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Stadtpolitik Vergleich im Streit ums Dresdner Eishallen-Dach: Eine Million Euro Pfusch-Regress
Dresden Stadtpolitik Vergleich im Streit ums Dresdner Eishallen-Dach: Eine Million Euro Pfusch-Regress
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17:48 09.09.2015
Durch den Dachschaden stand die Halle mehrfach im Wasser. Quelle: Dominik Brüggemann

Stimmt der Stadtrat diesem Vorschlag zu, wird der Streit um den Dachschaden an der Eishalle der Energie-Verbund-Arena außergerichtlich beigelegt. Zunächst wird eine entsprechende Vorlage aus dem Geschäftsbereich von Sportbürgermeister Winfried Lehmann (CDU) aber in den Ausschüssen des Stadtrates debattiert. Nichtöffentlich, versteht sich.

Rückblende: In der Nacht vom 14. zum 15. Februar 2012 war es bitterkalt. Die Bodentemperatur lag in Dresden bei minus 20,8 Grad Celsius. Es war der Höhepunkt einer Frostperiode. Die Eisnacht wurde der Eishalle zum Verhängnis. Der Gutachter sprach später von einem „Spontanversagen der Dachabdichtungsbahn“. Folge: Es regnete einige Tage nach dem Frost in die Eishalle hinein. Grund: Die Dachhaut zeigte eine Vielzahl von Rissen.

Archiv: Der Dachschaden an der Eishalle im Februar 2012:

Das Wasser stand nicht nur in der Eishalle, die Standsicherheit des gesamten Gebäudes war gefährdet. Die Stadtverwaltung musste eine Notsicherung in Auftrag geben. Später wurde das Dach grundhaft saniert. Das kostete nach Lehmanns Angaben 1,85 Millionen Euro netto. Der Eishockey-Verein der Dresdner Eislöwen als Ankermieter der Halle machte Einnahmeverluste in Höhe von rund 321.000 Euro geltend. Der Caterer der Arena fordert rund 201.000 Euro Schadensersatz. Das summiert sich auf 2,372 Millionen Euro finanziellen Schaden durch den Dachschaden. Eine stolze Summe für ein Gebäude, das insgesamt 22 Millionen Euro gekostet hat und erst 2007 eingeweiht worden war.

Das Dach musste erst notdürftig und später noch einmal komplett erneuert werden. Quelle: Stephan Lohse
Wer war schuld am Dachschaden? Und wer muss dafür haften? Laut Gutachter machte der beauftragte Dachdecker fünf Fehler: Er verwendete eine ungeeignete Folie, baute keine Dehnungsfuge ein, bildete die Dampfsperre falsch aus, plante die Windsogsicherung falsch und baute kein Gefälle in die Ablaufbereiche ein. Der Dachdecker ist aber längst pleite.

Deshalb versuchte die Stadt, die Planer ins (Haftungs)Boot zu bekommen. Das Architekturbüro habe geeignetes Material für das Dach ausgeschrieben, der zuständige Dachdecker habe zunächst auch ein taugliches Produkt angeboten. Nach Vertragsschluss sei es aber zu einem Wechsel auf ein anderes Material gekommen. „Der zentrale Vorwurf gegen die Architekten lautet, die sich aus dem Wechsel der Dachbahnen ergebenden Risiken planungsseitig nicht ausreichend bedacht zu haben“, heißt es in der Vorlage von Lehmann.

Sprich: Die Stadt unterstellt einen Planungsfehler, der zunächst von der Haftpflichtversicherung bestritten wurde. Es habe sich um einen Produktfehler gehandelt. Nach mehreren Runden zeigte sich die Assekuranz dann aber doch vergleichsbereit und bot einen Betrag von einer Million Euro zur Abgeltung aller Ansprüche an.

Der Rechtsanwalt der Stadt empfiehlt, den angebotenen Vergleich abzuschließen, heißt es in der Vorlage weiter. Sollte es zu keiner gütlichen Einigung kommen, müsste die Stadt ihre Ansprüche in einem langwierigen Gerichtsverfahren geltend machen. Dabei gebe es Prozessrisiken, die eine außergerichtliche Einigung empfehlenswert machen würden. Nun liegt der Ball bei den Stadträten. Die Sanierung des Dachs an der Eishalle wurde im Oktober 2012 abgeschlossen.

Thomas Baumann-Hartwig

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