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Stadtpolitik Flehender Appell von Dresdner Eltern an den Stadtrat
Dresden Stadtpolitik Flehender Appell von Dresdner Eltern an den Stadtrat
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18:47 13.02.2019
Symbolfoto. Quelle: dpa
Dresden

Es ist ein geradezu flehender Appell: Eine positive Entscheidung des Stadtrats wäre das „dringend benötigte Zeichen der Anerkennung der schwierigen Situation durch die Politik“. Gleichzeitig wäre sie „Unterstützung und vor allem auch Motivation für alle Akteure“, schreiben der Elternrat der 102. Grundschule und der Kreiselternrat der Stadt an Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP). Die Stadt müsse endlich etwas für Verbesserung der Schulsituation in der Johannstadt unternehmen.

Der Brief, der sich auch an Bildungsbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) und alle Stadträte richtet, zielt auf die seit Jahren angespannte Lage an der 101. Oberschule und an der 102. Grundschule an der Pfotenhauerstraße. Den ersten Hilferuf gab es bereits vor drei Jahren. 60 Prozent der Kinder an der Grundschule und 50 Prozent der Kinder an der Oberschule haben Migrationshintergrund, 35 unterschiedlichen Nationalitäten sind dort vereint. Viele Schüler könnten nicht durch ihre Eltern unterstützt werden, ein Teil sei überhaupt noch nicht durch Schule sozialisiert worden, lautete die Situationsanalyse.

Hinzu kommt, dass die personellen, administrativen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen den Herausforderungen bislang nicht gerecht würden, das lmage des Schulstandorts schlecht sei und viele Eltern lange Schulwege in Kauf nehmen würden, um ihre Kinder nicht dort einzuschulen.

Dazu schreiben die Eltern jetzt an den OB: „Die demografischen Gegebenheiten am Schulstandort Johannstadt erfordern derzeit ein über das Normalmaß weit hinausgehendes, kräftezehrendes Engagement von Lehrern, Erziehern und Sozialarbeitern, um integrativ mit den Kindern anderer Muttersprachen, anderen Kulturkreisen, Krisengebieten sowie sozial schwachen Familien zu arbeiten.“

Zunächst sollte unter anderem die geplante Universitäts-Schule zu einer Aufwertung der nördlichen Johannstadt beitragen. Daraus wurde letztlich nichts. Im Zuge einer Einwohnerversammlung im Juni 2018 entstand ein ganzer Katalog an Maßnahmen zur Verbesserung der Lage.

Doch bis heute ist noch nicht einmal darüber entschieden, was umgesetzt werden soll. Sowohl im Dezember als auch im Januar vertagte der Stadtrat das Konzept immer wieder. Kurz vor der Sitzung des Stadtrats am Donnerstag und Freitag unterstreichen die Eltern nochmals, „wie wichtig die positive Entscheidung des Stadtrats“ ist.

Haltung des Stadtrats völlig offen

Die Eltern sprechen sich dabei für die Annahme der Empfehlung aus dem Stadtbezirksbeirat Altstadt aus, die dort mit 15 Ja-Stimmen bei vier Enthaltungen angenommen worden ist. Unter anderem sollte die Sekretariatsbesetzung der Grundschule von täglich einer halben Stelle auf eine ganze und an der Oberschule von einer Stelle auf 1,5 Stellen täglich erhöht werden. Zudem sollten an den Schulen möglichst festangestellte Sprach- und Kulturmittler für die Arbeit mit Eltern und Schülern zum Einsatz kommen. OB Hilbert soll die Schulen dabei unterstützen, zusätzliches Personal aus dem Programm Schulassistenz des Landes zu erhalten. Schließlich müsse er auch den Einsatz von Bundesfreiwilligendienstlern an den Schulen prüfen.

Diesen Punkten stimmte auch der Bildungsausschuss des Stadtrats bereits zu, allerdings mit mehr Stimmenthaltungen als Ja-Stimmen. Das lässt völlig offen, wie sich der Stadtrat positionieren wird.

Und die Eltern haben noch weitergehende Forderungen: die zwei halben Sozialarbeiterstellen sollten auf zwei ausgebaut, die Anzahl der Hortmitarbeiter an der 102. Grundschule um acht erweitert werden.

Doch die Mütter und Väter denken auch über den Tellerrand hinaus. Die Zusammenarbeit von vielen verschiedenen Akteuren aus dem Stadtteil bei der Erarbeitung des Konzepts könnte beispielhaft für weitere Schul- und Hortstandorte in Dresden sein, die mit ganz ähnlichen Problemlagen zu kämpfen haben. Das zielt unter anderem auf die 113. (Altstadt) und 117. Grundschule (Südvorstadt) und die Horte der 135. (Gorbitz), 122. (Prohlis) und 139. Grundschule (Gorbitz).

Zuspruch fanden die Eltern am Mittwoch bei den Grünen. „Den Schulen in Johannstadt muss geholfen werden“, erklärte Grünen-Stadträtin Ulrike Caspary. Nach dem Willen ihrer Fraktion soll der Oberbürgermeister auch Maßnahmen für die anderen Schulen prüfen. An der 117. Grundschulen beispielsweise ist in einzelnen Klassen von einem Migrationskinderanteil von 80 Prozent die Rede.

Von Ingolf Pleil

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