Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Stadtpolitik Dresden soll mehr Geld für Bildung armer Kinder ausgeben
Dresden Stadtpolitik Dresden soll mehr Geld für Bildung armer Kinder ausgeben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:09 30.11.2018
Der Bildungsausschuss in Dresden fordert mehr Geld für Vorjohanns Bildungskonzept. Quelle: dpa
Dresden

Spannende Entscheidung im Jugendhilfeausschuss: Das Gremium aus Stadtpolitikern und Vertretern der Träger von Jugendhilfeeinrichtungen fordert den Stadtrat auf, die Bildungsstrategie von Bürgermeister Hartmut Vorjohann zusätzlich mit 2,5 Millionen Euro auszustatten. Selbst im gesundheitsgefährdend unterkühlten Rathaussaal hinterließ die Debatte dazu erhitzte Gemüter.

Hintergrund der Diskussion ist die von Bildungsbürgermeister Vorjohann vor einigen Monaten vorgelegte Konzeption zur Stärkung der frühkindlichen Bildung in Kitas, die bis in Horte und Oberschulen hineinreichen soll. Auch Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) hatte dies zu einem politischen Schwerpunkt erklärt.

Vorjohann will Kinder vor allem in sozialen Brennpunkten stärker fördern. Das Gesamtpaket hat ein Volumen von 7,5 Millionen Euro, wofür der CDU-Politiker eine „Arbeitsmarktrendite“ anzapfen möchte. Die Arbeitslosigkeit hat sich stadtweit seit 2006 halbiert. Damit sinken Hartz-IV-Ausgaben und die Stadt spart bei ihren Zuschüssen für die Kosten der Unterkunft. Laut Vorjohann soll mit dem Geld unter anderem in bestimmten Krippen und Kindergärten das Personal in einer Kernzeit – laut Verwaltung zwischen 8.30 und 15 Uhr – verdoppelt werden. An 13 Kindertagesstätten, acht Grundschulen und vier Horten will die Stadt mit mehr Mitarbeitern und höheren Sachkosten für bessere Bedingungen sorgen. Die Einrichtungen befinden sich in Stadtteilen, die eine besondere soziale Belastung aufweisen. Das kostet 6,37 Millionen Euro.

Dahinter steckt eine klare Erkenntnis: Wer aus schwierigen Verhältnissen kommt, hat beim Start ins Schulleben schon Nachteile, meint der Bildungsbürgermeister und will gegensteuern. Während in vielen Teilen der Stadt die positive Arbeitsmarktentwicklung angekommen ist, haben sich die Problemregionen verfestigt – unter anderem Gorbitz, Prohlis, Johannstadt.

Auch der Bildungsbericht, den die Stadt demnächst vorlegen will, wird zeigen, dass in diesen Gebieten Sprachauffälligkeiten, Feinmotorikprobleme und sonderpädagogischer Förderbedarf bei Kindern vielfach höher sind als in den besten Stadtbereichen. In den Problembereichen gibt es deutlich weniger Bildungsempfehlungen fürs Gymnasium und viel mehr Schulabgänger ohne Abschluss. Diese „Problemvererbung“ soll aufgebrochen werden. Das sei auch für den künftigen Fachkräftebedarf dringend notwendig. Vorjohann will dazu auch die Grenzen der Zuständigkeiten („Versäulung“) überwinden.

In der Analyse sind sich alle einig, die Differenzen entstehen bei der Gegenstrategie. Vertreter der Linken wie Stadtrat Tilo Kießling oder die freien Träger der Jugendhilfeeinrichtungen sehen in dem städtischen Konzept eine Stigmatisierung bestimmter Stadtbereiche. So könnten Tendenzen verstärkt werden, dass sich genau dort die Probleme immer weiter konzentrieren, weil jeder, der kann, diese Regionen verlassen wird. Kießling will deshalb nach dem Grundprinzip der Jugendhilfe die Förderung am Bedarf des einzelnen Kindes ausrichten und nicht an Parametern eines Stadtbereichs. Wer genau hinschaue, finde überall in der Stadt Kinder, die aufgrund ihrer Lebensumstände besonders gefördert werden müssten.

Daher sollte die Bildungsstrategie geändert und in einer ersten Stufe das Geld nicht nur 13, sondern 18 Kitas zugutekommen und 2,2 Millionen Euro des Gesamtpaketes auf alle Kindereinrichtungen verteilt werden, um überall für Verbesserungen zu sorgen. 18 Kitas hatte offenbar auch die Verwaltung ursprünglich angestrebt, dann hatte es intern jedoch „Kürzungen“ gegeben, wie es im Ausschuss etwas nebulös hieß.

Aus Sicht der CDU und Vorjohanns werde das Konzept damit „verwässert“. Ihm gehe es aber um einen deutlich sichtbaren Qualitätssprung, mit dem auch der Freistaat für Schritte in die gleiche Richtung gewonnen werden könne. „Es ist eine massive Umsteuerung nötig“, sagte Vorjohann. Für das Familienklassenzimmer sei bei Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) schon Begeisterung ausgelöst worden. Nur mit „mehr Geld im Haushalt“ könnte das Konzept auf mehr Kitas ausgedehnt werden, appellierte Vorjohann an die Stadträte. Auch Philipp Schäfer vom Job-Center sprach sich dafür aus, um die „Vererbung von Armut“ und die „Verfestigung von Bildungsferne“ mit Blick auf den Fachkräftebedarf zu vermeiden.

Nach einer Auszeit beschloss daraufhin eine Mehrheit aus freien Trägern und Politikern von SPD, Linken und Grünen, die Aufforderung an den Stadtrat, das Gesamtpaket um 2,5 Millionen Euro aufzustocken. CDU, FDP und AfD stimmten dagegen. Peter Krüger (CDU) fragte, woher das Geld kommen soll, dabei hat die CDU im Stadtrat die Deckung ihrer Haushaltswünsche bislang auch noch nicht öffentlich gemacht.

Am Montag (3.12.) befasst sich abschließend der Finanzausschuss damit, bevor der Stadtrat über das Konzept entscheidet. Angesichts der geplatzten Mehrheit von SPD, Grünen und Linken im Stadtrat ist offen, wie es ausgeht. Die CDU hatte der früheren Stadtratsmehrheit von Rot-Grün-Rot stets vorgeworfen, der Schwerpunkt Bildung würde sich in ihrem Haushalt nicht ausreichend niederschlagen.

Von Ingolf Pleil

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die wegen ihrer Nähe zu Pegida und „Ein Prozent“ umstrittene Dresdner Buchhändlerin Susanne Dagen will für die Freien Wähler bei der Stadtratswahl 2019 antreten. Hier trifft sie auf Jens Genschmar und Barbara Lässig.

27.11.2018

Das aktuelle DNN-Barometer zeigt ein halbes Jahr vor den Kommunalwahlen, dass es in der Landeshauptstadt keine eindeutige Wechselstimmung gibt. So sind 47 Prozent der rund 400 Befragten der Meinung, die Kommunalpolitik in Dresden sei in den letzten Jahren alles in allem erfolgreich gewesen.

26.11.2018

Der Dachverband der Sportvereine in Dresden hatte mehr Unterstützung durch die Stadt angemahnt und den vorliegenden Haushaltsentwurf kritisiert. Dort seien weniger Mittel eingeplant als bisher. Der zuständige Amtschef widerspricht.

25.11.2018