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Flut-Drama: Sachsen-Anhalt erhebt schwere Vorwürfe gegen Sachsen

Flut-Drama: Sachsen-Anhalt erhebt schwere Vorwürfe gegen Sachsen

Ganz vorn in der Reihe der Kritiker befindet sich der Vize-Landrat des Landkreises Anhalt-Bitterfeld, Bernhard Böddeker, ein CDU-Mann wie Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich.

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Fluteinsatz an der Goitzsche: Bundeswehr-Hubschrauber halfen von Pouch (Anhalt-Bitterfeld) aus, das Loch zum Seelhausener See zu stopfen.

Quelle: Andreas Debski

"Der Versuch, die Deiche immer nur höher zu bauen, nützt gar nichts", sagt Böddeker der Leipziger Volkszeitung. "Ganz eindeutig gab es zu wenig Polder und Retentionsflächen, das war in Sachsen so, aber auch in Sachsen-Anhalt."

Auch an einem zweiten Punkt erhebt Böddeker schwere Vorwürfe gegenüber den sächsischen Nachbarn. "Die Mulde-Deiche waren nicht hinreichend saniert, eigentlich gar nicht." Spundwände hätten gefehlt, am Ende hätten die Anlagen versagt - und das Wasser habe die Nachbarregion in Sachsen-Anhalt überflutet. "Hier besteht akuter Handlungsbedarf auf sächsischer Seite", sagt der Vize-Landrat.

Ähnlich sieht Wulf Gallert, der Fraktionschef der Linken in Sachsen-Anhalt, die Lage. "Ein technischer Hochwasserschutz, der ausschließlich auf die Erhöhung von Deichen setzt, verlagert die Probleme nur flussabwärts", sagt der Oppositionsführer aus Magdeburg der LVZ. Sachsen habe nach 2002 viel in höhere Deiche investiert, dabei aber die Ausweisung von Retentionsflächen vernachlässigt. "Klar ist, dass die mangelnde Ausweitung von Überflutungsflächen in Sachsen die Lage in Sachsen-Anhalt verschärft hat."

Für eine stärkere Rückverlegung von Deichen spricht sich längst auch die Bundespolitik aus. Nötig sei eine Kombination aus Deichanlagen, zurückgewonnenen Flussauen und zusätzlichen Überschwemmungsflächen, hatte Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) erst vor Kurzem nicht zufällig in Roßlau (Sachsen-Anhalt) gesagt. So seien an der Elbe nur noch 20 Prozent der früheren Auen vorhanden. "Die Flüsse brauchen mehr Raum", meinte Altmaier.

Ähnlich ist die Tonlage bei Umweltverbänden und Grünen in Dresden. "Nach der Flut 2002 plante der Freistaat in Nordsachsen vier große Überflutungsflächen", sagte die grüne Fraktionschefin Antje Hermenau kürzlich im Landtag. "An nur einer wurde der Bau begonnen." Landesweit seien derzeit noch nicht einmal zwei Prozent der vorgesehenen Projekte umgesetzt. Und der Vize-Chef beim Bund für Umwelt und Naturschutz, Lars Stratmann, meint: "Wir müssen im Bewusstsein unserer Verantwortung gegenüber den Unterliegern, unseren nördlichen Nachbarn, mehr Wasser in der Fläche zurückhalten." Nötig seien mehr Überflutungsgebiete und Auen.

Ein Streitpunkt ist nicht zuletzt die Rolle der Landwirte in den hochwassergefährdeten Regionen. Die Forderung lautet: Im Notfall müssten auch landwirtschaftliche Flächen für die gezielte Flutung freigegeben werden, anschließend müssten die Bauern für Ernteausfälle entschädigt werden. Auch hier hat es Klagen aus Magdeburg gegeben. Unabhängig davon machen Denkanstöße aus Erfurt die Runde (LVZ berichtete). "Es kann nicht nur darum gehen, Deiche und Dämme zu bauen", sagte Thüringens Umweltminister Jürgen Reinholz (CDU). "Wir haben gesehen, das funktioniert nicht. Es muss auch einmal eine landwirtschaftliche Fläche geflutet werden, das ist preiswerter, als wenn eine Innenstadt überschwemmt wird."

Im Zentrum steht dabei die Frage, ob der Landkreis Nordsachsen aus regionalpolitischen Gründen auf eine gezielte Flutung verzichtet und damit die Probleme nach Sachsen-Anhalt verlagert habe. Bei Tillich ist diese Problemlage durchaus angekommen, und er zeigt sich gesprächsbereit. "Wir werden das klären", hatte der Regierungschef schon vor Wochen gesagt. Die Koordination mit Sachsen-Anhalt müsse verbessert werden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.07.2013

Jürgen Kochinke

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