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Stadtpolitik Dresden trennt sich vom Projekt Metropolregion Mitteldeutschland - Experten sehen darin Chance für alle
Dresden Stadtpolitik Dresden trennt sich vom Projekt Metropolregion Mitteldeutschland - Experten sehen darin Chance für alle
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18:28 09.09.2015
Statt der bisherigen Metropolregion Mitteldeutschland (gestrichelt) halten Experten wie der Hamburger Professor Jörg Knieling neue Schwerpunkte (rote Kreise) für sinnvoll. Dazwischen sind Kooperationen denkbar (Dreieck). Quelle: Vortrag Knieling

In Dresden, Chemnitz und Magdeburg gibt es Absetzbewegungen. Bei einer von den Linken beantragten Anhörung im Landtag erklärten Experten, wo es bislang hakt.

"Die Metropolenregion ist beim Bürger kaum angekommen", bringt der Geschäftsführer des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes, Steffen Lehmann, das Dilemma auf den Punkt. Seit 1993 wird an der Idee herumgedoktert. Das Sachsen-Dreieck Dresden, Chemnitz/Zwickau und Leipzig sollte über die Jahre mit Halle, Magdeburg, Jena und Erfurt im internationalen Wettbewerb der Regionen durchstarten. Da geht es um das Anwerben von Fachkräften, Investoren, Touristen und nicht zuletzt europäischen Fördermitteln.

Metropolregionen wie München, Nürnberg, Hamburg oder Rhein-Neckar haben es vorgemacht - ihre Netzwerke sind längst mehr als ein paar gemeinsame Werbeschilder auf der Autobahn. Doch das mitteldeutsche Projekt dümpelt dahin. Inzwischen wollen Magdeburg und Dresden wieder raus, in Chemnitz ist die Skepsis groß. Das liegt vor allem an deren Randlage in einem Gebilde, dass sich immer stärker auf Halle-Leipzig fokusiert.

"Die große Fläche macht es schwer", konstatiert denn auch der Leipziger Verkehrsmanager Lehmann und empfiehlt die "Konzentration auf den Kernbereich" - eben die Region Halle-Leipzig. Das sieht im Grundsatz auch Markus Egermann vom Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) in Dresden so: "Damit wären zwar einige Potenziale weg, aber auch Konfliktlinien", die bisher "gelähmt" hätten. Es fehlt an einer klar dominierenden Stadt, wie es sie in fast allen anderen Metropolregionen gibt. Das könnte sich ändern. Dresden will sich nach Angaben der Stadtverwaltung nun auf die Region um die Landeshauptstadt konzentrieren - auch wenn es noch Diskussionen geben dürfte, dass der Stadtrat bislang nicht damit befasst wurde. Leipzig-Halle wäre dann weiter westlich jedenfalls das klar dominierende Zentrum. Und deshalb empfehlen die Experten auch gleich noch einen Namenswechsel, mögliche Irritationen über Mitteldeutschland bei den Osteuropäern wären ausgeräumt. Weiterer Nebeneffekt: Die Metropolenregion würde das Thema Länderfusion abschütteln.

Für den Hamburger Professor Jörg Knieling ist klar: "Die Metropolregion muss für alle Beteiligten einen Vorteil bringen". Und dies sieht er für Dresden in einer grenzüberschreitenden Kooperation mit den Nachbarn in Tschechien beispielsweise. Die Verbindung nach Osteuropa wäre ein Alleinstellungsmerkmal, hätte auf Bundes- und EU-Ebene ihre Anhänger. "Da liegt ganz viel Musik drin", ist sich Knieling sicher.

Jenas OB Albrecht Schröter und Jörn-Heinrich Tobaben von der Wirtschaftsinitiative Mitteldeutschland, bedauern zwar Dresdens Rückzug, setzen aber auf eine starke Verzahnung von Metropolregion und Wirtschaft und hoffen auf Gespräche mit den Landesregierungen. Das könnte den Rückenwind verschaffen, den Linke und SPD gestern nach der Anhörung forderten.

Ingolf Pleil

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