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Stadtpolitik Ohne Globus kein Wohnungsbau am Alten Leipziger Bahnhof
Dresden Stadtpolitik Ohne Globus kein Wohnungsbau am Alten Leipziger Bahnhof
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13:39 07.06.2018
Viel Raum für Entwicklung. Die rot-grün-rote Stadtratsmehrheit ist sich bei Globus einig. Quelle: DNN-Archiv
Dresden

 Nun sitzen sie wieder in einem Boot: Mit einem gemeinsamen Antrag fordern Linke, SPD und Grüne am Donnerstag im Stadtrat Wohnungsbau auf dem Gelände des Alten Leipziger Bahnhofs. Bis zu 1700 Wohnungen sollen auf dem Grundstück möglich sein, auf dem das Einzelhandelsunternehmen Globus einen Einkaufsmarkt errichten will. In den Ortsbeiräten Neustadt und Pieschen gab es Zustimmung für die Wohnungsbaupläne.

Ortsbeiräte nehmen sich die Linken zur Brust

Ohne Kritik lief es in den Ortsbeiräten nicht ab. Einem solchen Papier der Linken hätte er gern vor Jahren schon zugestimmt, meinte der Neustädter Ortsbeirat Klemens Schneider (Grüne). Der Pieschener Ortsbeirat Stefan Engel (SPD) zeigte sich „verwundert“: „Ich habe die Linke noch nicht als Vorkämpfer gegen die Globus-Ansiedlung wahrgenommen.“ Beide Ortsbeiräte nahmen auf SPD-Vorschlag eine Veränderung vor, um dem „fluffigen“ Antrag, wie es der Neustädter Ortsbeirat Christoph Meyer (SPD) formulierte, mehr Substanz zu verleihen: Es wird verlangt, den bestehenden Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan mit einem Globus-Markt auf dem Areal aufzuheben und einen neuen B-Plan nach der Variante 1 des Masterplans zum Gebiet aufzustellen. Sie sieht eine Mischung aus Wohn- und Gewerbebauten vor, bei der nach einer Schätzung 1700 Wohnungen entstehen könnten.

Eine kleine Dresdner Bürgerinitiative kämpft weiter beharrlich für ein Wohnviertel auf dem Gelände des Alten Leipziger Bahnhofs. Am Samstag gab es einen Rundgang über das Gelände, es kamen deutlich mehr Menschen als erwartet.

André Schollbach, Fraktionsvorsitzender der Linken im Stadtrat, kann die Kritik nicht nachvollziehen: „Wir Linken haben uns immer stringent verhalten.“ Es sei einfach, die Ansiedlung von Globus am Alten Leipziger Bahnhof abzulehnen, ohne eine Alternative vorzuschlagen. „Jetzt wissen wir, dass hier Wohnungen gebaut werden können“, so Schollbach. Nun müsse der nächste Schritt folgen: Noch vor der Sommerpause soll der Stadtrat am 28. Juni den Masterplan mit Wohnquartier und ohne Globus beschließen.

Bauleitverfahren könnte sechs Jahre dauern

Der Bebauungsplan für Globus, so Schollbach, werde aber erst aufgehoben, wenn zwei weitere Bedingungen erfüllt seien: „Wir wollen einen Dreiklang erreichen. Aufhebung Globus, neuer Bebauungsplan mit Wohnen am Alten Leipziger Bahnhof und neuer Bebauungsplan für Globus an einem anderen Standort.“ Denn, so der Fraktionsvorsitzende, ohne den Grundstückseigentümer Globus gehe es nicht. Eine Auffassung, die Schollbach sogar mit CDU-Fraktionsvorsitzendem Jan Donhauser teilt: „Ich sehe aber die Reihenfolge anders. Erst wenn wir mit Globus ein Einvernehmen hergestellt haben, können wir über ein neues Konzept für das Gelände am Alten Leipziger Bahnhof reden“, so Donhauser. Das gelte auch für den Masterplan.

Egal, was der Stadtrat am Donnerstag beschließt, die Realisierungschancen einiger Änderungen aus den Ortsbeiräten sind aus Verwaltungssicht gering. So soll Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) nach dem Willen von Stadtrat Martin Schulte-Wissermann (Pirat/Linke) bis 15. August berichten, welche Ausweichstandorte eine gemeinsame Kommission von Globus und der Stadt für die Ansiedlung des Markts gefunden habe. Bis Mitte August sei aber nicht mit einem Ergebnis zu rechnen, so das Rathaus. Bis dahin sei Stillschweigen vereinbart worden. „Es sieht gut aus“, meint Stadtrat Johannes Lichdi (Grüne), aber Geduld sei bei dieser sensiblen Frage durchaus erforderlich.

Ähnlich sieht es bei einem weiteren Punkt aus: Demnach soll der Baubürgermeister ebenfalls bis Mitte August eine „Roadmap“ aufstellen, also einen Zeitplan, welcher Schritt wann getan werden muss. Bei der Stadtverwaltung hält man sich für eine solche Einschätzung in kurzer Zeit außer Stande, sie sei frühestens bis Anfang 2019 zu erstellen. Die konkrete Bebauung müsse in einem regulären Bauleitverfahren geplant werden, das bis zum Abschluss sechs Jahre in Anspruch nehmen könnte. Schnell geht auf dem Alten Leipziger Bahnhof gar nichts.

Bewohner der Wagenburg wollen sich einbringen

Indessen haben sich zwei Interessengruppen gemeldet, die Einfluss auf das Verfahren nehmen wollen. Es handelt sich zum einen um die Bewohner der Wagenburg, die seit drei Jahren von Globus als eine Art Wächter geduldet werden. Dafür zahlen sie lediglich, was sie an Strom, Wasser und Heizung verbrauchen. „Wöchentlich haben wir Anfragen von Menschen, die bei uns wohnen wollen. Wir müssen sie leider ablehnen“, sagt ihr Sprecher Frank Dresig. Es gäbe eine große Nachfrage nach dieser Wohnform in Dresden, auch wegen der steigenden Mietpreise. „Wir möchten uns in den angestrebten Prozess einbringen“, sagt er stellvertretend für die insgesamt 25 Bewohner des Wagenplatzes.

Die Bewohner der Wagenburg auf dem Gelände am Alten Leipziger Bahnhof wollen bei der Entwicklung des Grundstücks mitreden. Der Bedarf an dieser alternativen Wohnform werde auch wegen der steigenden Mietpreise in Dresden immer größer, so die Bewohner, die derzeit als Wächter im Areal von Globus geduldet werden. Quelle: Anja Schneider

Außerdem will die Bürgerinitiative „Wohnen am Leipziger Bahnhof“ mitwirken. Sie hatte im Oktober 2017 mehr als 4300 Unterschriften für Wohnungsbau auf dem Areal gesammelt. Nun hat sie ein Positionspapier „Bau-Kultur-Stadt-Dresden“ verfasst und an die Stadträte geschickt. Darin wird gefordert, über die übliche Bauleitplanung hinaus eine zukunftweisende, international beachtete Planung für das Gebiet zu initiieren.

„Wir wollen die Zeit nutzen, um ausgehend vom Masterplan einen Planungsprozess anzustoßen, der europaweite Impulse aussendet und empfängt“, sagt Erika. Schmidt von der Initiative. Der Alte Leipziger Bahnhof biete „viel Raum für einen echten städtebaulichen Aufbruch – ähnlich wie einst die Gartenstadt Hellerau als Schauplatz für eine umfassende städtebauliche und gestalterische Reformbewegung internationale Bedeutung erlangte.“

Von Uwe Hofmann und Thomas Baumann-Hartwig

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