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Stadtpolitik Verein sieht Villa Wigman als riesige Chance
Dresden Stadtpolitik Verein sieht Villa Wigman als riesige Chance
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18:22 14.08.2017
Die Villa Wigman.  Quelle: Gabriele Gorgas
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Dresden

Lässt sich die Landeshauptstadt Dresden auf Betreiben der rot-grün-roten Stadtratsmehrheit (RGR) vom Freistaat Sachsen eine Bruchbude andrehen, wie es jetzt ein prominenter Christdemokrat formulierte? Am Donnerstag soll der Stadtrat über einen Kauf der Villa Wigman auf der Bautzner Straße abstimmen. Der Zustand des Gebäudes ist mies, der Freistaat hat einen Kaufpreis von 290 000 Euro aufgerufen. Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Bündnis 90/Die Grünen) schätzte jüngst die Sanierungskosten auf bis zu 1,5 Millionen Euro.

Mit den Stimmen von RGR wurde der Kauf in den Ausschüssen befürwortet, die Kooperation hat angekündigt, dass es auch im Stadtrat eine Mehrheit geben wird. Katja Erfurth, Vorstandsvorsitzende des Vereins „Villa Wigman für TANZ“, freut sich über die Ankündigung. „Wir haben von der Politik großes Wohlwollen und Unterstützerwillen erfahren“, sagt sie. Der Kauf der Villa Wigman sei eine Chance für Dresden und kein finanzielles Abenteuer, erklärt Erfurth. Der Verein habe im Vorfeld der Abstimmung im Stadtrat ein Gespräch mit Verantwortlichen von Hochbauamt und Kulturamt geführt. „Wir streben an, das Gebäude in Erbbaupacht von der Stadt zu übernehmen“, so die Vorsitzende.

Dieses Modell bedeute für die Stadt: Außer für den Kaufpreis werden nur noch Aufwendungen in Form von institutioneller Förderung oder von Eigenanteilen bei Förderprogrammen von Bund und Land fällig. Einen Millionenbetrag müsste die Stadt nicht investieren. „Wir könnten selbst entscheiden, wie wir das Gebäude entsprechend unserer Möglichkeiten sanieren“, erklärt Erfurth und nennt ein Beispiel: Die Toiletten aus DDR-Zeiten seien zwar nicht schön, aber funktionstüchtig. „Dann müssen wir eben noch ein paar Jahre mit ihnen leben.“

Im Wohngebäude, in dem früher die Ballettdirektion des Staatstheaters untergebracht war, könnten Büros für Unternehmen aus der Kreativwirtschaft entstehen. „Wir haben allein aus den Reihen unseres Vereins ausreichend Interessenbekundungen.“ Im Anbau befinden sich drei Säle, die ideal für Tanz geeignet seien, weil sie säulenfrei seien. Der große Saal verfüge über 200 Quadratmeter, hinzu kämen zwei kleinere Säle. „Wir wollen keine Spielstätte etablieren, sondern ein Produktionszentrum“, erklärt Erfurth den Plan. Das könne der freien Tanzszene einen enormen Schub geben. „Für aufwendige Produktionen fehlen einfach Probenräume in Dresden.“

Die Aufführungen würden weiter in Hellerau und im Societaetstheater stattfinden, geprobt und trainiert werden könne aber in der Villa Wigman. Aber auch Schulungen, Kurse und Seminare könnten dort stattfinden. „In der Neustadt gibt es einen riesigen Bedarf an Räumen für kreativen Kindertanz. Wir werden uns über Mieteinnahmen ein Stück weit refinanzieren können“, glaubt Erfurth.

Es könnte ein Dreieck des Tanzes mit den Punkten Hellerau, Villa Wigman und Palucca Hochschule entstehen, Dresden könnte an seine Tradition als Wiege des modernen Ausdruckstanzes anknüpfen. 22 Jahre hat Mary Wigman als Pionierin in Dresden gelebt und gewirkt, dieses Erbe sei eine Verpflichtung. Gerade für eine Stadt, die europäische Kulturhauptstadt werden wolle und die 2019 den nationalen Tanzkongress abhalte, so Erfurth.

Mit dem Fernsehturm sei die Villa Wigman nicht zu vergleichen. „Das wäre so, als wenn man Helene Fischer mit Pina Bausch vergleichen würde.“ Die Stadt brauche beides, um einen kontroversen Austausch zu ermöglichen, so die Vorsitzende. Sie kann am Donnerstag nicht in den Stadtrat kommen, weil sie einen Elternabend hat. „Aber ich halte uns ganz fest die Daumen.“

Von Thomas Baumann-Hartwig

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