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Stadtpolitik Orosz zum Jahrestag der Zerstörung Dresdens am 13. Februar 45: Geschehenes nie wieder zulassen
Dresden Stadtpolitik Orosz zum Jahrestag der Zerstörung Dresdens am 13. Februar 45: Geschehenes nie wieder zulassen
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23:36 09.09.2015
Helma Orosz (Archivbild) Quelle: dpa
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Lange hat Dresden um ein gemeinsames Konzept für ein würdiges Erinnern gerungen. Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU), die ihr Amt Ende des Monats aus gesundheitlichen Gründen abgibt, hatte dies zu ihrer Aufgabe gemacht.

Nach ihrem Amtsantritt 2008 haben sie die Arbeitsgemeinschaft 13. Februar berufen, um eine gemeinsame Gedenk- und Erinnerungskultur in Dresden zu erarbeiten. Jetzt steht der 70. Jahrestag der Zerstörung Dresdens bevor und zum fünften Mal wird es - neben zahlreichen anderen Aktionen - die Menschenkette geben. Was bedeutet das für Sie?

Das war ein Kraftakt für die ganze Stadt und ich bin dankbar, dass ich mit dazu beitragen konnte, dass wir gemeinsam diese Lösung gefunden haben, die bis heute trägt. Ich weiß persönlich, wie viel Kraft und schlaflose Nächte darin stecken. Und daher ist dieser 70. Jahrestag ein ganz besonderer Tag - für die Stadt, für die Bürgerschaft und für mich persönlich.

Nach wie vor gehen die Meinungen auseinander, inwieweit man der Opfer gedenken und gleichzeitig daran erinnern kann, dass Deutsche letztendlich auch Täter waren. Wie geht man damit um?

Fakt ist: Gedenk- und Erinnerungskultur kann vielfältig sein. Jeder hat seine persönlichen Vorstellungen, die man auch ausleben kann. Ob man am 13. Februar auf den Heidefriedhof geht oder sich den Angeboten der verschiedenen Vereine, Verbände und Initiativen anschließt. Es gibt kein Dogma. Was uns alle verbindet, ist die Menschenkette, in der sich die gesamte Stadtgesellschaft versammelt. Ein Symbol, dass eben nicht nur an die Zerstörung erinnert, sondern auch daran, dass wir nicht nur Opfer sind. Die Deutschen waren auch Täter. Weil von uns, von deutschem Boden, auch viel, viel Elend in die Welt getragen worden ist.

Im vergangenen Jahr haben sie daran erinnert, dass in Dresden im Februar 1945 Waffen für den Krieg gefertigt und Zwangsarbeiter in Lagern lebten. Wie kam das an?

Das hat manche erschreckt. Und es ist verständlich, dass es für den einzelnen nicht immer einfach ist, die Fakten wahrzunehmen und letztendlich auch zu akzeptieren. Vor allem dann nicht, wenn man selbst Betroffener ist und möglicherweise die ganze Familie ausgelöscht wurde. Aber wichtig ist, dass die Bürgerschaft jetzt mehrheitlich überzeugt ist, dass wir mit dem Gedenktag am 13. Februar auch gemeinsam die Verantwortung tragen, das, was geschehen ist, nie wieder zuzulassen.

Rechtsradikale versuchen immer wieder, das Gedenken für ihre ideologischen Zwecke zu missbrauchen. Was kann die Stadt dagegen tun?

Es ist unsere Aufgabe, aufzuklären und damit dafür zu sorgen, dass der Zulauf zu den vorhandenen Neonazi-Strukturen möglichst gering ist. Einen kleinen Erfolg haben wir ja in den letzten Jahren auch schon erreicht. Es waren ja nicht mehr Tausende hier. Aber das sind nur erste Ansätze, die uns keinesfalls dazu verleiten werden, in unserem Bemühen aufzuhören.

In den vergangenen Jahren wurden genehmigte Neonazi-Aufmärsche immer wieder blockiert. Auch Politiker beteiligten sich daran - und wurden deshalb verurteilt. Wie stehen sie zu diesen Blockaden?

Protest in Sicht- und Hörweite ist ein legitimes Mittel - das habe ich selbst schon getan. Aber Blockaden sind es nun mal nicht, weil durch sie eine Einschränkung des Demonstrationsrechts erfolgt. Das mag denen nicht gefallen, die es nicht verstehen, dass die Neonazis marschieren dürfen, wenn sie eine Demonstration angemeldet haben. Ich bin als Oberbürgermeisterin verpflichtet, dieses gesetzlich festgeschriebene Grundrecht zu garantieren. So schwer es manchmal fällt, muss man akzeptieren, dass wir Meinungsfreiheit haben und dass wir das an solchen Rändern auch aushalten müssen.

Helma Orosz wurde im Juni 2008 zu Dresdens Oberbürgermeisterin gewählt. Erst im Jahr 2000 der CDU beigetreten, saß die heute 61-Jährige bereits drei Jahre später als sächsische Sozialministerin am Kabinettstisch. Zuvor war sie von 2001 bis 2003 Oberbürgermeisterin von Weißwasser. Orosz stammt aus Görlitz und ist Mutter einer Tochter. Nach einer Krebserkrankung hatte sie ihr Amt 2011 bereits für ein Jahr Ruhen lassen; Ende Februar gibt sie es aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig auf.

Martin Fischer, dpa

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