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Stadtpolitik Besuchertag in der Stasi-Unterlagen-Behörde Dresden: „Zum Glück hatten die in der DDR nicht genügend Schredder“
Dresden Stadtpolitik Besuchertag in der Stasi-Unterlagen-Behörde Dresden: „Zum Glück hatten die in der DDR nicht genügend Schredder“
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20:11 09.09.2015
Konrad Felber und Ulrike Beyer kümmern sich um die Aufarbeitung der Stasi-Akten aus dem ehemaligen Bezirk Dresden. Quelle: Tanja Tröger
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Mitarbeiter führen die Gäste durch das Archiv, beraten interessierte Besucher in Sachen Akteneinsicht und nehmen auch gleich die entsprechenden Anträge entgegen. Am Abend kann man bei Lesungen, Filmvorführungen oder Diskussionsrunden andere Sichtweisen auf die Vergangenheit kennenlernen. Zwischen 30 und 50 Menschen nutzen diese Gelegenheit pro Monat.

In drei großen Räumen reiht sich Aktenregal an Aktenregal, ein gutes Dutzend riesiger Karteikartenschränke beherbergt Millionen bunte Karteikarten, die zu diesen Akten führen. Außenstellen-Mitarbeiterin Ingeburg Göldner zeigt an diesem Nachmittag sieben Besuchern die Archivräume und Säcke mit zerrissenen und zermahlenen Akten, erklärt, wie die Akten 1989/90 sichergestellt wurden, wie die Suche nach Akten abläuft und wie das Ministerium für Staatssicherheit gearbeitet hat. An Beispielen macht sie die gigantische Maschinerie deutlich, mit der etwa drei Prozent der DDR-Bevölkerung einzelne Bürger und auch sich gegenseitig überwachten. Göldner liest Einverständniserklärungen inoffizieller Mitarbeiter (IMs) vor und erzählt von der „Abteilung M“, die im Postamt hinter dem Hauptbahnhof die Briefe nach Westdeutschland kontrollierte.

Die Besucher reagieren betroffen und fassungslos: „Das war schon ’ne Organisation“, sagt kopfschüttelnd eine Frau, „Wer da reingeraten ist …“, eine andere. Daraufhin erzählen einige ihre persönlichen Geschichten. Man spürt, dass es ihnen gut tut, ihre Erlebnisse loszuwerden. Andere Gäste fragen viel, wieder andere schweigen einfach nur.

Soziologischer Schatz

„Wenn man die enormen Aktenmengen leibhaftig sieht, den Geruch wahrnimmt, dann ist die Identifikation viel höher“, sagt Außenstellenleiter Konrad Felber. Mitunter so hoch, dass 19-Jährige fragten, ob sie auch ihre Akte beantragen könnten. Felber geht es nicht um die reine Bewahrung der Akten, sondern vor allem um Vermittlung und Kommunikation. Bei den Veranstaltungen kooperiert seine Behörde mit der Landeszentrale für politische Bildung und der Gedenkstätte Bautzner Straße, dem früheren Sitz der Stasi-Bezirksverwaltung. Felber hofft, dass die Veranstaltungen besonders die jungen Besucher sensibilisieren, Gespräche in der Familie und im Freundeskreis anregen und motivieren, aus der Geschichte Lehren für das eigene Verhalten zu ziehen. „Rein soziologisch gesehen ist das ein Schatz, den man noch jahrelang heben können wird.“ „Die Leute in der DDR waren ja nicht anders als anderswo“, ergänzt Mitarbeiterin Göldner. „Manche haben aus Angst mitgemacht, andere waren systemtreu, und manche wollten einfach mal wichtig sein.“

Das Interesse an den Akten ist ungebrochen. Zwischen 6500 und 7000 Anträge bearbeiten die Dresdner Außenstellen-Mitarbeiter noch immer pro Jahr. Darunter sei nach wie vor ein hoher Anteil Erstanträge, so Felber. Etwa zwei Jahre müssen Antragsteller auf ihre Akte warten.

Manche Betroffene brauchten den zeitlichen Abstand von über 20 Jahren, viele arbeiteten auch erst als Rentner ihre Geschichte auf, so Felber. So geht es auch einer 63-jährigen Dresdnerin: „Ich habe lange gewartet, aber wenn man älter wird, macht man sich schon Gedanken, wie das Leben verlaufen ist“, sagt sie. Die frühere Mitarbeiterin der Meißner Porzellanmanufaktur vermutet, dass die Staatssicherheit ihre berufliche Karriere beeinflusst hat. Jetzt möchte die Frau auch die Akte ihres verstorbenen Vaters beantragen. Möglich macht das eine Gesetzesänderung. Felber hofft, dass diese Aufklärung Ruhe in so mancher Familiengeschichte schaffen kann.

ttr

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