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Stadtpolitik Putin oder nicht Putin – Dresdner Russen wählen ihren neuen Präsidenten
Dresden Stadtpolitik Putin oder nicht Putin – Dresdner Russen wählen ihren neuen Präsidenten
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22:50 09.09.2015
Lange Schlangen bildeten sich am Donnerstagvormittag vor bzw. im Deutsch-Russischen Kulturinstitut in der Zittauer Straße. Hunderte Exilrussen wollten hier ihre Stimme zur russischen Präsidentschaftswahl abgeben. Quelle: DRKI
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Der Zuspruch für die zusätzlichen Wahlstandorte ist enorm. Bis zum Mittag gaben bereits rund 400 Menschen in Dresden ihre Stimme ab.

Wählen sei sie früher nie gegangen, sagt Elena Schabanowa keck. Die 25-Jährige stammt aus dem sibirischen Kemerowo und studiert seit eineinhalb Jahren an der TU Dresden. „Früher habe ich mich nie für Politik interessiert, heute ist das anders", so die junge Russin. Für wen sie stimmen wird, verrät die Erstwählerin nicht, den Grund für ihren Entschluss, wählen zu gehen, hingegen schon: „Ich möchte mehr Demokratie für mein Land, mehr Freiheit."

„Ohne die zusätzliche Möglichkeit, hier in Dresden zu wählen, wäre sie wahrscheinlich nicht zur Wahl erschienen", vermutet Wolfgang Schälike, Vorsitzender des DRKI und am Donnerstag im Dauereinsatz auf den Fluren seines aus allen Nähten platzenden Institutes. Seit zwei Tagen herrscht hier der Ausnahmezustand: Das Generalkonsulat der Russischen Föderation in Leipzig hat hier erstmals ein zusätzliches Wahllokal außerhalb der diplomatischen Vertretungen geschaffen, weil die Wahlbeteiligung der hier lebenden Russen auch aufgrund der weiten Wege bisher mit sieben bis zehn Prozent erschreckend niedrig ausgefallen war. „Bereits seit Mittwochmittag waren hier sämtliche Räume verplombt, nachdem die Wahlmaschinen angeliefert worden waren", berichtet Schälike.

Er und sein Team nehmen es mit typisch russischem Galgenhumor. „Wir hatten hier teilweise chaotische Zustände, weil so viele Leute auf einmal gekommen sind", erzählt Schälike lachend. „Zwischenzeitlich mussten wir sogar den Eingang über die Terrasse öffnen, damit die vor allem älteren Leute überhaupt ins Haus konnten." Ein zweiter Ansturm wird noch einmal für den späten Nachmittag erwartet: „Dann kommen die Berufstätigen", so Schälike. Am Ende werden die erwarteten 600 Wähler womöglich noch übertroffen.

Sergej Lodochnikow hatte da noch Glück. Als er kommt, ist der erste Ansturm gerade abgeflaut. Der 35-Jährige lebt seit zweieinhalb Jahren in Dresden und stammt ursprünglich aus Jekaterinburg im Ural. Auch er hat früher selten gewählt: „Weil es nie fair zuging", erklärt er. Hier sei das anders: „Hier geht es auf jeden Fall fairer zu als in Russland", ist er sich sicher. Sein Wunsch gleicht dem vieler seiner Landsleute: Weniger Korruption, mehr Gerechtigkeit und Freiheit. Wirklich daran glauben möchte er aber nicht so recht.

Dass wenigstens hier in Dresden alles mit rechten Dingen zugeht, überwacht der russische Senior-Konsul Michail Wetrow persönlich. Als Leiter des Dresdner Wahlbüros ist er extra aus Leipzig gekommen und nimmt höchst selbst die Registrierung der Wähler vor. Ihre Personalien werden in Listen erfasst, damit niemand zweimal an die elektronische Wahlurne kommt. Anschließend bekommt jeder eine Code, die er in den Wahlautomaten schiebt, bevor es ans eigentliche Abstimmen geht. Mitarbeiter des Konsulats erklären den Wählern die Funktionsweise des kleinen, transportablen Apparates mit Bildschirm und Kartenlesegerät.

Für Wetrow ist das zusätzliche Wahlbüro die richtige Entscheidung. „Sie sehen ja, was hier los ist", sagt er sichtlich zufrieden. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir dies bei kommenden Wahlen wiederholen können - die Zustimmung des Auswärtigen Amtes vorausgesetzt."

Jane Jannke

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