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Stadtpolitik Kammern fordern Aufträge für lokale Mittelständler bei Verwaltungsbauten
Dresden Stadtpolitik Kammern fordern Aufträge für lokale Mittelständler bei Verwaltungsbauten
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16:00 02.04.2018
So stellen sich die Architekten von Barcode das Verwaltungsgebäude am Ferdinandplatz vor. Quelle: Archiv/Sabrina Holz
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Dresden

Bei den geplanten Verwaltungsbauten in Dresden soll die regionale Wirtschaft die Chance zur Beteiligung erhalten. Das haben die Wirtschaftskammer mit der Stadt vereinbart.

Der Stadtrat hatte am Donnerstag die Grundsatzbeschlüsse für den Bau neuer Verwaltungsstandorte gefasst. Insgesamt sind darin nach gegenwärtigen Kalkulationen 271 Millionen Euro für einen Neubau am Ferdinandplatz (162 Millionen Euro), eine Erweiterung des Verwaltungsgebäudes an der Theaterstraße (12 Millionen Euro) und die Sanierung des Neuen Rathauses am Külz-Ring (97 Millionen Euro) vorgesehen.

Zastrow: Stadt braucht neue Handschrift

Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) freute sich gegenüber DNN, „dass der Stadtrat so deutlich unser Gesamtkonzept zur Zentralisierung der Verwaltungsstandorte, vor allem aber den Bau eines Neuen Verwaltungszentrums am Ferdinandplatz beschlossen hat“.

Die Stadträte hatten teilweise von einer „Jahrhundertentscheidung“ gesprochen, die aber notwendig sei. Christian Avenarius, Fraktionschef der SPD, votierte zudem für ein „umfassendes Sicherheitskonzept“. Das hätten die Erfahrungen in der Justiz mit dem tödlichen Angriff auf Marwa El-Sherbini gezeigt.

Unter anderen Holger Zastrow (FDP) forderte „einen großartigen Bau“. In der Stadt müsse „eine neue Handschrift“ zugelassen werden. Er hatte zuvor unter Verweis auf frühere Alternativstandorte kritisiert, dass eine hochwertige innerstädtische Fläche von der Verwaltung genutzt werde, statt mögliche Verkaufserlöse zu realisieren,

Es werde sich um ein Gebäude handeln, welches „den Anforderungen an eine moderne bürger-, zukunfts- und dienstleistungsorientierte Verwaltungsorganisation Rechnung trägt“, versicherte Schmidt-Lamontain. Der Stadtrat habe betont, das neue Verwaltungszentrum solle architektonisch etwas Besonderes werden und in jeder Beziehung einem Rathaus für die zukünftigen Generationen entsprechen. „Das ist eine große Herausforderung, an die wir uns mit aller Kraft heranmachen“, versprach der Baubürgermeister.

Dialogverfahren gab es auch beim Kraftwerk Mitte

Nach den gegenwärtigen Plänen soll das Verwaltungszentrum in einem sogenannten „wettbewerblichen Dialog an einen Totalunternehmer vergeben werden“. Planung und Bau lägen dann in einer Hand. Das reduziere Kosten- und Zeitrisiken für die Stadt deutlich.

Hierfür erstelle das Amt für Hochbau und Immobilienverwaltung gerade eine Bedarfsplanung und das Nutzerbedarfsprogramm. Anschließend würden bis Sommer die engen Zielvorgaben und Bewertungsmatrix für das Vergabeverfahren erarbeitet.

Laut einer gemeinsamen Erklärung von Architektenkammer, Industrie- und Handelskammer sowie Handwerkskammer „verpflichtet“ die Landeshauptstadt die Teilnehmer des Dialogverfahrens „im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten“ dazu, „die Nachunternehmerleistungen in Lose zu teilen, um es den mittelständischen Unternehmen, also auch der regionalen Wirtschaft, zu ermöglichen, sich an den Ausschreibungen zu beteiligen“.

Gleichzeitig ließen die Kammern erkennen, dass sie ein solches Verfahren grundsätzlich kritisch sehen. Es müsse „die Ausnahme bilden“ und lediglich „im Einzelfall besonderen und ausgewählten Projekten vorbehalten bleiben“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung.

Ein Dialogverfahren hatte es auch bei der Sanierung des Kraftwerks Mitte gegeben. Dabei war mit dem Generalauftragnehmer ein Festpreis vereinbart worden, zu dem das Projekt bewältigt werden sollte. Die bei öffentlichen Projekten häufig anzutreffende Kostenexplosion blieb aus.

Zwei neue Stellen im Hochbauamt

Die Stadt setzt nun die Arbeit an den Planungen für die Verwaltungsobjekte fort. Auf der Grundlage des im städtebaulichen Evaluierungsverfahren zum städtebaulichen Konzept Georg-/Ferdinandplatz (von Januar bis März 2017) zur weiteren Bearbeitung empfohlenen Entwurfes des Büros „Barcode Architects“ aus Rotterdam werde jetzt der Bebauungsplan für den Bereich vom Stadtplanungsamt aufgestellt (B-Plan Nr. 3027, Dresden Altstadt I, Nr. 47, Ferdinandplatz).

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Die Verwaltung hat fünf Monate lang mit sieben Architekturbüros nach städtebaulichen Ideen für den Ferdinandplatz gesucht und interessante Entwürfe erhalten.

Für die städtebaulichen Voruntersuchungen wurden eine Nutzfläche von etwa 40.000 Quadratmeter und eine Bruttogeschossfläche von rund 50 000 Quadratmeter zu Grunde gelegt. Das Stadtplanungsamt arbeitet an der Stadtratsvorlage für die Offenlage des Bebauungsplans, erklärte Schmidt-Lamontain.

Eigentumsprobleme könnten der Stadt jedoch noch einen Strich durch die Pläne machen. Das Baufeld umfasst neben städtischen Flächen auch ein kleines Teilgrundstück in Privateigentum. Die Verwaltung verhandelt derzeit mit dem Grundstückseigentümer, inwieweit er zum Verkauf des Grundstücks an die Stadt oder zu einem Flächentausch bereit ist, erläuterte der Baubürgermeister.

Für den Fall, dass diese Verhandlungen bis Mitte 2018 zu keinem Ergebnis führen sollten, „wird das Baufeld für das neue Verwaltungszentrum auf die kommunalen Flächen begrenzt“. Im Hochbauamt würden zudem „baldmöglichst“ zwei neu geschaffene Stellen für die Projektkoordination besetzt. Vorstellungsgespräche fänden in Kürze statt.

Von Ingolf Pleil

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