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Polizeiticker Immer mehr Unfälle auf der Autobahn
Dresden Polizeiticker Immer mehr Unfälle auf der Autobahn
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14:12 05.07.2018
Drei Fahrzeuge sind am Montagmorgen auf der A 4 bei Dresden-Hellerau kollidiert. Eine Person erlag ihren Verletzungen. Quelle: Roland Halkasch
Dresden

Drama im Berufsverkehr: Ein Mercedes Sprinter kracht am Montagmorgen auf der A 4 bei Hellerau an einem Stauende auf einen Brummi, der 63-jährige Beifahrer wird aus dem Transporter geschleudert und erliegt nur wenig später seinen schweren Verletzungen. Der 47-Jährige am Steuer des Transporters muss schwer verletzt in ein Krankenhaus. Drei Insassen eines Reisebusses aus der Ukraine, der ebenfalls nicht mehr rechtzeitig bremsen konnte, erleiden leichte Blessuren. Ein Unfall von vielen auf der A 4 – wenngleich selten einer so tragisch endet.

Immer wieder kracht und scheppert es auf den Autobahnen rings um Dresden. Die Zahl der Unfälle ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Die Dresdner Autobahnpolizei, die für insgesamt 126 Kilometer Autobahn in der Region zuständig ist, registrierte im abgelaufenem Jahr 1839 Unfälle. Zum Vergleich: Fünf Jahre zuvor waren es noch 1466 Zusammenstöße. Ein Zuwachs von immerhin 25 Prozent.

Bei einem Unfall auf der A 4 bei Dresden ist am Montagmorgen eine Person ums Leben gekommen.

Gerald Baier, der Chef der hiesigen Verkehrspolizeidirektion, dem auch das Autobahnpolizeirevier unterstellt ist, kennt diese Zahlen genau – und weiß auch um die Ursachen. Denn der Verkehr auf den Autobahnen nach Berlin, Leipzig, Prag, Görlitz und Chemnitz hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Allein am Dreieck Dresden-Nord rollen täglich bis zu 100 000 Fahrzeuge entlang. Laut Landesamt für Straßenbau und Verkehr zählt die A 4 bei Dresden inzwischen zu den am meisten befahrenen Autobahnabschnitten in Ostdeutschland.

Mehr Fahrzeuge, so sagt Gerald Baier, bedeuten allgemein auch mehr Unfälle. Hinzu kommt, dass gerade im Berufsverkehr einzelne Abschnitte überlastet seien, es für die Autofahrer dann richtig eng wird. Und: Aktuell tun auch die Baustellen ihr übriges, provozieren immer wieder Behinderungen und Stau. „Dort, wo es eng wird, steigt natürlich das Unfallrisiko“, erklärt der Leiter der Verkehrspolizei.

Was in der Unfallstatistik auffällt: In fast jedem zweiten Crash auf den Autobahnen um Dresden waren im vergangenen Jahr Brummis verwickelt und mehr als jeder vierte Unfall war sogar durch Lastwagen verursacht worden. Im Jahr 2012 war nur an jedem dritten Unfall ein Lkw beteiligt. Dennoch warnt Gerald Baier davor, den Brummi-Fahrern allein den schwarzen Peter zuzuschieben. „Das Problem liegt nicht nur an den Lkw, sondern an den Belastungen zu den Pendlerzeiten“, so Gerald Baier.

"Insgesamt passieren auf der Autobahn vergleichsweise wenig Unfälle"

Das besonders tragische Ende des Unfalls am Montagmorgen ist laut Gerald Baier die absolute Ausnahme. Denn auch wenn es öfter scherbelt – Tote sind eher selten zu beklagen. Im vergangenen Jahr gab es gar keinen Verkehrstoten auf den Autobahnen um Dresden, im Jahr zuvor waren es vier, 2015 einer. Ein Ausreißer in der Statistik ist das Jahr 2014, als im Sommer ein polnischer Reisebus auf der A 4 bei Dresden verunglückte. Elf Menschen kamen damals ums Leben.

Die Zahl der Schwerverletzten hat sich indes in fünf Jahren verdoppelt. Weist die Statistik für 2012 noch 28 Schwerverletzte aus, waren es 2017 insgesamt 46. Gerald Baier warnt angesichts vergleichsweise niedriger Fallzahlen jedoch vor Panikmache. „Die meisten Verkehrstoten und Verletzten haben wir nicht auf der Autobahn, sondern auf den Landstraßen. Insgesamt passieren auf der Autobahn vergleichsweise wenig Unfälle. Wenn sie aber passieren, hat das meist riesige Auswirkungen“, sagt der Leiter der Verkehrspolizeiinspektion. So auch am Montag, als in der Folge die komplette Autobahn für zwei Stunden gesperrt werden musste und es auf den Straßen in der gesamten Region zu langen Staus und erheblichen Behinderungen kam.

Allerdings blickt Gerald Baier auch mit Sorge in die Zukunft. Im Moment, so sagt er, sei die Situation noch beherrschbar. „Wenn der Verkehr aber weiter zunimmt, wird es richtig problematisch“, warnt der Fachmann. Ein echter Unfallschwerpunkt ist bereits eben jener vielbefahrene Bereich, wo am Flughafen die beiden Autobahnen aus Berlin und Görlitz zusammenkommen. Dort müssen sich Brummis und Pkw einfädeln, gibt es viele Spurwechsel. „Und mitunter sind auch die Geschwindigkeiten von Lkw und Pkw sehr verschieden“, sagt Gerald Baier.

Nicht das Tempo, sondern mangelnde Aufmerksamkeit ist das Hauptproblem

Auch deshalb hatte das Landesamt für Straßenbau und Verkehr dort inzwischen reagiert. Neue Warnschilder wurden aufgebaut, inzwischen gilt dort auch ein strenges Tempolimit. Der Bereich um die Abfahrt Hellerau zählt indes nicht zu den Schwerpunkten. Wegen den Bauarbeiten in Dresden-West kommt es derzeit allerdings immer wieder zu Rückstaus bis in diesen Bereich.

Angesichts der zu erwartenden Verkehrsentwicklung hält auch Gerald Baier einen Ausbau der Autobahn zwischen Nossen und Pulsnitz für dringend geboten. Aktuell arbeitet das Wirtschaftsministerium an den entsprechenden Unterlagen, um das Vorhaben beim Bund anzumelden. Die Papiere sollen in den nächsten Wochen eingereicht werden. Doch selbst wenn sich die Verantwortlichen in Berlin davon überzeugen lassen, wird es nach Ansicht von Experten noch mindestens zwei Jahrzehnte dauern, bis das Vorhaben einer zusätzlichen Fahrspur in jede Richtung umgesetzt werden kann.

Das ist auch dem Leiter der Verkehrspolizei bewusst. Bis dahin empfiehlt er den Ausbau intelligenter Verkehrssteuerungssysteme, um bei Bedarf Tempolimits oder Überholverbote für Lkw auf betroffenen Abschnitten anzuordnen. Forderungen nach generellen Überholverboten und Tempolimits steht er aber skeptisch gegenüber. Gefahren minimieren, wo es geboten ist – aber nicht dort eingreifen, wo es läuft, so seine Devise. Das größte Problem sieht er ohnehin nicht bei der Geschwindigkeit, sondern der Unachtsamkeit der vielen Autofahrer. „In den allermeisten Fällen sind die Unfallursachen Fehlverhalten bei den Fahrern – etwa, weil sie abgelenkt sind“, sagt Gerald Baier.

Von Sebastian Kositz

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