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Auf ihrer Ostdeutschen Jährlichen Konferenz in Dresden wollen Methodisten Geld und Theologie in Einklang bringen

Auf ihrer Ostdeutschen Jährlichen Konferenz in Dresden wollen Methodisten Geld und Theologie in Einklang bringen

Sinkende Mitgliederzahlen, zurückgehende Einnahmen, zu wenig Pastoren - Veränderungen, mit denen die beiden großen Kirchen zu kämpfen haben, machen auch vor den Freikirchen nicht Halt.

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Christina Fischer, Frau von Pastor Gottfried Fischer, vor der evangelisch-methodistischen Immanuelkirche in Dresden-Cotta. Sie ist Gastgeberin der Jubiläumsveranstaltung zum 125-jährigen Bestehen des Frauenwerkes der Methodisten.

Quelle: Dietrich Flechtner

So hat sich in der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland die Zahl der Kirchenglieder seit 1998 um mindestens 16 Prozent verringert.

Unter dem Druck der wirtschaftlichen Lage müssen sie mit spitzem Stift Einnahmen und Ausgaben kalkulieren. Doch dies im Bewusstsein, nicht einfach ein Dienstleistungsunternehmen zu sein. Das bedeutet eine heikle Gratwanderung zwischen profaner Mathematik der Geldbeträge und geistlichem Auftrag. Die Ostdeutsche Jährliche Konferenz - das aus Laienvertretern und Pastoren zusammengesetzte Leitungsgremium der Methodisten in Teilen Sachsen-Anhalts, Thüringens und in Sachsen - wagt sie auf ihrer Zusammenkunft in Dresden, die noch bis Sonntag dauert. "Ökonomen der bunten Gnade Gottes" lautet deren Thema.

Die Einladung der gastgebenden Dresdner Gemeinden klingt wie ein Stoßseufzer: "Sind nicht schon genug Lebensbereiche ökonomisiert - jetzt auch noch der Glaube? Geht es bei letzterem nicht eher um Solidarität, Großzügigkeit und gerechten Ausgleich?" Dennoch wissen sie, dass bereits in den uralten Texten der Bibel allenthalben von Ökonomie die Rede ist. Daraus haben sie eine große Frage formuliert: "Gibt es gar eine Ökonomie Gottes, die es zu entdecken gilt?"

Pastor Frank Eibisch hat in seinem Theologischen Referat in der evangelischen Dreikönigskirche schon einmal einen offenen Dialog zwischen Theologie und Ökonomie ohne Berührungsängste vorgeschlagen. Eingedenk ihrer jeweiligen Voraussetzungen und Grenzen. Obzwar kein Ökonom, kennt er die Zwänge der Wirtschaft zumindest im Gesundheitswesen: Er ist Theologischer Geschäftsführer der Zeisigwaldkliniken Bethanien in Chemnitz. Die, eine gemeinnützige GmbH, hatte zuletzt eine Veränderung ihrer Unternehmensstruktur zu bewältigen. 2009 gründete sie eine Holdinggesellschaft, die wiederum wurde Tochter eines regionalen Betreibers von Sozialeinrichtungen, der edia.con.

Und so könnte der Dialog in Pastor Eibischs Augen aussehen: "Die Theologie machte es sich dabei zur Pflicht, darauf zu insistieren, dass Gott und somit dem Menschen gedient wird und nicht etwa dem Mammon. Und die Ökonomie hätte die Aufgabe, darauf zu achten, dass dabei die Kosten fleißig überschlagen und geprüft werden."

Dass die Kirche gerade in Sachen Wirtschaft gern Appelle an andere formuliert, registriert Pastor Eibisch sehr genau. Gibt aber zu bedenken, dass sie als Moralapostel allein nicht glaubwürdig wirkt. Selten indes lege sie über ihr eigenes ökonomisches Verhalten Rechenschaft ab. Gott aber habe, formuliert er salopp, "als Haushaltsvorstand sowohl in seinem eigenen Laden als auch in seinem Werk und Wirken die Dinge so gestaltet und sortiert, dass alle Voraussetzungen für ein gutes Leben geschaffen sind".

Auch eine Kirche wie die Methodisten unterhält Gebäude, stellt Menschen für den Dienst frei und bezahlt die. Christen neigen dazu, dies als lästiges Nebengeschäft zu betrachten. Dem widerspricht Pastor Eibisch entschieden: Auch die Beschäftigung mit den Immobilien und Finanzen der Kirche gehöre sehr wohl zum "Kerngeschäft" einer Kirche. "Die Beteiligung am kirchlichen Haushalt durch finanzielle Gaben ebenso wie die Auszahlung der Gehälter oder die Überweisung einer Rechnung für Büromaterial sind zugleich und in einem geistliche und betriebswirtschaftliche Vorgänge."

Anders als evangelische und römisch-katholische Kirche finanziert sich die Evangelisch-methodistische Kirche wie andere Freikirchen nicht aus Kirchensteuern, sondern allein aus freiwilligen Abgaben ihrer Mitglieder und Freunde. Im vergangenen Jahr hatten die Methodisten in einer Initiative dazu aufgefordert, ihre finanziellen Gaben auch theologisch zu bedenken, wie Pastor Eric Söllner, Sprecher der Konferenz, berichtet. "Diese Initiative ist sehr positiv aufgenommen worden. Und bereits zum Ende des Jahres 2011 konnte ein erhöhtes Spendenaufkommen registriert werden."

Nun wird weiter diskutiert. Zum Beispiel auch, ob das spezielle Umlagesystem der deutschen Methodistengemeinden für die Abgaben der Mitglieder tatsächlich so gerecht ist, wie die meisten meinen. Und außerdem, ob man Gemeinden nicht zusammenlegen könnte, bevor das knappe Geld dazu zwingt. Denn trotz Beteiligung zahlreicher Laien, so Pastor Söllner, leide die EmK daran, dass es wenig Nachwuchs für den Hauptamtlichen Dienst gebe.

Gewiss, die Arbeit der Kirche habe ihren Preis, meint Pastor Frank Eibisch. Doch bei allen ökonomischen Überlegungen: ein Produkt müsse sie nicht anbieten. Vielmehr sei sie "Verwalterin, Ökonomin der bunten Gnade Gottes".

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.06.2012

Tomas Gärtner

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