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Stadtpolitik "Streikbereitschaft ist hoch" - An vielen Dresdner Schulen am Mittwoch nur Notdienste
Dresden Stadtpolitik "Streikbereitschaft ist hoch" - An vielen Dresdner Schulen am Mittwoch nur Notdienste
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23:36 09.09.2015
Das könnte morgen in vielen Schulen zu Notdiensten und Sonderplänen führen: Die Gewerkschaften haben zum Warnstreik aufgerufen. Quelle: SLV

Ein vollständiges Bild ergibt sich erst morgen früh. Auch dann können sich Lehrer noch entschließen, die Arbeit niederzulegen.

Die Lehrer-Gewerkschaften GEW und SLV sowie Interessenvertretungen des öffentlichen Dienstes wie Verdi und Beamtenbund haben für Mittwoch zum ganztägigen Warnstreik aufgerufen. Wie berichtet, wird es 9 Uhr ein Frühstück am Postplatz geben, daran schließen sich eine Demonstration zum Carolaplatz und dort eine Kundgebung (11 Uhr) vor dem Finanzministerium an. Mit Verkehrsbehinderungen ist zu rechnen.

Prüfungsvorbereitungen laufen weiter

Die seit Tagen in allen Regionen Deutschlands laufenden Warnstreiks begleitet die aktuellen Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst der Länder, die am 16. März in die dritte Verhandlungsrunde gehen. Die Gewerkschaften fordern 5,5 Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 175 Euro monatlich. Zudem wehren sie sich gegen Einschnitte bei Rentenregelungen. Für die Lehrer geht es zudem um die tarifliche Regelung ihrer Eingruppierungen, die bislang die Länder ohne Beteiligung der Gewerkschaften alleine festlegen. Die Gehaltsforderungen werden von den Ländervertretern als "nicht finanzierbar" abgelehnt. Sachsens Finanzminister Georg Unland (CDU) hat die finanziellen Folgen der Gewerkschaftswünsche für den öffentlichen Dienst auf rund 320 Millionen Euro aus der Landeskasse beziffert.

Bei den Lehrern sind die Streiks morgen am spürbarsten. Laut SLV-Vertreterin Noack gibt es aus verschiedenen Schulbereichen bereits in großem Umfang Streikmeldungen. Bis gestern hatten von 28 Oberschulen in der Stadt bereits Lehrer aus 24 Einrichtungen erklärt, dass sie sich an den Streiks beteiligen werden. An 14 Schulen davon soll es Unterricht nach Sonderplan geben, an den übrigen zehn nur einen Notdienst für die Betreuung der Kinder.

"Das ist bestimmt der zehnte Streik, den ich erlebe", zeigte sich Schulleiter Dierk Paßmann von der Oberschule Cossebaude relativ gelassen. Möglichst bis heute 9 Uhr sollten Eltern an seiner Schule mitteilen, ob sie Betreuung für ihre Kinder am Mittwoch benötigen. Bei den 9. und 10. Klässlern rechnet er mit weniger Bedarf als bei den kleineren.

Grundsätzlich darf natürlich kein Kind auf der Straße sitzen bleiben, die Betreuung muss auch an Streiktagen von den Schulen abgesichert werden, selbst wenn sich Pädagogen erst am Morgen für eine Teilnahme am Arbeitskampf entscheiden.

Mancherorts kommt der Betrieb in Schulen völlig zum Erliegen, berichtet Rita Kiriasis-Kluxen vom SLV-Kreisverband Meißen-Dresden-Land. Aus dem Raum Lommatzsch nehme eine komplettes Kollegium am Warnstreik teil und fahre nach Dresden. Die Kinderbetreuung wird von Großeltern und anderen übernommen, der Schulleiter der Oberschule hüte das Haus. "Meist beteiligen sich gewerkschaftlich organisierte Lehrer, die anderen Kollegen zeigen sich jedoch solidarisch, indem sie die Betreuung in den Schulen absichern", erklärte Kiriasis-Kluxen die Situation. Auf diese Weise würden auch die Prüfungsvorbereitungen am Mittwoch fortgesetzt. "Die Abschlüsse werden durch den Warnstreik nicht in Gefahr gebracht", erklärte die SLV-Vertreterin. Das sorge auch für Akzeptanz bei den Eltern.

Streik dient auch Schülern und Eltern

Am Bertholt-Brecht-Gymnasium in Dresden sind Klausuren auf die erste und zweite Stunde verlegt worden, damit sie nicht ausfallen. "Die Mehrzahl der Lehrer wird wohl am Streik teilnehmen", vermutet der stellvertretende Schulleiter Ralf Anton. "Wir werden am Mittwoch Früh schauen, welche Kinder kommen, und dann operativ entscheiden, was wir mit ihnen machen", fügt er hinzu. Zehn der 80 Lehrer hätten bereits erklärt, dass sie nicht am Streik teilnehmen. Diese und Referendare werden laut Anton die Betreuung der Kinder absichern.

Konstantin Samaras, Schulleiter am Beruflichen Schulzentrum für Wirtschaft "Prof.-Dr.-Zeiger" hat bislang gar keine Streikbeteiligung registriert. Das könne natürlich noch anders werden. "Die Prüfungsvorbereitungen laufen, da ist jede Stunde wichtig", mutmaßt er als Grund für die Zurückhaltung seiner Lehrer.

Die Gewerkschaften setzen auf das Verständnis bei allen Beteiligten. Der Warnstreik sei auch im Interesse von Kindern und Eltern. Schließlich geht es darum, junge Leute als Lehrernachwuchs in das System zu bekommen. Birgitt Noack vom SLV: Dafür müssen ihnen gute Konditionen in den Schulen geboten werden."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.03.2015

Ingolf Pleil

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