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17. Irish Spring Festival in der Dreikönigskirche Dresden

Auch Babys werden geküsst 17. Irish Spring Festival in der Dreikönigskirche Dresden

Beim 17. Irish-Spring Festival in der Dreikönigskirche, Pflichttermin für Freunde irischer Folklore, kam der Spaß nicht zu kurz.

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Irish Spring : David Munnelly Trio.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Wer jemals den Film „Das Boot“ von Wolfgang Petersen gesehen hat, der dürfte auch jene Szene nicht vergessen haben, in der der von Jürgen Prochnow gespielte „Kaleu“ zum Kummer des stramm linientreuen I. WO (ersten Wachoffiziers) den „Tipperary“-Song auflegen lässt. Und so geht es auf einem U-Boot der Kriegsmarine ran an den englischen Feind mit einem Song, der eines der Lieblingslieder der britischen Soldaten im Ersten Weltkrieg war und heute zum Standardrepertoire vieler Militärkapellen gehört.

Auch beim Konzert von Eddie Sheehan und Cormac Doyle am Montag in der Dreikönigskirche wurde ein „Tipperary“-Song angekündigt, aber „nicht dieser“, wie Sänger und Gitarrist Sheehan rasch hinterher schob. In diesem Song beklagt ein Mann, dass er Abschied nehmen muss von „Tipperary“, was sowohl der Name einer Stadt wie eines Countys, einer Grafschaft, ist. Und man muss kein Ire sein, um Schwermut und Trauer, die den Mann aber auch so was von gepackt haben, nachvollziehen zu können. Sehr hübsch auch das Lied „The Good Ship Kangaroo“, am meisten bekannt geworden durch die vor allem in den 70ern populäre Gruppe Planxty. Darin tröstet ein Mann seine Geliebte, die jammert und klagt, weil ihr Schatz auf See muss – und als er zurück ist, muss er feststellen, dass sie ihm nicht treu war: „Nicht die beste Geschichte für eine Kirche“, räumte Sheehan ein, der sich über alle Maßen freute, in so einem schönen Gotteshaus spielen zu können.

Sheehan und Doyle waren nicht allein gekommen. Es ist das Markenzeichen des Irish Spring Festivals, seit der Premiere 2001 alle Jahre wieder ein wichtiger Teil der Kultur der Grünen Insel, dass mehrere Musiker und Gruppen live aufspielen.

Die 17. Auflage des Festivals stellte Künstler in den Mittelpunkt, die sich dem Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne verschrieben haben. Mit von der Partie ist auch das David Munnelly Trio, spezialisiert auf Tanz-Tunes, die auch ohne dass einer das Tanzbein schwang, ihre Wirkung entfalteten. Munnelly, Typ kleines bulliges Kraftpaket, ist ein begnadeter Knopfakkordeonspieler, ob er nun kraftvoll oder sanft seinem Instrument Töne entlockt. Virtuosität gepaart mit purer irischer Lebensfreude – so könnte man das Spiel des Trios charakterisieren – klingt zwar zugegebenermaßen nach abgedroschener Plattitüde, trifft die Sache aber auf den Punkt. Auch Munnellys Ansagen haben einen gewissen Pfiff. Der Schalk sitzt ihm einfach im Nacken, selbst wenn er Werbung für den CD-Verkauf macht. Wer ein Exemplar erwirbt, dem wird seitens Munnellys versprochen: „Wir signieren eure CDs, trinken euer Bier, küssen eure Babys.“ Soweit die klare Ansage. „Wir“, das sind außer Band-Namensgeber Munnelly noch Shane McGowan (nicht zu verwechseln mit Shane MacGowan, der einst bei den Pogues sang) an der Gitarre und der grandiose Geiger Joseph McNulty, der aussieht, als bekäme er überall noch Schülerermäßigung, aber die Fiddle beherrscht wie ein alter Haudegen, der schon seit Zeiten Queen Victorias in Pubs aufspielt.

Dritte Gruppe im Spring-Festival-Bunde war Connla aus Armagh und Derry in Nordirland, die „als aufregendste neue Band der irischen Szene“ gepriesen wird. In der Tat sind die Arrangements alter und neuer Titel einerseits voll junger Energie, klingen andererseits aber doch nach langer Erfahrung. Schon die Besetzung der fünfköpfigen Gruppe ist anspruchsvoll, ermöglicht aber ein nuancenreiches Klangbild. Die fragile keltische Harfe von Emer Mallon hat zwar mitunter Mühe, sich zu behaupten, aber in ruhigeren Stücken setzt sie stimmungsvolle Akzente. Bei einem Lied kam die Harfe besonders eindrucksvoll zur Geltung, als Sängerin Ciara McCafferty (deren Stimme ein leicht rockig-angerautes Timbre aufweist, wie es jeder Gothic-Sängerin gut zu Gesicht stünde) ein Lied anstimmte, in dem ein Sklave im Süden der USA sein trauriges Schicksal beklagt.

Wichtige Facette im Klangbild von Connla: der von Emer Mallons Bruder Conor gespielte Dudelsack, wobei es sich hier um irische Uilleann Pipes handelt – die werden im Gegensatz zu schottischen nicht geblasen, sondern gedrückt. Hinreißend auch, zu welchen Flötentönen Ciaran Carlin imstande ist.

Von Christian Ruf

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