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Stadtpolitik Grünes Dilemma bei Ski-Weltcup
Dresden Stadtpolitik Grünes Dilemma bei Ski-Weltcup
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08:02 27.04.2018
Schöne Bilder sollte es geben. Quelle: Anja Schneider
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Dresden

„Das Abstimmungsverhalten kann nicht dasselbe bleiben.“ Achim Wesjohann, einer der Parteisprecher des Kreisverbands der Grünen in Dresden, bleibt vorsichtig. Am Mittwochabend hatte die Parteibasis sich knapp gegen eine Neuauflage des Skiweltcups in Dresden ausgesprochen (DNN berichteten). Am Tag danach betrachtet Wesjohann die Diskussion trotzdem noch nicht als abgeschlossen. So fehle bislang noch die Öko-Bilanz, die der Veranstalter vorlegen soll.

Die CitySki Gmbh war in der Mitgliederversammlung der Grünen mit Torsten Püschel vertreten, gemeinsam mit René Kindermann hat er den Skiweltcup in Dresden aus der Taufe gehoben. Für Püschel, im Hauptberuf wie Kindermann Sportjournalist vor allem beim Mitteldeutschen Rundfunk, ist der Weltcup zwar „kein Spaßevent“, sondern ernsthafter Wettbewerb, aber die Initiatoren hätten das Ereignis von Anfang an als Instrument für den Tourismus in der Stadt betrachtet, um positive Bilder aus Dresden in die Welt zu senden.

Am Rande des Skiweltcups gab es Mitte Januar 2018 spärlichen Protest. Quelle: DNN

53 Millionen TV-Zuschauer habe eine Agentur im Auftrag der Veranstalter zusammengezählt. Um den gleichen Werbeeffekt für die Stadt zu erzielen, müsste für 3,18 Millionen Euro Werbespots gekauft werden. Dagegen sollen sich die 300 000 Euro Zuschuss der Stadt eher bescheiden ausnehmen. Püschel spricht auch lieber von einem „gewinnbringenden Stadt- oder Regionalmarketing“, das mindestens bis 2022 fortgesetzt werden soll.

Ohne Zuschuss ist Weltcup „gefährdet“

Das Event habe sich ausgezeichnet durch kurze Wege, ÖPNV-Nutzung und viele weitere Beiträge zur „Nachhaltigkeit“. Unter anderem sei die CO2-Bilanz günstiger als bei vergleichbaren Ereignissen in Bergregionen, wo alle mit dem Auto anreisen. Detaillierter wird Püschel an dieser Stelle nicht. Dafür verspricht er Änderungen am Konzept. Mit einer Verkürzung der Strecke verringere sich der Bedarf an Schnee, der mit einer modernen Technologie aus Dresden produziert werden soll.

Die Umleitungsstrecke für den Elbradweg lasse sich damit auch günstiger gestalten. Püschel stellte in diesem Punkt eine bessere Kommunikation in Aussicht, die Konflikte wie in diesem Jahr mit dem Radfahrerverband ADFC vermeiden soll. Ohne die Unterstützung der öffentlichen Hand aber, so macht Püschel klar, „ist der Weltcup gefährdet“. Vom 1,2-Millionen-Euro-Etat pro Weltcup-Jahr kommen auch vom Freistaat Sachsen noch bis zu 300000 Steuer-Euro.

CO2-Produktion wie 13 Dresdner

Am 12. und 13. Januar 2019 soll es die nächste Auflage geben und selbst der BUND hat dagegen kaum etwas einzuwenden. Gottfried Mann, als Vertreter des Umweltverbandes zu den Grünen gekommen, hat einen CO2-Ausstoß durch die Veranstaltung von 150 Tonnen ausgerechnet. Das entspreche etwa 13 Einwohnern, weil die Dresdner sich im Schnitt pro Jahr 11 Tonnen anrechnen lassen müssen. Wahrscheinlich war es noch weniger, weil Mann den Stromverbrauch für die beiden Schneemaschinen auf dem Flughafen zu hoch angesetzt hat.

Angesichts dieser bescheidenen Zahlen auf der einen Seite, aber dem Skizirkus mit Lift-Verdrahtung in Alpen und Mittelgebirgen oder dem Braunkohleabbau auf der anderen Seite sieht Mann keinen Anlass, gegen den Skiweltcup in Dresden zu kämpfen.

Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) und der stellvertretende Ministerpräsident im Freistaat, Martin Dulig (SPD), zeigten ihre Sympathie für den Skiweltcup. Quelle: Archiv

Schließlich verteidigt Torsten Schulze die Zustimmung der Fraktion zum ersten Weltcup unter anderem mit den positiven Bildern aus Dresden, die das Ereignis versprochen und geliefert habe. Schulze gehörte zu den neun bündnisgrünen Stadträten, die der Förderung zustimmten. Wolfgang Deppe hatte sich im vergangenen Jahr enthalten, das bedauert er heute – weil er eher hätte dagegen stimmen sollen. Dabei geht es um Grundsätzliches.

Machbarkeitswahn und Politikfähigkeit

„Heiligt der Zweck wirklich jedes Mittel?“ Deppe spricht vom „Machbarkeitswahn“. In den Alpen würden mit dem vierfachen Wasserverbrauch der Stadt München riesige Flächen mit Kunstschnee berieselt. „Wir Grüne sollten dagegen sein.“ Dieses System unterstütze Dresden mit dem Weltcup, erhält Deppe Zuspruch aus den Mitgliederreihen.

Ein anderer Grüner setzt dagegen auf die Vorbildwirkung einer positiver gestalteten Skiveranstaltung in Dresden. In diese Richtung argumentiert neben Schulze auch Stadtrat Michael Schmelich. Er betrachtet es als unfair, den Veranstalter erst zu Veränderungen beim Umweltkonzept zu drängen und dann die Veranstaltung trotzdem abzulehnen. Sein Appell an die „Politikfähigkeit“ der Grünen verhallt jedoch.

Letztlich gewinnen unter den knapp 30 meist jungen Grünen, die den Kreisverband mit seinen rund 470 Mitgliedern an diesem Abend repräsentieren, diejenigen die Oberhand, die für die Grünen im Jahr vor den Kommunalwahlen ein „Glaubwürdigkeitsproblem“ befürchten und es nicht allein den Linken überlassen wollen, so zu entscheiden, wie es aus dem Bauch heraus von grünem Milieu zu erwarten wäre.

Parteichef spricht von Empfehlung an Stadtratsfraktion

Im März 2017 hatte es zur Förderung des Skiweltcups im Stadtrat 45 Ja-Stimmen, 14-Nein-Stimmen und fünf Enthaltungen gegeben. Widerspruch gab es vor allem bei den Linken. Würden die Grünen (elf Mitglieder) ausscheren, könnte es enger werden.

Als die ersten die Mitgliederversammlung verlassen, kommt es nach intensiver Debatte selbst zu Verfahrensfragen doch zur Abstimmung. Mit neun Ja- gegen elf Nein-Stimmen (fünf Enthaltungen) und sieben gegen elf Stimmen (sechs Enthaltungen) gibt es weder eine Mehrheit für den nächsten Weltcup noch für eine erneute finanzielle Unterstützung durch die Stadt.

Parteichef Wesjohann spricht tags darauf von einer „Empfehlung“ für die Fraktion, letztlich seien die Stadträte frei in ihrer Entscheidung. „Wir werden das natürlich in der Fraktion besprechen“, erklärte Fraktionschef Thomas Löser am Donnerstag.

Von Ingolf Pleil

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