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Gegen die Spaltung: Hilbert will Kommunikation verbessern

Bürgersprechstunden und Leuchtturmprojekte Gegen die Spaltung: Hilbert will Kommunikation verbessern

„Wir in Dresden sind nur eine besonders starke Bühne für die gesellschaftliche Spaltung geworden“, konstatiert Oberbürgermeister Dirk Hilbert. Deshalb müsse Dresden auch eine besonders engagierte Rolle spielen im Umgang mit dem Phänomen. „Die Menschen müssen sich ernst genommen fühlen“, nennt Hilbert ein Konzept.

Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP), neben ihm die Presseclubvorsitzende Bettina Klemm.

Quelle: Ralf U. Heinrich

Dresden. Natürlich, sagte Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP), hätte das Kunstwerk „Monument“ auch an einem anderen Platz als auf dem Neumarkt aufgestellt werden können. „Im Ostragehege wäre es völlig friedlich geblieben“, erklärte der OB am Montagabend im Presseclub, „aber für das, was wir erreichen wollten, hätte es keinen besseren Platz als den Neumarkt geben können.“

„Monument“ sei die spektakulärste Kunstaktion der vergangenen Zeit gewesen, die drei aufrecht stehenden Busse hätten den einen oder anderen auch provoziert, räumte Hilbert ein. „Aber die meisten Menschen haben sich inhaltlich damit auseinander gesetzt. Mit Kunst wurde eine gesellschaftliche Diskussion angestoßen.“ Das sei das Ziel gewesen: „Wir wollen, dass sich die Menschen mit Fragen der Zeit auseinandersetzen.“

Die Spaltung der Gesellschaft sei kein exklusives Dresdner Phänomen, habe er beim Sichten seiner Post bemerkt, erklärte der OB. Er habe noch nie so viele Schreiben bekommen wie zum „Monument“. Am stärksten Tag seien es 173 Briefe gewesen. Nur 25 Prozent der Zuschriften seien aus Dresden gekommen, inhaltlich gebe es zwischen Dresdnern und Nichtdresdnern keine Unterschiede: Lob auf der einen Seite und konsequente Ablehnung auf der anderen würden sich die Waage halten. „Wir in Dresden sind nur eine besonders starke Bühne für die gesellschaftliche Spaltung geworden“, konstatierte Hilbert.

Deshalb müsse Dresden auch eine besonders engagierte Rolle spielen im Umgang mit dem Phänomen. „Die Menschen müssen sich ernst genommen fühlen“, nannte Hilbert ein Konzept. Er selbst bietet jeden Monat Sprechstunden an einem Sonnabend an und nimmt sich die Zeit zum Zuhören. „Da wird die breite Palette an mich herangetragen, vom Nachbarschaftsstreit über soziale Probleme bis hin zu Rentenbescheiden.“ Nur für einen Teil der Probleme trage er Verantwortung, dennoch versuche er zu vermitteln. Wenn ein Mieter Ärger mit dem Vermieter habe, schreibe er einen Brief. „Der wird dann nicht einfach nur abgeheftet“, glaubt der OB.

Das Erstarken der Pegida-Bewegung sei für ihn ein Schlag in den Magen gewesen, sagte Hilbert. Genau in dem Moment, in dem die rechtsextremistische NPD den Einzug in den Landtag verpasst habe, sei Pegida aufgekommen und habe zu Veränderungen in der Stadtgesellschaft geführt, zu einer Enthemmung. „Pegida hat die Stadt um Jahre zurückgeworfen“, schüttelte Hilbert den Kopf und zitierte nur einen kleinen Fall: Die Forscherin eines Instituts sitzt in der Straßenbahn und liest eine französische Zeitung. Sie wird von einer älteren Dame angesprochen: „Hier werden deutsche Zeitungen gelesen!“ Viele kleine Thematiken hätten sich mit Pegida den Weg gebahnt, konstatierte Hilbert und erklärte selbstkritisch: „Wir haben am Anfang Pegida unterschätzt. Das war alles andere als glücklich.“

Mit dem Programm „Dresden respect“ wolle er entgegenwirken. Neben den Bürgersprechstunden solle es auch „Leuchtturmprojekte“ geben wie den 10. Juni, an dem die Dresdnerinnen und Dresdner ins Rathaus eingeladen sind, Demokratie zu erleben, etwa bei nachgestellten Stadtratssitzungen. Die Zukunftsprojekte will Hilbert Ende August in den Mittelpunkt stellen und am 2. und 3. Oktober eine internationale Konferenz seiner Amtskollegen abhalten – exakt ein Jahr, nachdem einige Pöbler die Gäste der zentralen Einheitsfeier verbal attackiert hatten.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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