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Dresden als Hauptstadt der Kompromisse am Bau

Baukultur Dresden als Hauptstadt der Kompromisse am Bau

Das Thema „Baukultur in Dresden“ kommt in den Stadtrat: Auf Antrag der Fraktion Die Linke wird es auf der Sitzung am 1. Juni eine aktuelle Stunde „Baukultur in Dresden schaffen. Renditeinteressen zügeln. Lebensqualität sichern. Allgemeininteressen wahren“ geben.

Das Thema „Baukultur in Dresden“ kommt in den Stadtrat

Quelle: Archiv

Dresden. Das Thema „Baukultur in Dresden“ kommt in den Stadtrat: Auf Antrag der Fraktion Die Linke wird es auf der Sitzung am 1. Juni eine aktuelle Stunde „Baukultur in Dresden schaffen. Renditeinteressen zügeln. Lebensqualität sichern. Allgemeininteressen wahren“ geben. Tilo Wirtz, baupolitischer Sprecher der Linken erklärte: „Wir werden um die Baukultur kämpfen. Dazu gehört eine harmonische und gefällige Gestaltung von Gebäuden genauso wie ein behutsamer Umgang mit Nachverdichtungen.“

Das Stadtplanungsamt, kritisieren die Linken, beschränke seine Informationspolitik auf die Herbeiführung unbedingt notwendiger Beschlüsse und zu wenig auf vorausschauende Steuerung der Stadtentwicklung. „Diese soll ohne Beeinflussung von Politik und Öffentlichkeit dem Stadtplanungsamt vorbehalten sein“, so Wirtz. Die Öffentlichkeit werde nicht an der Entwicklung der Stadt beteiligt.

Missratene Architektur schönzureden sei nicht investorenfreundlich, denn diese gerate zur Fehlinvestition, so der Baupolitiker der Linken. Es gebe viele Anregungen und Möglichkeiten zur Sicherung von hochwertiger Architektur. Seitens seiner Fraktion werde es keine Denverbote geben, kündigte Wirtz an. Er kritisierte Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Bündnis 90/Die Grünen) für Aussagen im DNN-Interview (Dienstagsausgabe) zur Gestaltungskommission. „Wenn die Kommission lediglich als Ort der folgenlosen Diskussion und als Alibi für die Verwaltung eine Rolle spielt und das Stadtplanungsamt so gar nicht willens und in der Lage ist, berechtigten Forderungen der Gestaltungskommission mit harten Maßnahmen Nachdruck zu verleihen, muss über die Existenzberechtigung dieser Runde neu nachgedacht werden.“

Holger Zastrow, Vorsitzender der Fraktion FDP/Freie Bürger, findet es kurios, dass die „Erben der mausgrauen DDR-Plattenbaukultur“ sich zum „Retter der Baukultur“ aufschwingen würden. „Das ist völlig unglaubwürdig.“ Zastrow glaubt nicht, dass es in der Vergangenheit an Beteiligung der Öffentlichkeit an Bauvorhaben gemangelt hat. Mehr Gestaltungssatzungen, Bebauungspläne oder Wettbewerbe würden an der Situation nichts ändern. „Im Gegenteil. Es mangelt aus meiner Sicht an der Freiheit des Investors, der einfach zu viele Auflagen beachten muss.“

In Dresden fehlt laut Zastrow der Mut zur modernen, kreativen Architektur. „Wir sind eine Stadt der Kompromisse. Es regiert die Sehnsucht, das im Krieg Verlorene Auferstehen zu lassen. Weil das nicht geht, gibt es am Ende einen Kompromiss und die Fassade wird mit Sandstein verkleidet.“ Dabei müsse Stadt auch für junge Menschen entwickelt werden. „Dresden sollte zu seinen Brüchen stehen“, empfiehlt der Fraktionsvorsitzende.

Anspruchsvolle moderne Architektur werde im Gelände der Technischen Universität oder an Nebenstraßen versteckt. „Das ist schade. Diese Stadt hat so viel Potenzial. Da lässt sich etwas entwickeln, wenn man den Mut hätte, sich zu öffnen.“

Von Thomas Baumann-Hartwig

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