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Kulturbürgermeister Ralf Lunau: "Das Verkehrsmuseum wird nicht heimatlos"

Kulturbürgermeister Ralf Lunau: "Das Verkehrsmuseum wird nicht heimatlos"

Unmittelbar vor der Sommerpause hat der Stadtrat zwei gigantische Kulturprojekte endgültig auf den Weg gebracht. Was dies für Dresden bedeutet und welche Herausforderungen dennoch auf die sächsische Landeshauptstadt zukommen, darüber sprachen die DNN im Sommerinterview mit Kulturbürgermeister Ralf Lunau (parteilos).

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Ralf Lunau ist von Haus aus Jurist und seit fast fünf Jahren Kulturbürgermeister in Dresden. Als Ort für das Sommerinterview hat sich der 48-Jährige die Ostrale ausgesucht, denn für zeitgenössische Kunst hat er ein Faible.

Quelle: Christian Juppe

Herr Dr. Lunau, in den Umbau des Kulturpalastes und den Bau des Kulturkraftwerks investiert die Stadt in den nächsten Jahren insgesamt über 170 Millionen Euro. Fühlen Sie sich als Gewinner des aktuellen Doppelhaushalts?

Ralf Lunau: Gewinner ist die Stadt. Ich würde bei Haushaltsverhandlungen nie von Gewinnern oder Verlierern sprechen. Wir haben ja auch die Schulen und Kindertagesstätten sehr gut verankert, in den vergangenen Jahren dagegen viel Geld in den Bereich der Krankenhäuser und Feuerwehren gesteckt. Diesmal sind nun die Kultureinrichtungen konzentriert vorgesehen. Das war natürlich keine ganz leichte Abwägungsentscheidung, denn wir sprechen schließlich auch von Baumaßnahmen für gleich vier große städtische Kultureinrichtungen, nämlich Philharmonie, Operette, Bibliothek und Theater Junge Generation. Es gibt eine Reihe von Städten, die schaffen es nicht oder nur mit großer Mühe, nur ein solches Projekt zu realisieren.

Sehen Sie nicht trotzdem die Gefahr, dass sich die Stadt finanziell übernimmt, indem sie beide Vorhaben zeitgleich anpackt?

In den vergangenen Monaten haben viele Beteiligte die Planungen für den Kulturpalast und das Kraftwerk intensiv durchgearbeitet. Am Ende sind nicht nur die OB und die Fachleute, sondern auch der Stadtrat zu dem Schluss gekommen, dass es haushalterisch so funktionieren kann. Selbstverständlich erfordert dies Disziplin aller Beteiligten, denn es ist erkennbar, wie sehr sich die Stadt derzeit am Rand dessen bewegt, was sie finanziell leisten kann. Insofern empfinde ich als Kulturbürgermeister auch keinerlei Triumphgefühl. Es gibt die Erwartung an die Bau-, Kultur- und Finanzverwaltung, dass sie beide Großprojekte mit Sorgfalt realisieren und keine Kostensteigerungen in Kauf nehmen.

Geht es auf den Baustellen gleich nach der Sommerpause los?

Beim Kulturpalast können wir die ersten denkmalgeschützten Bauteile ab dem 26. August demontieren. Zum Beispiel die Bronzetüren und diverse Handläufe im Treppenhaus, die wir später wieder einbauen wollen. Im September soll dann der Abbruch von Zwischenwänden starten. Beim Kraftwerk Mitte sind diese Termine bislang noch nicht sicher, doch wenn sich die Planungen gut entwickeln, werden wir auch hier noch in diesem Jahr erste sichtbare Baubewegungen haben. Dies betrifft zunächst das alte Gebäude Alfred-Althus-Straße/Ecke Ehrlichstraße, wo die Bauleitung einziehen soll. Die große Baugrube für die Theater wird voraussichtlich im Frühjahr 2014 ausgehoben. Für die Dresdner ist jetzt nach der langen Phase des Redens und Planens endlich ein Anfang sinnlich wahrnehmbar.

Inwieweit kann sich das Kulturkraftwerk zu einer Spielstätte mit überregionaler Ausstrahlung entwickeln?

Das Areal macht städtebaulich sehr viel her, insofern wird dies meiner Meinung nach aufgrund der kulturel-len Nutzung gelingen. Schon heute ist es doch so, dass Sie mit der S-Bahn über die Marienbrücke in Richtung Hauptbahnhof fahren und zunächst den weltberühmten Canaletto-Blick genießen, kurz danach aber auf dieses alte Kraftwerk blicken. Dieser Effekt wird sich bei entsprechender Werbung für die Theaterstücke und einem ausgeklügelten Beleuchtungskonzept verstärken.

Die Sächsische Staatskapelle hat deutlich gemacht, dass sie im umgebauten Kulturpalast keine Konzerte geben will. Müssen Sie mehr Überzeugungsarbeit leisten?

Selbstverständlich ist die Staatskapelle eingeladen, im neuen Konzertsaal zu spielen. Diese Einladung steht weiterhin. Am Ende muss der Raum jedoch für sich selbst sprechen und überzeugen. Darauf setze ich bei diesem Thema.

Bei Konzerten ganz großer Pop- und Rockstars - ich denke da an Auftritte von Britney Spears und Kylie Minogue - läuft Leipzig Dresden klar den Rang ab. Woran liegt das?

Zumindest nicht an den Veranstaltungsorten. Denn unser aufgerüstetes Messegelände und der Kulturpalast nach seinem Umbau werden ungefähr der Konstellation entsprechen, die Leipzig mit dem Gewandhaus und der Sportarena hat. Dresdens großes, nicht zu unterschätzendes Standortproblem ist allerdings die verkehrliche Anbindung. Konzertveranstalter reagieren darauf äußerst sensibel und das betrifft nicht nur den Bereich der Unterhaltungsmusik, sondern auch den der Klassischen Musik. Solange wir in Sachen Eisenbahn und Luftfahrt schlechter angebunden sind, werden wir immer wieder erleben, dass bestimmte Musiker nur in Berlin, Leipzig und Prag auftreten, aber um Dresden einen Bogen machen. Die Stadtverwaltung hat leider keinen großen Einfluss, um an diesen Rahmenbedingungen etwas zu ändern.

Das Land Sachsen drängt auf einen Auszug des Verkehrsmuseums aus dem Johanneum in einigen Jahren. Wo soll die beliebte Sammlung denn nun hin?

Ich sage in aller Offenheit, dass wir derzeit ein gigantisches Investitionsvolumen für andere große Kultureinrichtungen abarbeiten und die Frage eines neuen Standortes für das Verkehrsmuseum deshalb nicht oberste Priorität genießt. Dennoch befinden wir uns in Gesprächen mit dem Freistaat und versuchen, die verschiedenen Interessen bei diesem Thema zusammenzubringen. Niemand zieht jedoch auch überhaupt nur in Erwägung, dass es eine Zeit in Dresden geben wird, in der das Verkehrsmuseum heimatlos ist. Alle Beteiligten wünschen sich eine einvernehmliche Lösung.

Manch einer befürchtet, dass die Sammlung zerschlagen werden könnte...

Ganz ehrlich, über diese Variante hat niemand, nicht einmal im geschützten Raum, auch nur kurzzeitig hinter vorgehaltener Hand gesprochen. Weder Vertreter der Stadt noch Vertreter des Landes.

Was halten Sie von einem Verkehrsmuseum auf dem Gelände des Alten Leipziger Bahnhofs?

Da will ich an dieser Stelle verschiedenen Diskussionen nicht vorgreifen. Zum einen müssen wir im Kulturbereich schon jetzt große Bauvorhaben realisieren und erst einmal den Be-weis erbringen, dass wir das ordent-lich hinbekommen. Darüber hinaus berührt das Thema natürlich direkt die Debatte um den geplanten Globus-Markt. Und letztlich dürfen wir bei einem eventuellen Neubau für das Verkehrsmuseum nicht die drei großen Kriterien zur Bewertung einer Immo-bilie vergessen, die immer gelten: Standort. Standort. Standort! Das Johanneum im engeren Zirkel der Hochkultureinrichtungen macht sich für das Verkehrsmuseum unheimlich bezahlt. Beim Alten Leipziger Bahnhof bin ich mir nicht sicher, ob das dort so funktioniert.

Interview: Christoph Stephan

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