Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Stadtpolitik Pläne für „Bildungsverlierer“ lösen Streit im Stadtrat aus
Dresden Stadtpolitik Pläne für „Bildungsverlierer“ lösen Streit im Stadtrat aus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:15 24.08.2018
An 13 Kindertagesstätten, acht Grundschulen und vier Horten will die Stadt mit mehr Mitarbeitern und höheren Sachkosten für bessere Bedingungen sorgen. Quelle: dpa
Dresden

Mit verstärktem Einsatz von Personal und Geld will der für Kitas und Schulen zuständige Bürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) „Bildungsverlierern“ bessere Chancen verschaffen. Die Pläne stoßen in der Politik nicht nur auf Begeisterung.

Die Stadt hat ein Bildungskonzept auf den Tisch gelegt, mit dem Kitas und Schulen in sozial belasteten Stadtteilen stärker gefördert werden sollen. Zahlen der Stadt zeigen, wo die Probleme liegen.

An 13 Kindertagesstätten, acht Grundschulen und vier Horten will die Stadt mit mehr Mitarbeitern und höheren Sachkosten für bessere Bedingungen sorgen. Die Einrichtungen befinden sich in Stadtteilen, die eine besondere soziale Belastung aufweisen. Wer aus schwierigen Verhältnissen kommt, hat beim Start ins Schulleben schon Nachteile, meint der Bildungsbürgermeister und will gegensteuern. Nach den am Mittwoch vorgestellten Plänen sollen zunächst 7,5 Millionen Euro jährlich eingesetzt werden.

Zustimmung von CDU und SPD

Kinder mit besonderen sprachlichen, emotionalen oder sozialen Schwierigkeiten brauchten Unterstützung und gezielte Förderung, begrüßte Heike Ahnert die Initiative der Stadt. Die bildungspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion im Stadtrat begrüßte den Ansatz des Bildungsbürgermeisters ausdrücklich. „Damit können wir eine individuelle Betreuung, verstärkte Förderung und mehr Chancengerechtigkeit sicherstellen“, erklärte Ahnert. Sie sprach sich für multiprofessionelle Teams in den Kitas und Horten aus, zu denen Pädagogen und Erziehern auch Logopäden, Psychologen, Sozialpädagogen oder Kulturdolmetscher gehören. Auch dieser Ansatz gehört zum Konzept der Stadt. Eltern sollten zwar unterstützt, aber nicht aus der Verantwortung entlassen werden. Die Stadt können ein funktionierendes familiäres Umfeld nicht ersetzen.

Auch Dana Frohwieser, SPD-Bildungspolitikerin und Fraktionschefin im Stadtrat bewertete die Pläne positiv. Mit den vom Freistaat gesetzten Rahmenbedingungen gelinge es Kitas und Grundschulen leider oft nicht, „die sozialisationsbedingten Nachteile“ von Kindern ausreichend zu kompensieren und damit „gleiche Bildungschancen für alle zu schaffen“. Die SPD begrüße ausdrücklich, „dass der Oberbürgermeister nun endlich sozialdemokratische Bildungspolitik umsetzt“. Auf Landesebene sei „es der SPD leider bisher nicht gelungen, dem Koalitionspartner CDU den Betreuungsschlüssel von 1:3 in Krippen, 1:7,5 in Kindergärten und 1:12 im Hort abzuringen“, erklärte Frohwieser.

Laut Kita-Gesetz des Landes ist nach einer stufenweisen Absenkung in der letzten Zeit ab 1. September 2018 eine pädagogische Fachkraft in Krippen für fünf, in Kindergärten für 12 und in Horten für mehr als 20 Kinder zuständig.

Scharfe Kritik von den Linken

Scharfe Kritik an den Plänen der Stadt äußerte dagegen Tilo Kießling von den Linken. Dass Kinder aus schwierigeren sozialen Verhältnissen schlechtere Bildungschancen haben, sei hinlänglich bekannt. Darauf reagiere die Stadt nun aber mit einer Bildungsstrategie, die den individuellen Förderbedarf einzelner Kinder verknüpfe „mit der Problematisierung ganzer Stadtgebiet“. Nach Kießlings Worten stoße diese Strategie bei Jugendhilfeexperten auf Kritik.

Mit der Verstärkung der Ressourcen für einzelne Kitas und Schulen schreibt Vorjohann lediglich den Ansatz des bisherigen Programmes „Aufwachsen in sozialer Verantwortung” fort, vergebe aber die Chance einer Weiterentwicklung. Es sei dringend notwendig, allen Kitas und Schulen, in denen Kinder aus schwierigen Verhältnissen lernen und betreut werden, bedarfsgerechte Mittel zu geben. Kießling: „Bleibt es bei der Strategie der Stadt, dann zeichnet Bildungsbürgermeister Hartmut Vorjohann für die Stigmatisierung ganzer Stadtgebiete und Einrichtungen verantwortlich.“

Von Ingolf Pleil

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Arbeitslosigkeit ist in Dresden den letzten Jahren deutlich zurück gegangen. Doch der positive Trend ist nicht gleichmäßig über die Stadt verteilt. In einige Gebieten haben sich soziale Problemlagen verfestigt. Dort will die Verwaltung jetzt mit stärkerer Bildungsförderung für Kinder ansetzen.

23.08.2018

Vor der erneuten Abstimmung über eine neue Hauptsatzung, die Ortsämtern und Ortsbeiräten mehr Befugnisse in Dresden einräumt, hat sich der Ortsbeirat Pieschen erneut gegen eine Direktwahl seiner Mitglieder ausgesprochen.

21.08.2018

Der SPD-Ortsverein Pieschen hat auf seiner letzten Mitgliederversammlung den Stadtrat Vincent Drews als Landtagskandidat nominiert. Wie der Ortsverein mitteilt, entschieden sich die Mitglieder einstimmig für Drews als Direktkandidat für den Landtagswahlkreis 47.

20.08.2018