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Polizeiticker Erstochener Asylbewerber Khaled I. in Dresden: Mitbewohner gesteht Mord
Dresden Polizeiticker Erstochener Asylbewerber Khaled I. in Dresden: Mitbewohner gesteht Mord
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17:17 09.09.2015
Am Fundort der Leiche von Khaled I. wurden zahlreiche Blumen und Kerzen abgelegt. (Archiv) Quelle: dpa
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Wie die Staatsanwaltschaft Dresden am frühen Abend mitteilte, habe insbesondere die molekulargenetische Auswertung der mutmaßlichen Tatwaffe zur Festnahme des eritreischen Tatverdächtigen geführt. Nach ersten Erkenntnissen habe sich der 26-jährige Tatverdächtige mit dem späteren Opfer über die Haushaltsführung gestritten. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Dresden hat das Amtsgericht Dresden gegen den Beschuldigten Haftbefehl wegen Totschlags erlassen. Weitere Auskünfte zu den andauernden Ermittlungen könnten derzeit noch nicht gegeben werden.

Der getötete Eritreer kam als Asylbewerber nach Dresden, lebte seit wenigen Monaten in einer Wohnung mit anderen Flüchtlingen im Stadtteil Leubnitz-Neuostra. Am 13. Januar wurde der Mann tot in einem Innenhof in der Nähe der Wohnung aufgefunden. Die Polizei hatte zunächst mitgeteilt, dass sie keine Hinweise auf Fremdeinwirkung festgestellt habe. Nach der Obduktion gaben die Behörden dann bekannt, dass der Mann mit Messerstichen in Hals und Brust getötet worden war. Das hatte Kritik an den Ermittlern ausgelöst. Wegen der Pegida-Demonstrationen in Dresden, die auch schärfere Asylgesetze forderten, hatte Khaleds Tod großes Aufsehen erregt.

Die Ermittler standen auch unter Druck, weil die Stimmung in der Stadt wegen der islamkritischen Bewegung Pegida aufgeheizt war. Tausende Menschen hatten in Dresden und Berlin Khaleds gedacht. Dabei wurde auch der Verdacht auf ein rassistisches Motiv geäußert. Der Fall hat zudem bei in Dresden lebenden Ausländern Angst und eine politische Debatte ausgelöst. Bundespolitiker warfen der Polizei Nachlässigkeit vor, weil sie nicht sofort auch eine fremdenfeindliche Tat erwogen hatte.

Der Grüne Volker Beck hatte Strafanzeige wegen möglicher Strafvereitelung im Amt gestellt. Andere Politiker hatten vor Spekulationen gewarnt und appelliert, die Untersuchungsergebnisse abzuwarten. Sachsens CDU-Generalsekretär Michael Kretschmer verlangte nun umgehend eine Entschuldigung von Beck, sollte sich der Sachstand bewahrheiten. „Dieser Vorgang und die Spontan-Demonstrationen zeigen, welche Stereotype und Vorurteile es gegenüber Ostdeutschen gibt“, meinte Kretschmer.

Auch der innenpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Christian Hartmann, meinte, es sollten sich all diejenigen bei der Polizei und für die politische Instrumentalisierung entschuldigen, die voreilig Vorwürfe erhoben hätten. „Das ist das Mindeste für die bestenfalls leichtfertige Verunglimpfung einer ganzen Stadt.“

Beck verwies auf die Ermittlungsfehler, die die Staatsanwaltschaft auch eingeräumt habe. „Die Frage, warum die Spurensicherung erst über 24 Stunden nach der Tat begann, bleibt“, sagte er. Becks sächsischer Parteifreund Valentin Lippmann, Innenexperte der Grünen-Landtagsfraktion, sieht diesen Umstand ebenfalls weiterhin kritisch. „Da die Berichterstattung zu diesem Verbrechen durch rassistische Kommentare in den sozialen Netzwerken begleitet wurde, ist zu befürchten, dass es zu einer weiteren Welle übler Verlautbarungen kommen wird“, hieß es in einer Presseerklärung. Der Landesvorsitzende der Linken, Rico Gebhardt, äußerte die Hoffnung, dass die schnelle Aufklärung des Falles einen Beitrag dazu leistet, „verlorenes Vertrauen angesichts der Pannen zu Beginn der Ermittlungsarbeiten wiederzugewinnen“.

„Unsere Trauer bleibt - unberührt von den Ermittlungsergebnissen“, sagte eine Sprecherin der Arbeiterwohlfahrt (AWO), deren Sozialarbeiter sich zuletzt um die Flüchtlinge aus Eritrea gekümmert hatten. Die Mitteilung der Ermittler, dass Khaled von einem Mitbewohner getötet wurde, ändere nichts an der Angst der Flüchtlinge in Sachsen.In den vergangenen Wochen hatte es nach Angaben der Sozialarbeiter bereits Hakenkreuz-Schmierereien im Treppenhaus, Tritte gegen die Tür und Pöbeleien gegeben. In der von den Großdemonstrationen der Pegida und islamistischen Terrordrohungen aufgeheizten Stimmung trat das persönliche Schicksal des 20-Jährigen in der Stadt fast in den Hintergrund.

Dabei hatte Khaled geschafft, wovon viele seiner Landsleute träumen: Er gelangte von Eritrea nach Libyen und per Flüchtlingsboot nach Italien, später weiter nach Deutschland. Sein Bruder, der auf einem anderen Schiff die Überfahrt wagte, kam ums Leben. Khaled, der schon angefangen hatte, Deutsch zu lernen, war bescheiden, unauffällig und freundlich, beschreibt ihn sein Freund Hbdelwahab. „Er hat gern Fußball gespielt und davon geträumt, hier zu studieren.“ Am Wochenende wird er auf einem Friedhof in Berlin-Spandau beerdigt.

dbr/dpa

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