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Stadtpolitik Volksbank Dresden-Bautzen dreht an der Gebührenschraube
Dresden Stadtpolitik Volksbank Dresden-Bautzen dreht an der Gebührenschraube
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07:11 13.06.2018
Die Villa Eschebach am Albertplatz ist seit 1997 Hauptsitz der Dresdner Volksbank Raiffeisenbank. 2017 fusionierte sie mit der Volksbank Bautzen zur Volksbank Dresden-Bautzen eG. Quelle: picture-alliance / ZB
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Dresden

Fusion gelungen – Patient lebt. Im vergangenen Jahr haben sich Dresdner Volksbank und Volksbank Bautzen zusammengetan, der rechtlichen Verschmelzung am 4. August 2017 folgte die technische am 23. September. Am Dienstag nun hat die neue Volksbank Dresden-Bautzen eG in Dresden erstmals Zahlen vorgelegt.

Im Juli Entscheidung über höhere Kontoführungsgebühren

Die gute Nachricht: Die Geschäfte warfen trotz der zwei Millionen Euro an Fusionskosten erkleckliche Gewinne ab, die Bank wird erneut 4 Prozent Dividende an die mehr als 43 000 Genossenschaftsmitglieder ausschütten. Die schlechte Nachricht: Da Niedrigzinsen die Erträge weiter aushöhlen, wird die Bank ihren rund 116 000 Firmen- und Privatkunden höhere Kontoführungsgebühren aufbrummen. Im Juli werde der neue Vorstand über die Steigerung befinden, sagte Vorstandssprecher Thomas Müller am Dienstag und sprach von „moderaten“ Eingriffen.

Haupterlösquelle: Kreditgeschäft wächst um 7,4 Prozent

Mit der Ertragsnot steht die mit ihrer Bilanzsumme von rund 1,925 Milliarden Euro größte Volksbank in Ostdeutschland (Berlin ausgenommen) bekanntlich nicht allein da. Und angesichts der üblen Zinslage hat sie sich wacker geschlagen. Während die Kundeneinlagen nur mäßig um 1,19 Prozent (gut 19,8 Millionen) auf 1,66 Milliarden Euro anstiegen, wuchs das Kreditgeschäft um erfreuliche 7,4 Prozent (knapp 58 Millionen) auf 840 Millionen Euro an. Privat- , aber vor allem Firmenkunden liehen sich in erster Linie Geld, um zu bauen, erklärte Müller, und die nach wie vor ermutigende Konjunktur lasse auch für 2018 auf gute Geschäfte schließen. Das ist existenziell, denn die Volksbank erwirtschaftet 75 Prozent ihrer Erträge durch Kredite. Im Vorjahr verbuchte das Geldhaus ein Betriebsergebnis von 12,5 Millionen Euro und zahlte 3,65 Millionen Euro Steuern.

Breit gestreute Anlagen

Wer aber mitrechnet, sieht die Bilanzlücke zwischen Einlagen und Krediten: rund 820 Millionen Euro, die die Kunden der Bank anvertraut haben, um sie im klassischen Sinne mehren zu lassen. Das aber ist heutzutage auch für Banker so etwas wie die Quadratur des Kreises. Mitten im Zinstal setzt die Volksbank auf gute Beratung, um mehr Kunden von Investitionen in Wertpapiere zu überzeugen und verbucht allmählich Erfolge. Ansonsten investiere auch das Geldinstitut breit gestreut in Immobilien, Firmenanleihen, Aktien, Edelmetalle und natürlich Fonds, erklärt Vorstand Müller. Auf diesem Feld funktioniere der Verbund der Genossenschaftsbanken hervorragend, mit der DZ-Bank habe man einen verlässlichen Partner.

Teure Parkgebühr bei der EZB

Doch auch die fusionierte Volksbank kommt nicht umhin, Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zu parken. Das bringt nicht unerhebliche Kosten mit sich – 2017 waren es Summen im „fünfstelligen Bereich, 2018 wird es ein knapp sechsstelliger Betrag“, sagt Thomas Müller auf Nachfrage.

200 Jahre Erfahrung

Im wachsenden Wettbewerb mit den Fintechs – Firmen, die direkt im Netz und ohne zwischengeschaltete Banken ausgewählte Finanzdienstleistungen von der Kontoführung bis zum Kredit anbieten – hofft die Volksbank, auch künftig zu bestehen. „Wir bieten 200 Jahre Erfahrung, jede Menge Beratungskompetenz und: Ansprechpartner“, umreißt Vorstand Remo Teichert das, was er als klaren Vorzug der Volksbank sieht.

„Wir wollen die Kundenschnittstelle behalten“

„Die Frage lautet: Wer behält am Ende welchen Teil der Wertschöpfungskette. Wir wollen auf jeden Fall die Kundenschnittstelle behalten“, formuliert Vorstandssprecher Müller das Ziel. Dazu verweist er auf unzählige Angebote für Volksbank-Kunden im Netz, auf Apps mit immer mehr Funktionen und Bezahlmöglichkeiten, auf Online-Strukturen, die fast alle Bankgeschäfte abbilden. 60 Prozent der Kunden nutzten das Online-Banking der Genossenschaftsbank, Tendenz steigend.

Auch die Entwicklungen rund um die Blockchain behalten die Banker im Blick. Müller: „Es bleibt abzuwarten, ob die Leute das in Zukunft annehmen“.

Öffnungszeiten für Filialen auf dem Prüfstand

Die nahe Zukunft der neuen Volksbank geht erstmal da weiter, wo die Vergangenheit der zwei alten Banken aufgehört hat: In den sechs neu ausgewiesenen Regionalmärkten werde es weiterhin 34 Filialen und elf SB-Stellen geben, die Mitarbeiterzahl sei seit der Fusion lediglich um sechs auf 380 gesunken, man bilde 13 Azubis aus und hoffe, sie auch halten zu können. Ob die Filialen weiter täglich öffnen oder künftig in weniger frequentierten Regionen nur noch an ausgewählten Tagen, würden die nächsten Monate zeigen, erklärte der für die Privat- und Firmenkunden zuständige Remo Teichert.

Zugeknöpfte Typen? Ach was!

Und wer deutsche Banker für ewig zugeknöpfte Typen hält, dem sei gesagt: In den 376 wesentlichen Beschlussvorlagen, die für die Fusion erarbeitet wurden, ist auch geregelt, was bei großer Hitze möglich ist. Müller: „Ab 27 Grad ist die Schlipspflicht aufgehoben.“

Von Barbara Stock

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