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Stadtpolitik Nachspiel für privates Feuerwerk am Schloss Nickern
Dresden Stadtpolitik Nachspiel für privates Feuerwerk am Schloss Nickern
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08:45 28.07.2017
An der Pyrotechnik scheiden sich bekanntlich die Geister. Für viele Hochzeitsgesellschaften gehört ein Feuerwerk am späten Abend einfach dazu. Anwohner beliebter Festlokale dagegen sind vom Lärm und dem Müll auf der Straße wenig begeistert. Quelle: dpa
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Dresden

An der Pyrotechnik scheiden sich bekanntlich die Geister. Für viele Hochzeitsgesellschaften gehört ein Feuerwerk am späten Abend einfach dazu. Anwohner beliebter Festlokale dagegen sind vom Lärm und dem Müll auf der Straße wenig begeistert. Wenn dann auch noch Schäden auftreten, wie es am Abend des 7. Juli im Ortskern von Altnickern der Fall war, dann muss der Veranstalter eingreifen. Zwischen 22.30 und 23 Uhr wurde dort anlässlich einer Hochzeit ein Feuerwerk der Kategorie 2 und 3 abgebrannt. Anschließend beklagten Anwohner Beschädigungen an Autos und Häusern.

Schloss Nickern zieht deshalb die Reißleine. „Feuerwerke in jeglicher Form sind derzeit aus aktuellem Anlass auf dem gesamten Gelände des Schlosses Nickern aus Brandschutzgründen (Kulturdenkmal) vom Eigentümer untersagt!“, heißt es auf der Schloss-Homepage.

Die Prohliser Ortsbeirätin Julia Günther (Grüne) begrüßt den vom Schlossbesitzer selbst verordneten Pyro-Stopp und erklärt weiterhin: „Die Nickerner BürgerInnen reagieren zu Recht mit Unverständnis auf die derzeit geltende Genehmigungspraxis des Geschäftsbereiches Ordnung und Sicherheit des Ordnungsamtes. Aufgrund der beengten Platzverhältnisse in Altnickern hätte das Ordnungsamt bei einem Vor-Ort-Termin eine Gefahrenabschätzung vornehmen und entsprechende Auflagen erteilen müssen.“

Dass eine Genehmigung nicht vor Ärger schützt, zeigte bereits ein Geburtstagsfeuerwerk vor vier Jahren in Niedersedlitz, bei dem verbotene ausländische Böller verwendet und Autos beschädigt wurden. Günther fordert diesbezüglich Ordnungsbürgermeister Detlef Sittel (CDU) auf, „sich ein Bild über die Hersteller der in Dresden zum Einsatz kommenden Feuerwerke zu verschaffen, zu prüfen, ob es sich um legale Pyrotechnik handelt und entsprechende Regelungen zu treffen.“

Die Grünen-Stadträtin Ulrike Hinz fordert ein generelles Ende der Mittel- und Kleinfeuerwerke in unmittelbarer Nähe von Wohnbebauung oder Landschaftsschutzgebieten.

Holger Zastrow, der Fraktionsvorsitzende der FDP/FB-Fraktion, kritisiert diesen neuen Verbotsvorstoß der Grünen deutlich: „Immer wenn es um Lebenslust und Freude geht, drohen die Grünen mit Verboten. Man sollte das Thema Feuerwerke in Dresden nicht überdramatisieren und keinesfalls überbürokratisieren. Die Stadt hat kein Feuerwerksproblem. Dresden ist nun einmal eine Stadt, die zum Draußensein und Feiern einlädt. Man lebt hier nun mal anders als in Städten, wo es vor allem Häuserschluchten und wenig Freiräume gibt. Das nutzen die Leute und das ist auch gut so. Außerdem gehören Feuerwerke und Dresden zusammen. Nicht umsonst gibt man sich in der Stadtwerbung auch den Namen Silvesterstadt.“

Dass die Stadt mit ihrer Anzahl an Genehmigungen unter Sachsens Kommunen besonders heraussticht, zeigt eine Anfrage des Grünen-Stadtrates Wolfgang Deppe von 2016, die ergab, dass im Jahr 2015 genau 222 Genehmigungen erteilt wurden – eine außergewöhnlich große Zahl im Vergleich zu Leipzig oder Chemnitz. Und auch als Austragungsort der alljährlichen „Pyro Games“ bewirbt sich Dresden einmal mehr um den Titel der Feuerwerkhauptstadt Sachsens.

In Zwickau beispielsweise schlägt man da einen ganz anderen Weg ein. Dort gibt es Genehmigungen nur noch in Ausnahmefällen. Verstöße können mit einer Geldbuße von bis zu 50 000 Euro geahndet werden. In den vergangenen Jahren sei es immer mehr zur Unsitte geworden, dass zu jedem beliebigen Anlass Feuerwerke gezündet werden, begründete die westsächsische Stadt ihre Haltung schon vor drei Jahren.

Ob und inwiefern die Dresdner Stadtverwaltung auf den Nickerner Vorfall nun reagiert, bleibt abzuwarten.

Von Karl Witzel

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