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Stadtpolitik Pegida-Pressekonferenz in der LZpB: Heftige Diskussion um Frank Richter
Dresden Stadtpolitik Pegida-Pressekonferenz in der LZpB: Heftige Diskussion um Frank Richter
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17:23 09.09.2015
Richter selbst verfolgte die Diskussion meist schweigend. Quelle: Stephan Lohse

Die Entscheidung von LZpB-Chef Frank Richter, dem umstrittenen Bündnis am Montag einen Ort für deren erste Pressekonferenz überhaupt zur Verfügung gestellt zu haben, wurde heftig kritisiert.

Richter ging mit der Kritik auf der ihm eigenen Art und Weise um: Statt den Ärger auszusitzen, lud er am Donnerstag seine Kritiker zur Aussprache ein. Mehr als 60 Bürger folgten der Einladung in den vollen Saal der LZpB-Stätte."Die letzten Tage waren sehr eindrucksvoll", gab Richter zu. Wie er berichtete, sei Pegida vor einiger Zeit erstmals auf ihn zugekommen, habe wissen wollen, wie man mit der Presse reden könne. Zu diesem Zeitpunkt waren Medienvertreter für das Bündnis noch "Lügenpresse", Woche um Woche arbeiteten sich Pegida-Redner an den Medien ab - ohne selbst mit Journalisten zu sprechen.

Der Abend folgte der "Fishbowl-Methode", reden durfte, wer in der Mitte saß. Quelle: Stephan Lohse
Am vergangenen Wochenende hatten die Pegida-Organisatoren ihre Meinung offenbar geändert. Unter dem Eindruck der Terrorwarnung und der Morddrohungen gegen den damaligen Pegida-Chef Lutz Bachmann habe Kathrin Oertel vom Verein Pegida e.V. Richter am Sonntag angerufen und um eine Pressekonferenz gebeten. "Helfen Sie uns, unsere Anhängerschaft zu erreichen", gibt Richter die Anfrage wieder. Er habe sich danach mit dem Vorsitzenden seines Kuratoriums abgesprochen. Ein alternaiver Raum habe sich nicht gefunden, und so konnte am Montag Pegida seine Pressekonferenz im Saal der Landeszentrale für politische Bildung abhalten.

Bilder der PK vom Montag:

Bei vielen der am Donnerstag gekommenen Gäste verfing diese Erklärung nicht. "Ich nehme es Ihnen nicht ab", kritisierte ein Gast die Aussage, dass sich kein anderer Raum finden ließe. Es sei Pegida sehr wohl zuzumuten gewesen, sich einen öffentlichen Raum zu organisieren, beispielsweise einen Tagungsraum in einem Dresdner Hotel. Auch die Tatsache, dass die Landeszentrale die Journalisten über den hauseigenen Presseverteiler informierte, sorgte für Missfallen. Es sei nicht die Aufgabe der Landeszentrale, als Dienstleister für die Öffentlichkeitsarbeit von Pegida zu fungieren, kritisierte Silvio Lang, Sprecher von Dresden Nazifrei. Man habe einer Gruppe, die den demokratischen Grundkonsens nicht teile, eine Bühne geboten, auf der Pegida unter anderem zur Teilnahme an der Legida-Demo am Mittwoch in Leipzig aufrufen konnte.

Tummelten sich hier am Montag noch mehr als 50 Journalisten, waren dieses Mal zahlreiche Bürger Richters Einladung gefolgt. Quelle: Stephan Lohse
Zudem wurde bemängelt, dass die Landeszentrale ausschließlich Pegida ein Podium geboten habe. Flüchtlingen und Migranten oder auch dem Bündnis "Dresden für alle" werde so eine Möglichkeit nicht geboten. Wer Pegida öffentliche Räume biete, dränge andere Gruppen und Betroffene zurück, argumentierte Grit Hanneforth vom Kulturbüro Dresden. Im Sinne der Überparteilichkeit wäre es nach Meinung einiger Diskutanten angebracht gewesen, auch einen Vertreter der Gegenseite einzuladen. Pegida habe hier eine "Belohnung an der falschen Stelle" erhalten, sagte "Dresden für alle"-Sprecher Eric Hattke.

Zuspruch erhielt Richter an dem Abend vor allem von Pegida-Befürwortern. Diese lobten, dass Richter den Dialog anbiete, er habe die Möglichkeit geboten, die Diskussion in Gang und Menschen zusammen zu bringen. "Es ist die Landeszentrale für alle", war einer von mehreren positiven Einwürfen.

Andere fanden hingegen, dass es keine Diskussion gegeben habe. Die Pressekonferenz sei ein Monolog, kein Dialog. Zudem habe Pegida die Regeln und Leitung selbst inne gehabt, so sei es schlicht eine einseitige Vorstellung von Pegida gewesen.

Die Diskussion verlief dabei kontrovers, aber meist fair und ruhig, für die größte Unruhe sorgte dabei ausgerechnet LZpB-Kuratoriums-Mitglied, Bernd Mönch, der zum Schluss einige Richter-Kritiker scharf angriff. Frank Richter selbst verfolgte die Diskussion meist schweigend, gab aber zu, dass ihn einige Vorwürfe weh getan hätten. "Es gibt kein Schlusswort", meinte der an diesem Abend oft Gescholtene, "von mir schon gar nicht".

Stephan Lohse

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