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Nach rassistischer Attacke in Dresden: "Wurden wieder mal eines Blöderen belehrt"

Nach rassistischer Attacke in Dresden: "Wurden wieder mal eines Blöderen belehrt"

"Wir haben gehofft, dass Fans sich fair verhalten. Egal, wie Fußballspiele ausgehen oder wie viel Alkohol getrunken wird. Aber wir wurden wieder mal eines Blöderen belehrt.

" Marianne Thum von der Dresdner Opferberatung des RAA Sachsen ist gestern die Verbitterung über die rassistische Attacke von Sonnabendfrüh in der Neustadt deutlich anzumerken gewesen. Auf dem Albertplatz waren gegen 5 Uhr sechs Angreifer unter anderem auf einen Deutschen mit dunkler Hautfarbe losgegangen (DNN berichteten).

Sie beschimpften den 20-Jährigen mit ausländerfeindlichen Sprüchen, der daraufhin mit seinen Begleiterinnen in eine Straßenbahn flüchtete. Den Rowdys gelang es noch, eine bereits geschlossene Tür der Bahn zu öffnen, doch in dem Moment traf glücklicherweise die Polizei ein und verhinderte Schlimmeres.

"Ich frage mich, was passiert wäre, wenn kein Passant die Polizisten alarmiert hätte. Dann wären die Täter mit Sicherheit in die Bahn gelangt und es hätte Verletzte gegeben", meint Thum. Sie will nun über den zuständigen Sachbearbeiter bei der Polizei mit dem 20-Jährigen in Kontakt treten und den jungen Mann über die Angebote der Dresdner Opferberatung in Kenntnis setzen. "Die Gefahr, dass Menschen, die nicht in das Weltbild dieser Ewiggestrigen passen, etwas passiert, besteht leider immer und ist bei großen Ereignissen wie der Fußball-Europameisterschaft um einiges höher, vor allem wenn Alkohol die Hemmschwelle im Kopf auf ein Minimum reduziert", beklagt sie.

Marianne Thum hat unmittelbar vor Beginn der EM mit zahlreichen Dönerverkäufern gesprochen. "Dabei hörte ich immer wieder, wie froh man sei, dass es die Türkei diesmal gar nicht erst ins Turnier geschafft habe." Thum spielt auf die Ereignisse vor vier Jahren an, als mehrere Vermummte nach dem Halbfinalsieg von Deutschland gegen die Türkei einen Dönerladen am Albertplatz angegriffen hatten. An dem Überfall mit mehreren Verletzten waren Mitglieder der kriminellen Vereinigung "Hooligans Elbflorenz" beteiligt.

Unterdessen hat Polizeihauptkommissarin Jana Ulbricht gestern auf DNN-Anfrage mitgeteilt, dass die am Sonnabend vorläufig festgenommenen Tatverdächtigen bereits im Vorfeld auf der Alaunstraße in Erscheinung getreten sind. "Dabei war es innerhalb einer Gruppe von etwa 20 Personen zu lautstarken Meinungsverschiedenheiten gekommen, welche eine polizeiliche Intervention notwendig machten". Anzeigen wegen Sachbeschädigung und Nötigung seien aufgenommen worden. "Es liegen aber keine Erkenntnisse vor, dass durch diese Gruppe zu diesem Zeitpunkt Personen beleidigt bzw. ausländerfeindliche Äußerungen erfolgten", betont Ulbricht. Die Angreifer sollen dem rechtsmilitanten Netzwerk "Faust des Ostens" nahe stehen, gegen das die Polizei erst vor einer Woche mit einer Großrazzia in Dresden und Umgebung vorging.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.06.2012

Christoph Stephan

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