Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -5 ° Schneeschauer

Navigation:
Google+
Polizei und Stadt wollen Kontrollen am Wiener Platz in Dresden verstärken

Drogenhandel Polizei und Stadt wollen Kontrollen am Wiener Platz in Dresden verstärken

Die Polizei will gemeinsam mit der Stadt ihre Präsenz auf der Prager Straße und dem Wiener Platz erhöhen. Ab Montag sollen gemeinsame Streifen des Reviers Mitte und des gemeindlichen Vollzugsdienstes über die Einkaufsmeile patrouillieren.

Wiener Platz ist Drogenumschlagsplatz.
 

Quelle: Tino Plunert

Dresden. Die Polizei will gemeinsam mit der Stadt ihre Präsenz auf der Prager Straße und dem Wiener Platz erhöhen. Ab der nächsten Woche (ab 8. Januar 2018) sollen gemeinsame Streifen des Reviers Mitte und des gemeindlichen Vollzugsdienstes über die Einkaufsmeile patrouillieren, kündigt Polizeisprecher Thomas Geithner auf DNN-Anfrage an. Ziel sei es, an drei Tagen pro Woche unterwegs zu sein. Die gemeinsamen Streifen sind eigentlich Bestandteil des von der Stadt aufgelegten Präventionsprogramms, mit dem man den Drogenhandel auf dem Wiener Platz in den Griff bekommen will, werden aber vor dem noch ausstehenden Stadtratsbeschluss realisiert.

Damit reagieren Polizei und Stadt auch auf Stimmen, die auf dem seit Jahren in Verruf geratenen Wiener Platz mehr Polizeipräsenz fordern. Genau vor einer Woche (30. Dezember) hatte dort eine Gruppe von etwa 15 arabisch aussehenden, aber deutsch sprechenden Kindern und Jugendlichen sechs Jugendliche angegriffen und mit Messerstichen, Tritten und Schlägen verletzt. Eines der Opfer musste mit einem Lungenstich schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht werden. Die Ermittler haben bereits erste Ansätze, einer der Tatverdächtigen sei namentlich bekannt. Einen Zusammenhang zur Drogenszene sehen die Ermittler nicht.

Gibt es rivalisierende Banden auf Prager Straße und Wiener Platz?

„Nein“, sagt Polizeisprecher Geithner. Eine Bandenbildung habe die Polizei bisher nicht beobachten können. Auseinandersetzungen zwischen größeren Gruppen rings um die Prager Straße habe man in der Vergangenheit zumeist auf Streitigkeiten zwischen zwei Personen zurückführen können, die sich Verstärkung im Freundeskreis gesucht hätten. Ob das bei der Messerstecherei am Wiener Platz auch der Fall ist, können die Ermittler noch nicht sagen. Um Revierkämpfe habe es sich nach derzeitiger Einschätzung nicht gehandelt. „Das hätte genauso auch auf dem Altmarkt passieren können“, sagt Geithner.

Warum wird der Drogenhandel nicht vom Wiener Platz vertrieben?

„Er würde sich dann nur verlagern und wir müssten ihm hinterherreisen“, sagt Polizeisprecher Geithner. Offenbar hat die Polizei das Gefühl, die Drogendealer auf dem Wiener Platz ganz gut im Griff zu haben. Vor allem durch regelmäßige Kontrollen. 75 dieser Razzien hat es seit Mitte Februar 2014 gegeben. 2017 waren es zwölf, die erste im neuen Jahr gab es am Donnerstag. Dabei wurden 14 Menschen kontrolliert, von denen sich zwei Libyer, zwei Deutsche und ein Tunesier wegen Drogendelikten verantworten müssen. Insgesamt wurden zwölf Gramm Cannabisprodukte aus dem Verkehr gezogen – ein Ergebnis am unteren Ende der Palette. Meist werden sechs bis zwölf Dealer mit kleineren Mengen Haschisch erwischt, wobei in letzter Zeit auch häufiger Cannabisblüten aufgefunden werden. Die Dealer sind meist Ausländer, die Käufer Deutsche. Wem die Polizisten drei Mal Handel nachweisen können, der geht mit hoher Wahrscheinlichkeit sofort in Haft, weil ihm gewerblicher Drogenhandel zur Last gelegt werden kann. „Es gibt inzwischen Staatsanwälte, die bei diesen Einsätzen feste Ansprechpartner sich für uns sind“, sagt Geithner. Auch die Einsatzkräfte seien mit den örtlichen Begebenheiten sehr vertraut, können zudem im Umfeld auf Wohnungen zur Beobachtung zurückgreifen. Nicht nur der Drogenhandel, auch die Polizei hat sich auf dem Wiener Platz eingerichtet.

Seit 2014 wird kontrolliert, an den Ergebnissen ändert sich kaum etwas. Warum haben die Maßnahmen nicht mehr Erfolg?

Die relativ stabile Lage wird als Erfolg gewertet. „Mit polizeilichen Maßnahmen können wir es nicht ändern, dass es eine Nachfrage nach Drogen gibt“, sagt der Polizeisprecher. „Das ist ein gesellschaftliches Problem.“ Deswegen begrüßt die Polizei auch die verstärkten Bemühungen der Stadt, das Ihre zur Beseitigung des Drogenhandels zu tun. Ziel der Polizeiarbeit sei es, den „unserer Meinung nach relativ kleinen Schritt“ von einer offenen Drogenanbieterszene zur offenen Drogenszene, bei der auch in der Öffentlichkeit Rauschmittel konsumiert werden, zu verhindern und den Handel einzudämmen, sagt Geithner. „Das ist uns bisher gelungen.“ Gemessen an anderen Großstädten habe Dresden kein dramatisches Drogenproblem. „Gleichwohl ist es mehr als noch vor zehn oder 20 Jahren, darauf reagieren wir auch“, sagt der Polizeisprecher.

Würden Überwachungskameras nicht für mehr Sicherheit sorgen?

Ihr Einsatz auf dem Wiener Platz ist schwierig. Wegen der vielen Winkel und Gassen am Platz müssten mehrere Kameras aufgestellt werden, die entsprechend rund um die Uhr überwacht werden müssen. Außerdem bräuchte es eine Eingreiftruppe, die kurzfristige für Einsätze abgerufen werden kann, wenn etwas beobachtet wird. „Wenn wir schon Personal bereitstellen, haben wir es doch lieber vor Ort, das bringt uns mehr“, argumentiert Geithner. Hintergrund ist auch, dass die sächsische Polizei personell auch 2018 noch durch ein tiefes Tal geht, ehe ab 2019 die neuen Ausbildungsjahrgänge die gelichteten Reihen füllen. Eine eigene Einheit, die sich wie in den 90er Jahren mit der Prager Straße befasst, wird es deshalb nicht so schnell geben.

Andererseits stellt der Datenschutz Schranken auf. Um Beweise für Drogenhandel zu sichern, müssten die Kameras hochauflösend aufnehmen, wie Drogen und Geld die Hände wechseln. So stark auflösende Bilder dürfen Kameras auf öffentlichen Plätzen aus Datenschutzgründen nicht filmen. Erlaubt sind nur Überblicksbilder, die für die Drogenermittler keinen Wert haben.

Wird auf dem Wiener Platz nicht nur Drogenbesitz, sondern auch das Mitführen von Waffen kontrolliert?

Bisher nicht. Wenn verbotene Waffen aufgefunden werden, sei das bisher nur „Beifang“, wie Polizeisprecher Geithner sagt. Dabei kann die Polizei am Wiener Platz wie in der Äußeren Neustadt ohne konkreten Tatverdacht Personen kontrollieren und durchsuchen, weil es sowohl im Kneipenviertel als auch am Hauptbahnhof je drei behördlich erfasste „gefährliche Orte“ gibt, an denen das möglich ist. Trotz dieser Kategorisierung sagt Geithner: „Ich kann verstehen, dass manche Passanten die Situation als unangenehm empfinden, aber um seine Sicherheit fürchten muss niemand.“

Von Uwe Hofmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Polizeiticker
Feuerwehren: Rufnummern und Adressen

Bei Bränden und Notfällen erreichen Sie hier die Feuerwehren vor Ort. mehr

Schmutz vor der Haustür, Graffito an Wand. Informieren Sie das Dresdner Ordnungsamt. mehr

Die Polizei gibt Tipps, wie sich Mieter und Hausbesitzer besser gegen Einbrecher wappnen können.mehr