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Polizeiticker Was steckt hinter dem Drama um Robert K.?
Dresden Polizeiticker Was steckt hinter dem Drama um Robert K.?
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18:47 16.05.2018
In diesem Haus hatte sich Robert K. verschanzt. Quelle: Polizei Dresden
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Dresden

Als Opfer sah er sich, als Verlierer, der er nicht sein wollte. Sehr wahrscheinlich deshalb musste die Rentnerin Elsa M. sterben. Am Ende schoss sich der Dresdner Robert K. selbst mit einem Revolver in den Kopf - nach einem brutalen und nervenaufreibenden Showdown mit Spezialkräften der Polizei auf einem Truppenübungsplatz in Königsbrück. Nach dem blutigen Drama geben die Vorfälle reichlich Rätsel auf. Was trieb einen bis dahin völlig unauffälligen jungen Mann dazu, erst eine wehrlose Rentnerin zu erstechen, auf Polizisten zu schießen und am Ende sich selbst zu richten?

Betrunken randaliert

Die Kette tragischer Ereignisse begann am vergangenen Donnerstag eher unspektakulär. Anwohner hatten die Polizei alarmiert, weil Robert K. in seiner Wohnung im Dresdner Stadtteil Kaditz herumrandalierte. Die Beamten stießen auf einen völlig betrunkenen Mann, der sich nicht zur Raison bringen lassen wollte. Kurzerhand nahmen die Polizisten den 33-Jährigen in Gewahrsam, die Nacht verbrachte er in einer Ausnüchterungszelle.

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Polizei und Freistaat informierten am Dienstag über die Ereignisse in Königsbrück und zeigten dabei auch die Folgen der Schießerei.

Doch die Beamten nahmen nicht nur Robert K. mit. In der Wohnung fanden die Ordnungshüter auch sieben Waffen. Zwei Pistolen, fünf Langwaffen, ordnungsgemäß aufbewahrt, alle auf einer Waffenbesitzkarte auf den jungen Mann eingetragen, alles völlig legal. Robert K. war Sportschütze. Trotzdem kassierten die Polizisten die Waffen erst einmal ein – aus Gründen der Sicherheit.

Sportschießen hatte große Bedeutung

Genau darin, so glaubt zumindest die Polizei, könnte die Ursache des Dramas liegen. „Dass man ihm das Spielzeug geraubt hat, könnte der Grund gewesen sein, dass er so austickt“, erklärt Dresdens Polizeipräsident Horst Kretzschmar. Das Sportschießen hatte für ihn offenbar eine große Bedeutung. Genährt wird diese Annahme vor allem durch einen Brief, den der 33-Jährige selbst verfasst hatte und den die Beamten nach dem Mord an der 75-jährigen Rentnerin in dessen Wohnung fanden.

Die Frau lebte in der Wohnung unter Robert K.. Zeugen hatten am Sonnabendvormittag Schreie aus der Wohnung der Frau vernommen, abermals mussten die Beamten an dem Wohnhaus des 33-Jährigen anrücken. Dort machten die Polizisten eine grausige Entdeckung: Die Seniorin war erstochen worden. Der Verdacht fiel rasch auf den 33-Jährigen. Der war da jedoch bereits verschwunden. Dafür lieferte besagter Brief Aufschlüsse.

Täter sah sich als Opfer

In dem Schriftstück bezeichnete sich der 33-Jährige als Opfer polizeilicher Willkür, nahm direkten Bezug auf den Einsatz am Donnerstag. Und er kündigte an, gezielt an den dafür Verantwortlichen Rache zu üben, nicht als Verlierer dastehen zu wollen, wie Horst Kretzschmar erklärt. Fallanalytiker hätten daraus geschlossen, dass es Robert K. gezielt auf seine Nachbarn und Polizisten abgesehen habe. „Wir haben den Eindruck bekommen, dass der Täter wirklich angreifen wollte“, sagt der Polizeipräsident.

Die Verantwortlichen in Dresden forderten deshalb umgehend Spezialkräfte von Bund und Ländern an, leiteten eine öffentliche Fahndung ein. Ein Zeugenhinweis brachte die Polizei auf die Spur von Robert K.. Dessen Auto war am Sonntag in Königsbrück gesichtet worden – in der Nähe seines Elternhauses.

Polizisten unter Beschuss

Mit gepanzerten Fahrzeugen durchkämmten die Beamten daraufhin die Gegend. Als sich die Polizisten schließlich einem alten Gebäude auf dem verlassenen Truppenübungsplatz nördlich von Königsbrück näherten, gerieten sie in ihren Fahrzeugen plötzlich unter Beschuss. Die Geschosse schlugen in der Motorhaube, am Heck, an Türen ein. Bei einem Auto sorgte ein Projektil für einen platten Reifen.

Die Beamten überstanden den Angriff unversehrt – weil die Fahrzeuge über eine spezielle Panzerung verfügten. Insgesamt drei Autos wurden beschädigt, müssen nun aufwendig repariert werden. Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU), der am Dienstag in Dresden die Schäden an den Fahrzeugen selbst in Augenschein nahm, betonte bei dieser Gelegenheit, wie wichtig eine gute Ausrüstung für die Beamten sei. „Das müssen wir weiter ausbauen“, kündigte der Politiker an.

Erster Zugriffsversuch scheiterte

Vor Ort in Königsbrück hatten die Beamten den Angreifer indes in dem verlassenen Gebäude genau ausmachen können. Was folgte, war ein Nervenkrieg, der sich über den gesamten Montag hinziehen sollte. Zwar konnten die Spezialkräfte das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss einnehmen. Der erste Zugriffversuch auf den 33-Jährigen, der sich im Dachgeschoss verschanzt hatte, ging allerdings schief.

Als ein GSG9-Beamter übers Dach einsteigen wollte, eröffnete Robert K. das Feuer. Der Beamte wurde am rechten Unterarm verletzt, auch ein Hund, der darauf trainiert ist, in solchen Situationen den Angreifer zu überwältigen, wurde getroffen. Innenminister Roland Wöller hatte am Dienstagvormittag den Polizisten in der Klinik besucht, er sei ansprechbar und wohlauf. Ob der Hund überleben werde, sei indes noch offen, sagte Wöller. Medien berichteten später, auch das Tier sei außer Gefahr.

Roboter kam zum Einsatz

Nach dem missglückten Zugriff auf dem Truppenübungsplatz blieb es vor Ort für längere Zeit ruhig. Auf Verhandlungsversuche der Polizei habe der 33-Jährige nicht reagiert, schildert Horst Kretzschmar. Schließlich schickte die Polizei einen Roboter mit Kamera vor. Am Abend stellten die Beamten mit der Technik schließlich fest, dass sich der junge Mann in den Kopf geschossen hatte.

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Suche nach Mordverdächtigem aus Dresden

Den Angaben des Polizeipräsidenten zufolge handelt es sich bei der Waffe von Robert K. um einen Revolver des Herstellers Smith and Wesson. Zwar hatten die Beamten alle Waffen in der Wohnung des 33-Jährigen mitgenommen. Den Revolver hatte sich Robert K. jedoch offenbar noch am Freitag aus seinem Schützenverein mitgenommen. Als die Polizisten den Verein im Dresdner Stadtteil Klotzsche am Sonnabend durchsuchten, stellten sie fest, dass der Revolver dort fehlte.

Obduktion soll Details klären

Unklar ist, wann genau sich Robert K. erschossen hatte. Eine Frage, die Polizeisprecher Thomas Geithner noch nicht beantworten konnte. Die Beamten warten jetzt auf das Obduktionsergebnis. Keine Erklärung haben die Ermittler zudem dafür, warum der junge Mann plötzlich durchdrehte. Der 33-Jährige ist nicht vorbestraft, war der Polizei zuvor nicht aufgefallen. Robert K. galt als Eigenbrötler, hatte nur wenige Freunde. Mitglieder seines Schützenvereins beschreiben ihn als unauffällig. Seine zweite Leidenschaft galt offenbar Dynamo Dresden – zumindest verfügte er über eine Jahreskarte.

Einsatz in Bosnien

Als Soldat war Robert K. einmal in Bosnien-Herzegowina im Auslandseinsatz. Eine Spezialausbildung habe der Mann jedoch nie absolviert. Und: Der 33-Jährige habe auch keine psychischen Probleme, sei nicht in Behandlung, erklärt Polizeisprecher Thomas Geithner. In seiner Wohnung seien weder Medikamente noch Drogen gefunden worden, auch Alkohol war offenbar nie ein Problem.

Aktuell laufen weiterhin die Ermittlungen. Die Polizei geht fest davon aus, dass Robert K. seine Nachbarin erstochen hat. In Königsbrück haben derweil die für den Kreis Bautzen zuständigen Staatsanwaltschaft und Polizei in Görlitz die Ermittlungen übernommen. Am Dienstag sicherten die Einsatzkräfte Spuren in und um dem Gebäude auf dem Truppenübungsplatz. Dresdens Polizeipräsident Horst Kretzschmar zeigte sich überrascht, „wie viele Patronenhülsen in den Tatobjekt herumlagen“.

Von Sebastian Kositz

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