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Stadtpolitik Stadt will in Problem-Stadtteilen stärker in die Bildung der Kinder investieren
Dresden Stadtpolitik Stadt will in Problem-Stadtteilen stärker in die Bildung der Kinder investieren
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08:48 23.08.2018
Symbolbild. Quelle: dpa
Dresden

Die Stadt Dresden will in den nächsten Jahren in sozialen Problem-Stadtteilen stärker in Bildung investieren. „Auch mit Blick auf den Arbeitsmarkt wollen wir uns unter anderem stärker um die Bildungsverlierer kümmern“, kündigte Bildungsbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) am Mittwoch in Dresden an. Mit der Investition in Risikogruppen soll die Chance ergriffen werden, Armut vorzubeugen und auch künftig Lehrstellen in Industrie und Handwerk besetzen zu können.

Problemlagen verfestigen sich

Hintergrund sind auseinanderdriftende Entwicklungen in der Stadt. Zwar haben sich die Arbeitslosenzahlen im Durchschnitt in Dresden in den letzten zehn Jahren halbiert, diese Entwicklung machte jedoch um bestimmte Stadtteile einen Bogen. In Prohlis, Gorbitz sowie teilweise Reick, Leuben und Johannstadt haben sich Problemlagen verfestigt, der Rückgang der Arbeitslosigkeit ist dort deutlich geringer ausgefallen als im übrigen Stadtgebiet.

Die Karte zeigt, dass sich in den vergangenen Jahren die Problemlagen in einigen Stadtteilen verfestigt haben. Quelle: Stadt Dresden

„Der Risikokreislauf aus Arbeitslosigkeit, stärker gefährdeten Familienstrukturen, sich daraus ergebenden geringeren Bildungschancen und damit einhergehenden Arbeitsmarktrisiken droht dort immer stärker auf die Nachfolgegeneration übertragen zu werden“, heißt es in der Stadtverwaltung. Dieser Teufelskreis soll durchbrochen werden. „Größere Herausforderungen bedürfen eines größeren Ressourceneinsatzes“, fasst es Vorjohann zusammen. Mit einem 4-Punkte-Plan will er gegensteuern und das schon am Anfang der „Bildungswertschöpfungskette“ von Krippe, Kindergarten, Hort bis zur Oberschule. In sozial belasteten Stadträumen leiden auch die Kinder und haben schon einen Nachteil, wenn sie in die Schule kommen, stellte der Bildungsbürgermeister fest.

13 Kitas mit mehr Personal

In 13 Kindertagesstätten in sozialen Problemregionen soll daher der Personalschlüssel verdoppelt werden. „Wenn Kinder zu Hause kein Sprachvorbild haben, müssen die Institutionen das ersetzen“, erklärte die Chefin des Kita-Eigenbetriebs der Stadt, Sabine Bibas. Dahinter steht die Erkenntnis, dass in sozial belasteten Stadtbereichen unter anderem der Anteil der Kinder mit Sprachauffälligkeiten oder mit feinmotorischen Problemen größer ist als in anderen Stadtteilen.

Zur Auswahl der in Frage kommenden Kitas nutzt die Stadt einen sogenannten Mehrbelastungsindex, in dem sich Aspekte wie soziale Lage, Ausländeranteil, Alleinerziehendenanteil, Häufigkeit von Beitragsnachlass für Kindereinrichtungen oder auch Sprachdefizite bei Kindern niederschlagen.

Folgende Kitas sind ausgewählt worden, weil bei ihnen der Mehrbelastungsindex doppelt oder dreimal so hoch ist wie der Durchschnitt in Dresden: Kita Helbigsdorfer Weg 3, Finsterwalder Straße 2a, Omsewitzer Ring 10, Georg-Pahlitzsch-Straße 80, Heinrich-Mann-Straße 26, Georg-Pahlitzsch-Straße 93, Vetschauer Straße 39, Hopfgartenstraße 11, Hopfgartenstraße 7, Gompitzer Straße 101, Leutewitzer Ring 137a, Kita An der Schleifscheibe 16 und Vetschauer Straße 39a.

In Kernbetreuungszeiten, also für bis zu 75 Prozent der gesamten Öffnungzeit, soll in diesen Kitas doppelt so viel Personal zum Einsatz kommen wie üblich. Dabei gehe es nicht ausschließlich um Erzieher, sondern beispielsweise auch um Wissenschaftler, Künstler oder Logopäden.

Die Stadt will zudem das Handlungsprogramm „Aufwachsen in sozialer Verantwortung“, das bislang Kitas in sozialen Problemregionen mit mehr Ressourcen ausstattet, auf Horte ausdehnen. Wiederum nach dem Mehrbelastungsindex sind dafür die Horte an der 135. (Gorbitz), der 102. (Johannstadt), der 122. (Prohlis) und der 139. Grundschule (Gorbitz) ausgewählt worden.

Mehr Familienklassenzimmeran Grundschulen

Schließlich soll auch das Familienklassenzimmer an weiteren Grundschulen angesiedelt werden. Bislang gab es das als Modellversuch lediglich an der 139. Grundschule. Einmal in der Woche nehmen die Eltern am Unterricht teil. Laut Jugendamtsleiter Claus Lippmann könnten so gefährdeten Schülern Regeln und Arbeitsstrukturen vermittelt werden. Dies sei „ein präventives Angebot“, dass sich bewährt habe. So sei beispielsweise das Schuleschwänzen eingedämmt worden. Familienklassenzimmer soll es künftig an der 135., der 120. (Prohlis), der 122., der 129. (Prohlis), der 37. (Löbtau-Nord), der 102. und der 93. Grundschule (Leuben) sowie weiter an der 139. Grundschule geben. Darüber könnte es zu Diskussionen kommen. Im Jugendhilfeausschuss hatte es zwischen Mitgliedern der rot-grün-roten Stadtratsmehrheit und der Verwaltung Differenzen über präventive Ansätze in der Jugendhilfe gegeben.

Einsparungen durch sinkende Arbeitslosigkeit

Bildungsbürgermeister Vorjohann will die Kosten von 7,5 Millionen Euro jährlich für den Vier-Punkte-Plan aus den Einsparungen finanzieren, die sich aus der sinkenden Arbeitslosigkeit ergeben. So fallen die Ausgaben für die Kosten der Unterkunft, also die Mieten von Hartz-IV-Empfängern, deutlich geringer aus als im Haushalt geplant. Andererseits gebe Dresden schon viel Geld für Kinderbetreuung aus und haben viele andere ehrgeizige Projekte wie den Bau eines neuen Verwaltungszentrums oder die Stadionsanierung. „Da geht es um Verteilungsfrage“, erklärte Vorjohann die Grenzen des bislang geplanten Finanzvolumens. Eine Evaluierung soll später prüfen, ob das Programm wirkt. Vom Freistaat wünscht sich Vorjohann eine ähnliche Strategie.

Von Ingolf Pleil

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