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Stadtpolitik Dresdner Stadtrat entscheidet sich mit knapper Mehrheit für Globus-Fortsetzung
Dresden Stadtpolitik Dresdner Stadtrat entscheidet sich mit knapper Mehrheit für Globus-Fortsetzung
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20:41 09.09.2015
So soll künftig das Areal des Alten Leipziger Bahnhofs in Dresden aussehen. Quelle: Kretschmar Dr. Borchers

32 Ja-Stimmen standen letztlich 30 Nein-Stimmen gegenüber. Hinzu kamen fünf Enthaltungen.

Alles zur Globus-Diskussion im Stadtrat finden Sie in unserem Ticker!

Trotzdem sprach unter anderem SPD-Stadtrat Richard Kaniewski hinterher von einer „absurden Nummer“. Denn die fünf Stimmen stammten – wie vorher angekündigt - aus dem Lager der Linken. Ursprünglich hätten die Enthaltungen kaum Einfluss gehabt. Doch Oberbürgermeisterin Helma Orosz fehlte kurzfristig erkrankt, ebenso meldeten sich drei weitere CDU-Stadträte erkrankt ab, darunter der unionsinterne Globus-Kritiker Gunter Thiele. Damit waren die fünf Enthaltungen plötzlich ausschlaggebend.

"Alle Negativauswirkungen dieses überdimensionierten, nicht integrierten Großmarktprojektes sind bekannt. Wer dieses Projekt nicht klar ablehnt, schadet damit der Entwicklung der angrenzenden Stadtteile Neustadt und Pieschen", kritisierte Grünen-Stadtrat Torsten Schulze am Freitag das Abstimmungsverhalten der Linken. "Der Verweis auf das Projekt Hochhaus am Albertplatz ignoriert dabei die tatsächliche Situation. Globus wird mit einer Gesamtverkaufsfläche von 12.000 Quadratmetern mehr als doppelt so groß wie das Edeka-Projekt am Albertplatz.

Am Donnerstagabend hatten die Stadträte in einer gut einstündigen Diskussion noch einmal alle Argumente ausgetauscht. „Wir haben keine öffentlichen Gelder, um auf dem Gelände des Alten Leipziger Bahnhofs aus eigener Kraft auch nur ansatzweise etwas Vernünftiges zu entwickeln. Und Globus plant mit der Sanierung denkmalgeschützter Gebäude sehr viel mehr, als nur den Bau eines Einkaufsmarktes", warb CDU-Stadtrat Hans-Joachim Brauns für das Projekt. FDP-Fraktionschef Holger Zastrow pflichtete ihm bei: „Wir müssten einfach mal dankbar sein, dass wir solche Investoren heutzutage noch finden, die so viel für eine Stadt tun wollen. Globus verfolgt von seinem Sortiment her ein eher französisches Einkaufskonzept. So etwas haben wir in Dresden noch nicht und deshalb kann dieser Markt der hiesigen Einzelhandelslandschaft richtig gut tun."

[image:phpWqRpqH20131018100615.jpg]Die Kritiker des Warenhauses, das über 8800 Quadratmeter Verkaufsfläche verfügen soll, befürchten massive Umsatzeinbußen für die schon ansässigen Händler in der Umgebung. „Wenn wir über diese Globus-Ansiedlung sprechen, reden wir über ein überdimensioniertes Einkaufsraumschiff, das so groß wie zehn Aldi-Filialen werden wird. Hier sind ganz klar politische Interessen im Spiel, denn wir kennen durchaus die Medienkampagnen des gut vernetzten langjährigen sächsischen Regierungssprechers Michael Sagurna für Globus und wir kennen auch die Kontakte des Unternehmens in das Haus Biedenkopf", so Grünen-Fraktionschef Thomas Löser.

Axel Bergmann (SPD) hob derweil in seinem Statement die Bedeutung nachhaltiger Stadtentwicklung hervor. Die schönsten Viertel in Dresden, etwa die Villengebiete von Striesen und Blasewitz, seien nur dank der damaligen Weitsicht der Dresdner Stadtväter entstanden. „Diese Weitsicht vermisse ich heute ganz stark", erklärte Bergmann. CDU-Fraktionschef Georg Böhme-Korn konterte an die Adresse des Sozialdemokraten: „Lieber Herr Bergmann, unsere Vorfahren wussten übrigens auch, dass Schönheit und wirtschaftliche Leistungskraft meistens untrennbar zusammengehören."

Linken-Fraktionschef André Schollbach hatte sich bemüht, die Wogen schon vorab zu glätten. Zum einen sei die jetzige Entscheidung nicht endgültig. Ein definitives Ja zur Ansiedlung wird erst der im Mai zu wählende neue Stadtrat treffen. Zuvor können jetzt aber alle Bürger die Pläne einsehen und gegebenenfalls ihre Bedenken formulieren.

sl/chs

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