Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Stadtpolitik Innovationlab im Kraftwerk Mitte fliegt aus dem Haushalt
Dresden Stadtpolitik Innovationlab im Kraftwerk Mitte fliegt aus dem Haushalt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:43 03.12.2016
„Alcatraz“ als Spitzname für die „Schaltanlage“ liegt nahe.   Quelle: Drewag
Dresden

Rückschlag für das Kraftwerk Mitte: In der Liste der Veränderungen, die die rot-grün-rote Stadtratsmehrheit (RGR) mit dem Haushalt beschlossen hat, taucht als letzte Position „Streichung Innovationlab“ auf. Eine Million Euro hatte die Verwaltung dafür für das nächste Jahr eingeplant. Dahinter verbirgt sich ein Zuschuss an die Dresdner Stadtwerke Drewag für den Ausbau des Schaltanlagen-Gebäudes auf dem Kraftwerksgelände. Das Geld hat RGRersatzlos gestrichen.

„Wir wollen die Schaltanlage für Firmengründungen aus der Computerbranche sanieren“, erklärte Drewag-Prokurist Frank Neuber gegenüber DNN das Konzept für das Gebäude, das wegen seiner zellenartigen Struktur im Inneren von den Drewag-Mitarbeitern liebevoll „Alcatraz“ genannt wird. Die Parallelen zum berühmten Gefängnis liegen nahe, das Gebäude für moderne Ansprüche fit zu machen, dürfte einiges kosten. Etwa zehn sogenannte „Start-Up-Unternehmen“ sollen in der Schaltanlage eigene Büros und gemeinsame Funktions- und Besprechungsräume erhalten. „Wir sind in der Konzeptphase“, so Neuber. Als Baubeginn hatten die Drewag das Jahr 2018 geplant und die Fertigstellung für Mitte 2019 angepeilt.

„Ohne den städtischen Zuschuss wird es schwer, dort innovative junge Gründer als Mieter zu gewinnen“, befürchtet Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP). Mit den städtischen Mitteln hätte der Bau des IT-Gründerzentrums unterstützt werden können. Der Drewag sollte es so möglich werden, Mieten aufzurufen, die junge Unternehmer auch zahlen könnten. „Wir wollten gerade den jungen Wilden Raum geben“, erklärte Hilbert.

Holger Zastrow, Vorsitzender der Stadtratsfraktion von FDP/Freie Bürger, erklärte, die Streichung der Mittel für das Innovationlab zeige einmal mehr die wirtschaftsfeindliche Politik von RGR. „Diese Mehrheit setzt im Haushalt die völlig falschen Prioritäten und bedient sich und ihre Klientel, statt an die Zukunft der Stadt zu denken.“ Alles, was der Stadt Einnahmen ermöglichen könne, werde von RGR behindert oder gestrichen. „Ob einkaufsoffene Sonntage oder Mittel für das Stadtmarketing und jetzt für Innovation – die Liste wird immer länger“, so Zastrow.

Torsten Schulze, wirtschaftspolitischer Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen, widerspricht: „Das Konzept wurde von der Verwaltung im Ausschuss für Wirtschaftsförderung vorgestellt und hat uns nicht überzeugt. Uns ist nicht so richtig klar geworden, was konkret mit dem städtischen Zuschuss geschehen soll.“ Die Grünen seien vorsichtig geworden, was unausgereifte Ideen des OB betreffe. „Da sind wir ein gebranntes Kind, wenn ich an das Nanozentrum denke.“

Neuber erklärte, die Drewag würden auch ohne den städtischen Zuschuss an der Idee des Innovationszentrums festhalten. „Sie passt sehr gut zum Areal des Kraftwerks Mitte.“ Gemeinsam mit der Landeshauptstadt, dem Freistaat Sachsen und der Industrie würden die Stadtwerke nun versuchen, alternative Förderungen für das Projekt zu finden.

Von Thomas Baumann-Hartwig

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) wird keinen Widerspruch gegen den von der rot-grün-roten Stadtratsmehrheit verabschiedeten Doppelhaushalt für 2017/2018 einlegen. Er appellierte aber noch einmal, einige Etatposten umzuschichten.

01.12.2016

Sind 250.000 Euro in einem 18-Millionen-Euro-Etat viel oder wenig? Die geplante Etatkürzung bei der Philharmonie hat zu Verwerfungen geführt, die darin gipfeln, dass Chefdirigent Michael Sanderling seinen Vertrag nicht verlängern will. Etliche Stadträte äußerten Unverständnis über diesen drastischen Schritt.

30.11.2016

Der Stadtrat hat am späten Abend den Doppelhaushalt 2017/2018 mit den Stimmen der rot-grün-roten Mehrheit (RGR) beschlossen. CDU, FDP/Freie Bürger und AfD stimmten gegen das Zahlenwerk. Begleitet war die Haushaltsdebatte von gegenseitigen Vorwürfen.

25.11.2016