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Hoher Krankenstand unter Dresdens Polizisten

Hoher Krankenstand unter Dresdens Polizisten

Hohe Belastung, weniger Kollegen: In den sächsischen Polizeirevieren fällt täglich fast jeder zehnte Beamte aufgrund von Krankheit aus. Deshalb wächst die Kritik an Innenminister Markus Ulbig (CDU) und dessen Polizeireform.

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Quelle: Jens Wolf

Inzwischen warnen nicht nur die Opposition und die Gewerkschaft vor dramatischen Folgen - auch in der schwarz-gelben Koalition wächst der Widerstand.

Pro Tag sind im Freistaat fast 1000 Polizisten krank gemeldet. Das entspricht einem durchschnittlichen Anteil von 8,3 Prozent aller Beamten. Besonders hoch ist die Fehltage-Quote in den Polizeidirektionen Leipzig und Görlitz, wo täglich mindestens jeder zehnte Polizist fehlt. Wie aus einer Auflistung des Innenministeriums hervorgeht, die den DNN vorliegt, sind die Krankschreibungen seit 2010 in allen Polizeidirektion gestiegen, insbesondere in den Regionen Chemnitz, Görlitz und Leipzig. In der Polizeidirektion Dresden waren 2013 rund 8,4 Prozent der Beamten krank gemeldet, 2010 waren es 7,8 Prozent. 2011 aber auch schon mal 10 Prozent.

Mittlerweile kommt jeder der 11 000 Polizisten im sogenannten Streifendienst auf gut 31 Krankheitstage pro Jahr. Zum Vergleich: Bei den Thüringer Kollegen sind es 27 Tage, der sachsenweite Durchschnitt aller Arbeitnehmer liegt bei 17 Tagen.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) spricht bereits von katastrophalen Zuständen. "Wir reden hier nicht von Erkältungen oder einem gebrochenen Bein. Mindestens ein Drittel der Erkrankungen sind psychischer Natur, meist Burn Out - die Leute werden kaputt gespielt", sagt GdP-Landeschef Hagen Husgen, "die Kriminalität geht ja nicht zurück, nur weil Herr Ulbig Stellen streicht." Außerdem, so Husgen, gibt es neben den regulären Kranken weitere zehn Prozent unter den Polizisten, die aufgrund von Vorerkrankungen nur eingeschränkt dienstfähig sind - also keinen Schichtdienst leisten, keine Noteinsätze fahren und keine Waffe tragen dürfen. Das heißt: Insgesamt fällt sogar jeder fünfte Beamte für den Streifendienst aus.

Unterstützung erhält die GdP von der Opposition. SPD-Innenexpertin Sabine Friedel moniert: "Es ist klar, dass viele über die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit gehen und krank werden. Praktisch heißt das: Noch mehr Arbeit für noch weniger Beamte, denen die kranken Kollegen fehlen." Selbst Grüne und Linke - die die Polizei häufig kritisch sehen - mahnen Ulbig zu Nachbesserungen und einer Stellenaufstockung. Das Innenministerium bestreitet dagegen einen Zusammenhang zwischen dem steigenden Krankenstand und der Strukturreform, durch die bis 2020 insgesamt 2700 Stellen gestrichen werden. "Die psychische und physische Belastung ist bei Polizeibeamten viel höher als im Bevölkerungsdurchschnitt", heißt es im Ulbig-Ministerium. Und: "Uns liegen keine Informationen zu den Krankheitsgründen vor." Das Ministerium verweist zudem auf seine Fürsorgepflicht gegenüber den Beamten: So könnten Polizisten während der Dienstzeit pro Monat vier Stunden Sport treiben.

Dennoch wächst der Widerstand gegen Ulbigs Reform auch in den eigenen Reihen. In der CDU-Fraktion wird inzwischen offen die wachsende Personallücke kritisiert. Auch der Koalitionspartner sieht die Entwicklung "mit Sorge". FDP-Fraktionsvize Benjamin Karabinski sagt: "Die hohe Zahl der Krankschreibungen zeigt, dass wir ein Problem haben. Ich kann nur hoffen, dass etwas getan wird." Es sei nun am Innenminister, "die nötigen Lösungen" zu erarbeiten.

Andreas Debski

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