenig Ruhepole, stattdessen haufenweise Geschäfte, Reklame, Autos, Lärm, Bewegung. Wenn man Ruhe haben will, muss man sich diese Ruhepunkte selbst schaffen.“ Deshalb habe er die Ausstellung auch so kuratiert, dass es aufwühlende, eindrucksreiche Punkte gibt, aber eben auch Ruheecken.

Neben der Ausstellung sind die drei Kunsttage vor allem abends eventreich gefüllt. Am Freitag stimmen ab 19 Uhr die Performance „Modellemente“ (mit den Künstlern Lutz Peschelt, Sensifer und Heinz Lindner) sowie das multimediale Experimentalkonzert „scn9a“ auf die Kunsttage ein. Am Sonnabend kommt als eines der Höhepunkte das Theaterstück „Stille, die uns täuscht“ nach einer Novelle von Stephen King zur Aufführung. In dem Electro-Melodram von und mit Utz Pannike und Jörg Schittkowski erzählt ein Mörder-Clown die Geschichte eines Jungen, der sich vom Gift der Nazi-Ideologie anstecken und zerstören lässt. Das Künstler-Kollektiv Machine de Beauvoir bringt dann am späteren Abend elektromodulierte Vertonungen von Dichtern und Textern hervor. Und als großes Finale beginnt um 23 Uhr der „Cirque du Masque“, eine Kostümparty unter dem Motto „Penner und Bonzen“. Wer verkleidet erscheint, zahlt für den Sonnabend nur neun statt 15 Euro. Am Sonntag wird nach der Ausstellungsfinissage (ab 15 Uhr) das Theaterstück „Stille, die uns täuscht“ noch einmal und zum vorerst letzten Mal aufgeführt.

Die Clublocation Sektor Evolution in dem alten Industriebacksteinbau aus der Kaiserzeit, der seit Herbst 2009 die Herzen der techno-affinen Feiermeute höher schlagen lässt, wurde extra für die Kunsttage „gecleant“ und ausstellungstauglich vorbereitet. Die Frage, ob denn auch das Publikum diesen ungewöhnlichen Ort als Kunststätte annähme, bejaht der Kurator mit Nachdruck. „Die Zielgruppen mischen sich super.“ Da kommen die einzelne Oma und Eltern mit Kindern wie auch der klassische Vernissagebesucher. Und auch der übliche Techno-Hörer lässt sich blicken. Darum geht es ihnen ja auch: Festgefahrene Muster sollen aufgebrochen, Grenzen im Denken und Handeln überschritten werden.

Kunsttage Dresden, Freitag bis Sonntag, Sektor Evolution, An der Eisenbahn 2

www.sektor-evolution.de

Von Susanne Magister

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