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Stadtpolitik Neue Wege für die Unischule in Dresden
Dresden Stadtpolitik Neue Wege für die Unischule in Dresden
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09:02 23.04.2018
Quelle: dpa
Dresden

Der Start der Unischule in Dresden wird ein Jahr verschoben. Nach DNN-Informationen ist der Auftakt nun erst für das Schuljahr 2019/20 vorgesehen. Das ist das Ergebnis der Beratung am Donnerstag in einer Lenkungsgruppe aus Vertretern der Stadt, des Landes und der Universität.

Ursprünglich sollte der von der TU Dresden betriebene Schulversuch in diesem Jahr nach den Sommerferien starten. Es gab aber erhebliches Gezerre um den Standort, die angemeldeten Schülerzahlen und die Kooperation mit anderen öffentlichen Schulen.

Die Unischule soll am Standort der 101. Oberschule an der Pfotenhauerstraße eingerichtet werden. Dort entstanden daraufhin Ängste um die Zukunft der Schule.

Daher wird nach der Entscheidung auch der Stadtrat in Dresden neu über den Standort entscheiden.

Die Stadt bestätigte am frühen Donnerstag Abend in einer Mitteilung die Verschiebung.

Partner bekennen sich zu Projekt

Die Projektpartner würden die Universitätsschule weiter unterstützen und die Entscheidung mit einem „lachenden und einem weinenden Auge“ sehen, hieß es am Donnerstag. Zwar bedeutet die Verschiebung des Projektstarts, dass Eltern, die ihre Kinder bereits angemeldet haben, enttäuscht und außerdem bereits eingeworbene Fördermittel nicht ausgegeben werden könnten.

Andererseits biete ein späterer Start allen Beteiligten die Möglichkeit, das Projekt besonders im Interesse der Kinder und Eltern gut vorzubereiten. Der Dresdner Stadtrat werde „zeitnah über mehrere Varianten für die Unterbringung der Universitätsschule entscheiden“. Ob dies einen Wechsel der Unischule an einen neuen Standort oder einen Wechsel der am Standort schon vorhandenen Schulen bedeutet, ließ die Erklärung offen.

Eine Schule wird umziehen müssen, schon allein aus Kapazitätsgründen. Bei einem Besuch der 101. Oberschule hatte Kultusminister Christian Piwarz (CDU) die Bedeutung der Schule für den Stadtteil gewürdigt. Dresdens Bildungsbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) hatte gegenüber DNN bereits laut über einen neuen Standort für die Unischule nachgedacht.

Nach der Stadtratsentscheidung über den Standort könne ein Lehrerkollegium besetzt, die benötigte Infrastruktur beschafft und der Anmeldebeginn bekannt gegeben werden, hieß es in der Mitteilung der Stadt.

Feine Unterschiede in Mitteilungen

Die TU Dresden veröffentlichte eine nahezu wortgleiche Erklärung. Interessant waren dabei die kleinen Unterschiede. Während in der Information der Stadt nur von einer zeitnahen Entscheidung die Rede war, schob die TU in ihrer Erklärung nach, dass die Uni „bis Ende Mai“ eine entsprechende Zusage benötige. Offenbar hat es über diese Zeitangabe keine Verständigung gegeben.

„Alle Projektpartner sind vom Konzept der Universitätsschule überzeugt, insbesondere der Rektor Prof. Hans Müller-Steinhagen, Oberbürgermeister Dirk Hilbert und Kultusminister Christian Piwarz“, hieß es in beiden Erklärungen. Dadurch könnte es Impulse geben für neue Wege in der Schulbildung. Die Universitätsschule bietet die Chance, hier wissenschaftlich fundiert diese neuen Wege zu entwickeln. Sie versteht sich als Schule für alle, in der die soziale Gemeinschaft und individuelle Lernwege im Mittelpunkt stehen. Dank der wissenschaftlichen Begleitung können neue Formen des Lernens und Lehrens in einem definierten Rahmen erprobt werden. Davon würden alle Schüler und Lehrer dieser und künftiger Generationen profitieren.

Zweifel an Kooperationsfähigkeit

Um den Erfolg der Universitätsschule nicht zu gefährden, müsse die TU Dresden auf bestimmten wissenschaftlichen Standards bestehen. Voraussetzung für eine gelungene wissenschaftlich-pädagogische Umsetzung des Projekts sei unter anderem der Aufbau einer dreizügigen Schule, wie es seit Juli/August 2017 im Konzept für den Dresdner Stadtrat formuliert sei. Nur in einer dreizügigen Schule könne eine genügend große Lehrerzahl zusammenkommen, die für das vorgesehene flexible Zeitmodell benötigt wird.

In Fachkreisen wird inzwischen bezweifelt, ob bei der Betrachtung der Unischule als „Labor“ überhaupt eine Kooperation mit einer Regelschule möglich ist.

Die bisherigen Anmeldezahlen für die Unischule waren weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Während sich CDU-Bildungspolitiker daher früh für eine Verschiebung des Starts aussprachen, drängten Elternvertreter und die SPD zuletzt auf die Einhaltung der ursprünglichen Pläne.

Ziel des Projekts ist es, mit Hilfe wissenschaftlicher Methoden die Grundlagen für eine langfristige Verbesserung des Schulsystems im Interesse aller in Sachsen und darüber hinaus zu schaffen. Da es mit öffentlichen Mitteln finanziert wird, sieht sich die TU Dresden in der Verantwortung, das Forschungsprojekt so durchzuführen, dass anwendbare und wissenschaftlich fundierte Ergebnisse entstehen. An erster Stelle steht für die Universitätsschule das Wohl der Kinder und ihrer Eltern. Das betrifft die konzeptionelle Umsetzung ebenso wie die Standortfrage.

Scharfe Reaktion von SPD und Linken

SPD und Linke haben mit scharfer Kritik auf den Beschluss reagiert. „Ich nehme den Beschluss mit tiefstem Bedauern zur Kenntnis“, erklärte Dana Frohwieser gegenüber DNN. Sie hofft, dass es kein endgültiges Aus sei. Die SPD-Bildungspolitikerin sprach von einem Desaster für den angestrebten interkulturellen Bildungsstandort, den im Mai 2017 unter anderem auch die Schulleiterinnen der 101. Oberschule und der 102. Grundschule in einem Schreiben gefordert hatten. „Das Positionspapier war geradezu ein Aufruf, die Universitätsschule in der Johannstadt einzurichten. Eine nur zur Hälfte ausgelastete Oberschule, eine Grundschule mit über 60 Prozent Kindern mit Migrationshintergrund in einem Stadtteil mit 12 Prozent Ausländeranteil und weiteren 7 Prozent Deutschen mit Migrationshintergrund (2016, Johannstadt Nord), bei den unter 18-Jährigen sind es je 18 Prozent. Das war eine riesen Chance, drei Schulen zu helfen, dieser interkulturelle Bildungsstandort zu werden“, erklärte Frohwieser. „Die Stadtverwaltung hat das Projekt schlicht und einfach verschleppt“, fügte sie hinzu. Seit Januar 2017 habe es immer wieder Stadtratsaufträge zur Unischule gegeben, die Verwaltung habe sich geweigert, dem nachzukommen. „Dieser Sieg einer konservativen Verhinderungsmacht ist zum Schaden von 101. Oberschule und 102. Grundschule“, wetterte Frohwieser. Jetzt müsse die Vorlage zur Standortfrage schnellstens auf den Tisch. Für die SPD-Politikerin ist die Pfotenhauerstraße der beste Standort. Wenn dieser nicht möglich sei, müsse zunächst über eine Vorgründung nachgedacht werden, die nur in funktionstüchtigen Standorten wie dem Berthelsdorfer Weg oder der Cämmerswalder Straße möglich sei. Perspektivisch sei die Unischule auf der Cockerwiese denkbar, wo Rot-Grün-Rot eine Grundschule plant und die Stadtverwaltung selbst eine Oberschule. Beides würde sich in der Unischule vereinen.

Auch Anja Apel bezeichnete die Verschiebung als „sehr schade“. Die Unischule wäre eine wirkliche Verbesserung für den Schulstandort Johannstadt gewesen. Die Bildungspolitikerin der Linken hofft, dass die TU ihre schon geplanten Projekte mit der 102. Grundschule dennoch durchführt. „Die Stadtverwaltung hat über ein Jahr Entscheidungen verschleppt und das Projekt als kommunale Schule nie wirklich befördert“, erklärte Apel. Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) müsse das Thema jetzt zur Chefsache machen und nach sinnvollen Alternativen für eine Umsetzung suchen. Bürokratische Hürden, unsachliche Kommunikation und einzelne Verwaltungsmitarbeiter dürfen in einem modernen und weltoffenen Dresden nicht länger über demokratischen Mehrheitsbeschlüssen stehen, sondern jetzt muss zügig und konstruktiv eine Lösung für diese Standorte von der Verwaltung vorgelegt und im Stadtrat beschlossen werden,“ so die beiden Stadträtinnen abschließend.

Von Ingolf Pleil

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