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Sächsisches Pressefoto 2011: Zu Besuch bei Familie Heinz in Sondershausen

Sächsisches Pressefoto 2011: Zu Besuch bei Familie Heinz in Sondershausen

Es ist kurz vor Weihnachten, spätabends am 20. Dezember 2011, auf dem Flughafen Leipzig-Halle. Corinna und die Kinder, die in einem Bundeswehrbus aus dem thüringischen Sondershausen angereist sind, stürmen auf den schwer beladenen Soldaten zu.

Die Ehefrau nimmt sofort das Gesicht ihres Mannes in beide Hände und gibt ihm einen dicken Kuss. Derweil umarmen beide Kinder ihren Papa. Zu sehen sind auf dem Bild nur die kleinen Arme in gestreiften Pullovern. "Ich habe erst später gesehen, was das für ein wunderbares Foto geworden ist. In dem Moment habe ich nur schnell draufgedrückt, weil ich weiß, dass es nur Augenblicke sind, in denen sich die Gefühle so stark zeigen", sagt Fotograf Wolfgang Zeyen, der den ganzen Abend auf die Transall mit den heimkehrenden Soldaten der Operativen Eingreif-Reserve (ORF) gewartet hatte.

Die ORF-Soldaten kamen zum größten Teil vom thüringischen Raketenartilleriebataillon 132 in Sondershausen und wurden zur Verstärkung an der Grenze zwischen Serbien und dem Kosovo eingesetzt, weil es dort gewaltsame Auseinandersetzungen gab. "Schauen Sie sich mal auf Youtube an, was im Norden des Kosovo am 28. November 2011 los war", sagt Corinna Heinz, die via Internet immer das aktuelle Geschehen im Einsatzort ihres Mannes verfolgte. Das Video zeigt heftige Ausschreitungen mit Angriffen auch auf Kfor-Soldaten. Oberstleutnant Klaus Glaab, der damalige Bataillonskommandeur, wurde an diesem Tag angeschossen - ein Oberarmdurchschuss. Es war ein gefährlicher Einsatz. Auch deshalb war die 32-Jährige froh, dass ihr Mann nach Hause kam.

"Erst hieß es, sie landen in Penzing in Bayern", erzählt Corinna Heinz. "Dann erfuhren wir, dass sie in Leipzig ankommen. Also bin ich mit den Kindern in die Kaserne." Von dort brachte ein Kleinbus der Bundeswehr sie und andere Angehörige nach Leipzig. 21 Uhr sollten die Soldaten ankommen. Aber es zog sich hin. André kam als Letzter, weil er noch eine geraucht hatte. Die Kinder waren trotz der späten Stunde wie aufgedreht. Erst auf der Rückfahrt im Bus schliefen sie ein.

Freudig begrüßten Corinna und André Heinz Wolfgang Zeyen in Sondershausen. Gemeinsam schauten sie mehrere Zeitungen an, in denen das preisgekrönte Foto inzwischen erschienen ist. Auf besonderen Wunsch zog die junge Mutter ihren Kindern noch einmal die gestreiften Pullover über, die sie am 20. Dezember trugen.

"Ich bin so froh, dass der Papa wieder da ist. Das war gar nicht schön, als er weg war", sagt die sechsjährige Cathleen, die in diesem Jahr in die Schule kommt, und drückt ihren Vater ganz fest. "Wir lassen ihn jetzt nicht mehr fort", bekräftigt auch der achtjährige Adrian, der in die zweite Klasse der Käthe-Kollwitz-Schule geht und seine Eltern mit guten Noten erfreut. "Wir haben mindestens zweimal pro Woche miteinander telefoniert", berichtet der aufgeweckte Junge über das Skypen mit dem Vater.

Statt mit dem Papa habe er in dieser Zeit mit seiner kleinen Schwester Fußball gespielt. Aber auf sie müsse er als großer Bruder mehr aufpassen. Gemalt habe er für seinen Vater einen Mars-Raketenwerfer, ein gepanzertes Kettenfahrzeug, wie er es vom Tag der offenen Tür aus der Kaserne kennt. Soldat will auch er mal werden, sagt Adrian. Sein Vater meint aber vorsichtig: "Na, warten wir mal ab."

Für die couragierte junge Mutter, die als Altenpflegerin bei einem ambulanten Pflegedienst in Schichten und auch am Wochenende arbeitet, war es nicht einfach, ohne ihren Mann alles unter einen Hut zu bringen. "Das ging nur, weil gute Freunde immer mal auf die Kinder aufgepasst haben", erzählt sie. Die Großeltern wohnen zu weit weg. André und Corinna stammen aus Sachsen, wo ihre Verwandtschaft aufmerksam die Zeitung verfolgt und sofort in Sondershausen anrief, als das Pressefoto des Jahres 2011 erschien. Corinna wurde in Leisnig geboren, André wuchs in Meinsberg bei Waldheim auf.

"Am 24. Januar 1997 lernten wir uns in Waldheim kennen", hat Corinna sofort das Datum drauf. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Altenpflegerin, er lernte Maler und Lackierer, wird dann im Jahr 2000 als Wehrpflichtiger einberufen nach Hemau bei Regensburg zum dortigen Raketenartilleriebataillon. Da es ihm beim Bund gefällt, verpflichtet sich der junge Mann für 15 Jahre als Soldat auf Zeit. Bis 2002 bleibt er in Bayern, dann geht er nach Homberg/Efze bei Kassel. "Ich habe immer gesagt, ich lasse mir von der Bundeswehr meine Beziehung nicht kaputt machen", war für Corinna klar. So folgt sie ihrem André nach Bayern und nach Hessen, wo in Homberg/Efze die beiden Kinder zur Welt kommen, dann weiter nach Sondershausen. In der idyllischen Kleinstadt im Harzvorland haben sie ein Haus gekauft und wollen gern bleiben. Der 34-Jährige hat noch drei Jahre beim Bund vor sich, zwei davon will er nutzen, um sich über den Berufsförderungsdienst auf einen Job als Verwaltungsfachangestellter im zivilen Leben vorzube- reiten.

ORF-Bataillon im Kosovo

Die Operational Reserve Force (ORF) sind Verstärkungskräfte der Nato für die internationalen Truppen im Kosovo (Kfor). Sie werden dann angefordert und eingesetzt, wenn eine Eskalation droht. Aufgrund der zunehmenden Spannungen im Nordkosovo wurde Anfang August 2011 ein gemischter Verband aus 150 österreichischen und 550 deutschen Soldaten in das Krisengebiet entsandt. In diesem Zeitraum war das Thüringer Raketenartilleriebataillon in Sondershausen der Leitverband der Nato für die ORF. Daher kam das Gros der eingesetzten Bundeswehrsoldaten von dieser Einheit. Das ORF-Bataillon unter Oberstleutnant Klaus Glaab wurde zum Jahreswechsel von einem neuen Verband abgelöst.

Inzwischen hat die Nato zum dritten Mal in anderthalb Jahren eine Eingreif-Reserve in den Kosovo geschickt. Hintergrund sind die Wahlen in Serbien, in deren Umfeld es erneut zu Unruhen kommen kann. Das neue Kontingent wird aus dem ABC-Abwehrregiment 750 aus Bruchsal (Baden-Württemberg) und aus Teilen des Artilleriebataillons 295 aus Immendingen (Baden-Württemberg) gestellt. Derzeit sind rund 6000 Kfor-Soldaten im Kosovo stationiert, 1200 davon kommen aus Deutschland.

A. K.

Bisher waren sie eine ganz normale Familie. Plötzlich rufen Presse, Funk und Fernsehen an, sucht selbst der Verteidigungsminister den Kontakt. Und das alles, weil André,

Corinna, Adrian und Cathleen Heinz auf dem besten sächsischen Pressefoto 2011 zu sehen sind, für das Fotograf Wolfgang Zeyen

vergangene Woche ausgezeichnet worden ist.

Anita Kecke

besuchte die Familie in Sondershausen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.05.2012

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