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16 Studierende der Hochschule für Bildende Künste Dresden präsentieren handgemachte Kunst

16 Studierende der Hochschule für Bildende Künste Dresden präsentieren handgemachte Kunst

Wie wäscht man Kaschmir? Oder können wir von unserer Kunst leben? Sind wir gut genug für den Kunstmarkt? Berührt Kunst überhaupt noch irgendjemanden - und wenn ja, wie und warum? Reicht es aus, Künstler zu sein? Oder braucht es auch Geschäftssinn, um bestehen zu können? Und was müssen wir als Künstler tun, um von der Presse wahrgenommen zu werden? Welche Grenzen wollen wir nicht überschreiten? Welchen Konventionen wollen wir uns nicht beugen? Das sind die Fragen, mit denen sich 16 Studierende der Hochschule für Bildende Künste Dresden ernsthaft seit September 2011 auseinandergesetzt haben.

Das vorläufige Ergebnis dieses Nachdenkens ist im ehemaligen Wagenausbesserungswerk der Deutschen Bahn, in der Geh8, zu sehen. Unter dem Titel "Kaschmir wäscht man mit der Hand" stellen sich Studenten der Fachklasse von Christian Macketanz vor. Sie zeigen, was sie als Klasse ausmacht und auch von anderen Studenten unterscheidet. Es geht ihnen, so Johannes Schmidt, Kurator der Städtischen Galerie Dresden, um "das Kunstmachen im Handwäschemodus im vollautomatisierten Zeitalter".

Wie aber sieht solch ein Waschvorgang aus? Unterschiedlich und doch immer sehr experimentierfreudig. Christian Tamm stellt sich mit poetischen Buchstabenspielen vor. "Kontrolle" heißt seine riesige Plane und zeigt - auf den ersten Blick - nichts anderes als große verschnörkelte Buchstaben. Eine andere Arbeit von ihm bildet das ab, was dazwischen liegt, zwischen einem Mehr und einem Weniger, nämlich ein dichterisches und farbintensives Spiel in Grau. Die Porträts von Anton Schön wiederum faszinieren durch ihre genauen malerischen Untersuchungen. Schön zeigt uns ein praktisches Nachdenken über Malerei und erforscht mit deren verschiedenen Mitteln das menschliche Antlitz.

Mit einem Forschungsauftrag unterwegs sind auch Ludwig Flohe und Marie-Christin Rothenbücher. Beide setzen sich mit dem Thema Licht auseinander: Flohe empfindsam und lyrisch mit Farben, Rothenbücher ohne Scheu mit kräftigem Schwarz. Beider Bilder aber leuchten, sie glimmen, flammen, schwelen, sie scheinen durch und durch. Auch Katharina Baumgärtner fällt deutlich auf. Ihr "Vanishing Act" ist nicht nur die größte Arbeit in der Ausstellung, sondern in der Tat ein richtiger Eyecatcher. Diese mystische Szenerie, die vom Verschwinden handelt, stimmt in der Technik, im Bildaufbau, in der Farbkomposition. Klar, durchdacht und phantasievoll. Nicht anders die Arbeiten von Melanie Kramer. Ihr "Rufer" oder ihr liegender Mann - sehr reife, kluge und doch auch berührende Ergebnisse.

Gemeinsam jedoch ist allen Werken eine seltsam schüchterne Poetik. Diese ist - so wie sie es selber sagen - "fast immer un-cool, in einzelnen Fällen auch kühl oder pop-launig", immer aber offen. Was aber macht diese Ausstellung so besonders? Was unterscheidet sie von denen der anderen Klassen an der Kunstakademie? Diese Klasse ist eine Klasse für sich, das heißt, sie wurde es. 16 Individualisten wollten gemeinsam mit ihrem Professor etwas versuchen, sie wollten wirklich eine Gemeinschaft werden: die Macketanz-Klasse eben.

Diese Ausstellung lag komplett in Eigenverantwortung der Studenten. Der Professor gab den Namen, die Studenten aber organisierten sie - fernab der geschützten Hochschulatmosphäre. Wo stellt man in einer Kunststadt wie Dresden am besten aus? Wen sucht man sich als Verbündeten? Wie kuratiert man eine Ausstellung? Wie teuer ist eigentlich solch ein Unterfangen? Und wie sucht und wie findet man auch Sponsoren? Wie zum Beispiel die Leinemann-Stiftung für Bildung und Kunst oder viele private Geldgeber, nicht nur in Dresden? Mit Offenheit, Selbstbewusstsein, Beharrlichkeit und mit Charme. Genauer gesagt: mit einer überzeugenden Idee und einem konsequenten ernsthaften Handeln.

Die handschriftlichen Einladungen und die kunstvoll gestalteten Taschentücher als Erinnerung an die Ausstellung waren dann nur noch das i-Tüpfelchen. Die Macketanz-Klasse - und auch das ist ein Ereignis - hat es in der Geh8 geschafft, sich wirklich als Klasse zu präsentieren. Keiner der 16 Studierenden spielt sich mit seinen Arbeiten in den Vordergrund. Neben dem bereits erwähnten Hingucker hängen zwei sehr kleine, aber genauso interessante Arbeiten von Steffi Köhler. Neben den oben genannten Untersuchungen zum Thema Licht finden sich auch der wirklich merkwürdige "Kopf" von Maria Katharina Wendt oder der anrührende "Fuchs" von Wiebke Herrmann. Keine dieser Arbeiten wirkt in der Ausstellung wie ein Fremdkörper.

Die Hängung in der nüchternen Fabrikhalle in der Gehestraße verbindet und trennt sehr geschickt - und so nimmt man tatsächlich diese seltsam schüchterne Poetik und gleichzeitige Offenheit der Macketanz-Klasse wahr. Nur der Vollständigkeit halber: Natürlich gibt es zu dieser Ausstellung auch einen Katalog. Auch er ist ein Ergebnis eines wohldurchdachten Waschvorganges - Bild für Bild, Postkarte für Postkarte und ein spannender Text von Johannes Schmidt über die Mühen und vom Zeitaufwand der Handwäsche im vollautomatisierten Zeitalter.

Er übrigens hat die Klasse gern kennengelernt, auch weil das, was man in der Ausstellung sieht, klarstellt, "dass es nicht um das Vorführen einer blendenden Fassade geht." Kaschmir wäscht man eben mit der Hand. Wie sonst?

bis 13. Mai, Öffnungszeiten: Fr-So 16-20 Uhr und nach Vereinbarung

Kunstraum geh8 e.V., Gehestraße 8

www.geh8.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.05.2012

Amely Clemens

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