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240.000 Besucher: Interimsjahr war kein Pausenfüller

Staatsschauspiel Dresden 240.000 Besucher: Interimsjahr war kein Pausenfüller

Die Interims-Spielzeit 2016/16 am Staatsschauspiel Dresden war eingeklemmt zwischen dem Abgang von Wilfried Schulz nach Düsseldorf und dem Amtsantritt von Joachim Klement als neuer Intendant, das Ausweichen auf andere Spielstätten – es gibt bessere Voraussetzungen für ein gutes Jahr. Dennoch ist es eins geworden.

Der Theaterplatz wird Premierenort eines Peter-Handke-Textes. Regie: Uli Jäckle (im Bild: Dietmar Bombach).

Quelle: Daniel Koch

Dresden. Zahlen lügen nicht, heißt es. Das gilt selbstredend auch für die Bilanz des Dresdner Staatsschauspiels in der zu Ende gehenden Saison 2016/2017. Diese Spielzeit unter der Interim-Intendanz von Jürgen Reitzler und Chefdramaturgin Beate Heine war eingeklemmt zwischen den Abgang von Wilfried Schulz nach Düsseldorf und den Amtsantritt von Joachim Klement als neuer Intendant. Dazu kam das Ausweichen auf andere Spielorte im vergangenen Herbst, weil im Schauspielhaus umgebaut wurde. Es gibt bessere Voraussetzungen für ein gutes Jahr.

Dennoch ist es eins geworden, wie Reitzler am Donnerstag in kleiner (Abschieds-)Runde wissen ließ. Er, der als Betriebsdirektor ans Berliner Ensemble unter dessen neuem Intendanten Oliver Reese wechseln wird, verwies auf ein beachtliches Resultat: rund 237.000 Besucher (bei noch ein paar ausstehenden Aufführungen dürfte die Zahl schließlich bei knapp 240.000 liegen), etwa 80 Prozent Auslastung, Einnahmen nahe an der Rekordsumme von Schulz’ letzter Dresden-Saison. Das Lob sei „allseits hoch“ gewesen, auch von Seiten der Politik, sagte Reitzler. Und fügte mit Blick auf die Einnahmen-Situation hinzu, dass damit „ein guter Grundstock“ für die Intendanz Klements geschaffen worden sei. Außerdem zeigte sich Reitzler erfreut, dass etwa 90 Prozent des sich „in aller Herren Länder“ zerstreuenden Ensembles Anschlussengagements gefunden hätten.

Doch noch steht ein durchaus furioses Finale bevor, bleiben drei Premieren, die die Saison-Summe schlussendlich auf insgesamt 35 Neuinszenierungen anwachsen lassen. Da wäre zuerst die Bespielung des Theaterplatzes mit Peter Handkes „Die Stunde da wir nichts voneinander wußten“ (Premiere 11. Juni), die deutsche Erstaufführung „Nachlass – Pièces sans personnes“ von Rimini Protokoll und dem Théâtre de Vidy (Lausanne) im Kleinen Haus (16. Juni, acht Aufführungen) – sowie die tatsächlich nur ein einziges Mal zu sehende Orchesterperformance „Wut – Jelinek, Wagner und ’Jesus von Nazareth’“ in der Frauenkirche (17. Juni).

Für Letzteres zeichnet Christian von Borries verantwortlich, er hat dazu mit 24 Schauspielern noch einmal den Großteil des Ensembles versammelt. Dazu kommen 41 Musiker der Dresdner Sinfoniker. Mit Hilfe von Algorithmen künstlicher Intelligenz ist dabei Musik entstanden, die von Computern generiert wurde. „Wir hören der Logik einer Maschine zu“, beschrieb von Borries das Ergebnis. Zuvor sei ein Programm kreiert worden, mit dessen Hilfe die Rechner-Intelligenz lernen sollte „zu verstehen“, was das für Musik ist: Bach, Wagner, Marschmusik, Pop. „An Hand der Noten ist das Ausgangsmaterial nicht mehr erkennbar“, sagte von Borries, der alles dirigieren wird.

Zuvor soll aber das Handke-Stück vor der Semperoper sein Publikum finden. Regisseur Uli Jäckle setzt den Text, der nur aus Regieanweisungen besteht, mit Hilfe von 120 Laienschauspielern unter freiem Himmel um. Sechs Mal ist es zu sehen, dazu kommt die öffentliche Generalprobe morgen ab 19.30. Jäckle kennt sich aus mit dem Bespielen öffentlicher Plätze. Er sorgte mit seinem Theater Aspik in Sachsen vor allem in Reinhardtsdorf-Schöna mit „Wildnis“ und „Der Fall aus dem All“ für Furore. Nun also wieder die künstlerische Besetzung des Theaterplatzes, wobei jede Aufführung ein Unikat sein wird, wie Jäckle vorausblickte. „Wir wissen nicht, was passieren wird.“

www.staatsschauspiel-dresden.de

Von Torsten Klaus

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